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Private Krankenversicherung: Die Schlinge um die PKV zieht sich zu

von Thomas Schmitt

Linke Politiker und Krankenkassen befeuern ihre Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich die Kritiker. Versicherer und AOK bombardieren sich gegenseitig mit Horrorszenarien zur Beitragsentwicklung.

Cowboy bei einem Rodeo. Quelle: ap
Cowboy bei einem Rodeo. Quelle: ap

Seit fast zwei Jahrzehnten ist Oskar K. in der privaten Krankenversicherung (PKV). Lange war der Akademiker zufrieden, doch seit ein paar Jahren steigt sein Ärger. „Ein großer Teil der Privatversicherten sitzt auf einem Pulverfass“, sagt er heute. Denn wie sich Leistungen und Beiträge künftig entwickeln, sei nicht absehbar. 

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Das sehen immer mehr Politiker, Verbraucherschützer und viele Konkurrenten der PKV genauso. Und sie nehmen einzelne Fälle wie den von Oskar K. inzwischen wöchentlich zum Anlass, den öffentlichen Druck auf die privaten Anbieter zu erhöhen. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen. 

So stark steigen die Prämien in der PKV

  • Bandbreite

    Wie stark die Prämie in der privaten Krankenversicherung steigen, ist heftig umstritten. Die Angaben von Analysten, öffentlichen Stellen und der Branche schwanken zwischen drei und neun Prozent pro Jahr. Das jeweilige Ergebnis hängt dabei stark vom Betrachter und der Rechenmethode ab.

    Quelle: AOK-Studie „Krankenversicherungsmarkt der Zukunft“

  • Finanzministerium

    Die Finanzaufsicht Bafin führt seit über einem Jahrzehnt eine Statistik über die Beitragsentwicklung der gut 40 privaten Krankenversicherer. Grundlage sind Angaben der Unternehmen. Bisher war diese Statistik unbekannt. Auf eine Anfrage der Linken im Bundestag ergab sich im April 2012: 5,2 Prozent Steigerung pro Jahr im Zeitraum 2000 bis 2010.

  • PKV-Verband

    Die Branche ist mit Angaben über die Beitragsentwicklung sehr zurückhaltend. Gemeinhin beziehen sich die Manager auf Berechnungen von Analysten. In der PKV-Publik Ausgabe 03/2012 ist ein Wert von 3,3 Prozent pro Jahr genannt.

  • Map-Report

    In der Branche stark beachtet wird der Map-Report. Dessen Berechnungen beruhen aber nur auf einem Teil der Branche, und zwar jenen Unternehmen, die an den Analysten Daten liefern. 5,3 Prozent pro Jahr berechnete der Map-Report für den Zeitraum 1997 bis 2008. Für den Zeitraum 1994 bis 2007 sind es 5,1 Prozent. Als Quelle dafür nennt die AOK-Studie das IGES Gutachten.

  • Morgen & Morgen

    Die Analysten von Morgen & Morgen kommen auf 4,2 bis 5,0 Prozent pro Jahr. Die Basis für diese Berechnung sind einzelne Tarifsteigerungen gerechnet für alle Tarife im Zeitraum 1998 bis 2007. Als Quelle nennt die AOK-Studie das IGES Gutachten.

  • Krankenkassen

    Die AOK-Studie „Krankenversicherungsmarkt der Zukunft“ berechnet die Steigerung der Prämie je Versicherter zwischen 1997 und 2007 auf 4,1 Prozent. Dabei wurden neue Tarife,

    Selbstbehalte, Leistungskatalogänderungen nicht berücksichtigt. Quelle dafür: PKV-Zahlenbericht sowie eigene Berechnungen der Studienschreiber

  • So stark steigen die Bestandsprämien

    Für einen männlichen Angestellten, 32 Jahre alt und die Ehefrau, 28 Jahre, versichert ab 1993, berechnete der Map-Report eine Beitragssteigerung von 4,1 - 7,5 Prozent pro Jahr. Quelle: IGES Gutachten

  • So viel mehr zahlen Neukunden

    Für einen männlichen Angestellten, 32 Jahre alt und die Ehefrau, 28 Jahre, versichert ab 1993, berechnete der Map-Report in den Neukundentarifen eine Beitragssteigerung von 6,1 bis 8,9 Prozent pro Jahr.

    Quelle: IGES Gutachten

  • So entwickeln sich die günstigsten Tarife

    Die Analysten von Morgen & Morgen haben für die günstigsten Tarife im Zeitraum von 1998 bis 2007 folgende Beitragssteigerung pro Jahr errechnet: 2,5 bis 3,3 Prozent

    Quelle: IGES Gutachten

  • So geht es in den teuersten Tarifen hoch

    Die Analysten von Morgen & Morgen haben für die günstigsten Tarife im Zeitraum von 1998 bis 2007 folgende Beitragssteigerung pro Jahr errechnet: 4,9 - 5,3 Prozent

    Quelle: IGES Gutachten

  • So schnell verdoppeln sich die Prämien

    GKV: alle 32 Jahre, Steigerungsrate 2,2 Prozent pro Jahr

    PKV: alle 17 Jahre, Steigerungsrate 4,1 Prozent pro Jahr

    Zum Vergleich das BIP: alle 29 Jahre, bei einer Steigerungsrate von 2,4 Prozent

    Quelle: Prognose in der AOK-Faktensammlung

Befeuert wird die Anti-PKV-Kampagne durch immer neue Berichte und Studien über starke Beitragsanstiege. So hat Oskar K. dem Handelsblatt aufgezeigt: Innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelte sich seine Prämie nahezu. Dass der Informatiker kein Einzelfall ist, belegen nun sogar Zahlen, die jüngst von der Bundesregierung veröffentlicht wurden. Seit 2000 sind die Prämien für Privatpatienten im Schnitt um mehr als fünf Prozent gestiegen. Generell gilt dabei: Für Beamte eher weniger, für Angestellte und Selbstständige eher mehr. 

Für die gut 40 privaten Krankenversicherer sind das unangenehme Wahrheiten. Denn wenn privat versicherte Angestellte mit sechs Prozent oder mehr Beitragsanstieg rechnen müssen, dann verdoppelt sich ihre Prämie theoretisch alle zwölf Jahre. Wer also als Angestellter dem Höchstbeitrag der Krankenkassen entkommen ist und seine Prämie in der PKV halbiert hat, ist viel schneller als gedacht wieder auf seinem Ausgangsniveau. 

Bitter für die Branche: Solche Rechnungen widerlegen eine Kernbotschaft der Verkäufer von privaten Krankenversicherungen. Die Branche liefert zwar nur für neun Millionen Deutsche den vollen Krankenschutz, doch vermarktet wurde dies bisher als die höherwertige Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Kurz gesagt: Günstiger im Preis und besser in der Leistung. So wurden neue Kunden jahrzehntelang gelockt. 

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.05.2012, 12:39 UhrEnok

    Es stellt sich die Frage was mit den Privat Versicherten passiert, sollte es zu einer Bürgerversicherung kommen. Die Privat Versicherten würden dann ja quasi Zwangsenteinget von ihren Verträgen. Die Beamten dürften gegen ein solchen Vorhaben sicherlich sturm laufen. Am meisten profitieren schließlich die Beamten von den günstigen Beiträgen. Siehe www.krankenversicherung-beamte-beamtenanwaerter.de
    In einer Bürgerversicherung müssten die Beamten vermutlich weit aus höhere Beiträge zahlen wie in der Privaten Krankenversicherung, und das zu schlechteren Leistungen. Ich denke so einfach wird das nicht werden mit einer Bürgerversicherung.

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