Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Mehr Leistung und Komfort kostet auch mehr: Während in der gesetzlichen Versicherung Ehegatten und Kinder ohne eigenes Einkommen kostenlos mitversichert sind, muss in der PKV für jedes Familienmitglied ein einzelner Vertrag abgeschlossen und bezahlt werden. Wer jung und kerngesund einsteigt, startet günstig in die PKV; bei einer hohen jährlichen Eigenbeteiligung sind nur 100 Euro im Monat möglich. Wer älter und/oder krankheitsanfälliger ist, muss auch hier nach der Gesundheitsprüfung tief in die Tasche greifen, monatliche Kosten von 500 und mehr Euro sind keine Ausnahme. Kinder kosten meist um die 120 Euro im Monat extra.
Die böse Überraschung lauert aber im jährlichen Anstieg der Beiträge. Während alle Welt lautstark die Erhöhung der GKV-Beiträge beklagt, landen die Zusatzforderungen der privaten Krankenversicherer per stiller Post im Briefkasten ihrer Kunden. Unabhängig von medizinischen Kosten: Allein die Einführung des Basistarifs veranschlagen Experten noch einmal mit einer fünf- bis zehnprozentigen Beitragserhöhung für den Normaltarif. Bis zum Rentenalter kann ein Tarif nach dem Einstieg in die PKV bis auf das Dreifache steigen.
Mit welchen Leistungen kann ich in der PKV rechnen?
Der entscheidende Vorteil: Vertraglich zugesicherte Kostenübernahmen können später nicht mehr durch die Hintertür einkassiert werden. Bei der GKV dagegen kürzt die Politik seit Jahren nach Gusto. Immerhin sind die Leistungen in der Pflegeversicherung nahezu identisch.
Vor einem Irrtum seien Wechselwillige aber gewarnt: Die Privaten sind nicht automatisch freigiebiger als die Gesetzlichen. So sind beispielsweise eine Haushaltshilfe bei schwerer Krankheit, Krankengeld bei der Pflege eines Kindes, Kuren oder einige Heil- und Hilfsmittel im gesetzlichen Katalog enthalten, nicht aber bei den Privaten. Auch psychisch Kranke sind in der GKV oft besser aufgehoben.
Was bringen private Zusatzversicherungen?
Wer in der GKV aus Solidarität oder aus familiären Gründen bleiben will, ist oft mit einer privaten Zusatzversicherung gut bedient. Das gilt auch für Kunden, die zu krank sind, um von der PKV zu erschwinglichen Prämien und ohne Leistungsausschlüsse aufgenommen zu werden. Private Zusatzversicherungen decken Leistungen von Akupunktur bis Zahnersatz ab. Ebenfalls möglich sind günstige Wahltarife mit einem Selbstbehalt, die vergleichbar dem PKV-System funktionieren. Details zu Angeboten und Kosten finden Sie im Internet unter www.wiwo.de/gesundheitsreform.
Wer seine Gesundheitsleistungen auf den Status eines gut umsorgten Privatpatienten aufrüsten will, kann dafür bis zu 200 Euro monatlich zusätzlich überweisen. Damit geht der Preisvergleich zwischen GKV und PKV dann oft aus wie das Hornberger Schießen. Wichtig zu wissen für Selbstständige in der GKV: Sie haben ab Januar keinen Anspruch mehr auf Krankentagegeld – das sollten sie zusätzlich absichern.
Ein staatliches Schmankerl gibt es ab 2010 für die Kunden beider Kassen. Ihre jährlichen Beiträge sind ab 2010 höher als bisher von der Steuer absetzbar – nicht, weil die Berliner Regierungskoalition Erbarmen spürte, sondern weil es das Bundesverfassungsgericht einforderte. Nach der aktuellen Vorlage von Finanzminister Peer Steinbrück sollen alle Arbeitnehmer ab 2010 die Kosten für den Basistarif der gesetzlichen Krankenkasse zu 96 Prozent von der Steuer absetzen können, den Beitrag zur Pflegeversicherung komplett. Je nach Einkommen können das bis zu 4000 Euro im Jahr sein – bisher sind maximal 1500 Euro absetzbar.
Planungen zufolge wären dafür aber die Beiträge zu anderen Versicherungen nicht mehr anrechenbar, etwa Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits- oder Arbeitslosenversicherung. Wie’s gegeben, wird’s genommen. Da ist Steinbrück nicht anders als die PKV.















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Alle Kommentare lesen20.07.2009, 19:31 UhrAnonymer Benutzer: Versicherungsvermittler
im Artikel wird suggeriert, als ginge es bei den Altersrückstellungen um große beträge. Dementsprechend sind viele Kunden verwirrt, wenn sie keine großen beträge finden und der Versicherungsvermittler auch nicht von großen beträgen berichtet. Altersrückstellungen sind kein bargeld oder sonst irgendein auszahlbarer betrag. Man fängt bei einer neuen Versicherung auch nicht neu an zu sparen. Man zahlt einen beitrag, der gegenüber einem früheren Zeitpunkt etwas höher ist. Wer mit 30 den Tarif x bucht, zahlt ein paar Prozent weniger an beitrag, als die gleiche Person im Alter von zum beispiel 40 Jahren für denselben Tarif x bezahlt. Der Unterschied zwischen diesen beiden beträgen, entspricht der idee der Altersrückstellungen - und das sind meist keine großen beträge.
22.12.2008, 15:21 UhrAnonymer Benutzer: staatsbuerger
Es ist richtig: Privatversicherte leben länger als Kassenpatienten. Das hängt aber damit zusammen, dass
a) Gutverdiener länger leben als arme Schlucker und Normalos, und privat versichert sind eben nur Gutverdiener
b) zudem konnten sich bis zur Einführung des baistarifs nur Gesunde privat krankenversichern (oder hat jemand schon einmal gehört, dass sich auch Diabetiker privat krankenversichern konnrten?)
Warum im Alter dennoch die Privaten teurer sind als die GKV?
- weil sie für die Neueinsteiger billiger konstruiert ist, um einen Anreiz zum Umsteigen zu bieten
- weil die Lesitungen deutlich höher vergütet werden (mindestens 1,3 fach vom Kassensatz, oft 2,5 fach).
05.12.2008, 10:09 UhrAnonymer Benutzer: Nemesis0611
Und warum sind die beiträge in der GKV im Alter günstiger?
Ganz einfach:
Wegen des 'sozialverträglichen Frühablebens pflichtversicherter Kassenpatieneten'!!!