Private Vorsorge: Die Tücken der Riester-Rente

Private Vorsorge: Die Tücken der Riester-Rente

von Andreas Toller

Sie lohnt sich, sie lohnt sich nicht, sie lohnt sich… Ob der Abschluss einer Riester-Rente sinnvoll ist oder nicht, ist selbst unter Experten heftig umstritten. Warum die Riester-Rente für Sparer ein Balanceakt ist und wo Fallen lauern.

In der gesetzlichen Rentenversicherung läuft es derzeit ausnahmsweise richtig gut: Dank hoher Beschäftigungszahlen sammelt die staatliche Rentenkasse Reserven in Milliardenhöhe an, ab 2013 sinkt deshalb der Beitragssatz von aktuell 19,6 auf 19,0 Prozent vom Bruttoeinkommen. Das ist vor allem aus deshalb möglich, weil das Rentenversprechen nicht gerade üppig ausfällt: 2030 soll ein Ruheständler nur noch 43 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens als Rente erhalten. Noch sind es für neue Rentner 50 Prozent. Doch so oder so: Wer sein Arbeitsleben beendet, wird mit der staatlichen Rente allein kaum auskommen.

WirtschaftsWoche Online Euro Spezial


Um sich im Alter nicht allzu sehr einschränken zu müssen, ist also private Altersvorsorge dringend vonnöten – je eher, desto besser. Und weil das keine neue Erkenntnis ist, hat Vater Staat bereits vor elf Jahren - und für Kritiker trotzdem viel zu spät – die sogenannte Riester-Rente eingeführt. Die Angst vor Rentenlücke und Altersarmut hat inzwischen 15 Millionen Verbraucher dazu bewegt, Ersparnisse in einen Riester-Vertrag zu stecken. Hauptargumente für den Abschluss waren dabei vor allem die staatlichen Zulagen und Steuervorteile während der Ansparphase.

Anzeige

Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

  • Anlass

    Die Regierung begründet die Änderungen bei der Riester-Rente so:
    „Die deutsche Gesellschaft steht, ähnlich wie diejenige anderer Industrieländer, vor starken und nachhaltigen demografischen Veränderungen. Sinkende bzw. dauerhaft niedrige Geburtenraten und eine zunehmende Lebenserwartung werden dazu führen, dass eine wachsende Zahl von Menschen im Rentenalter einer abnehmenden Zahl von Personen im aktiven Erwerbsleben gegenübersteht.“

    Quelle: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG)

  • Verbraucher

    10 Jahre nach der Einführung der Riester-Rente und sieben Jahre nach Einführung der Basisrente zeige sich Anpassungsbedarf insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz.

  • Ziele

    – Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge
    – Vereinfachung der Eigenheimrente
    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes
    – Stärkung der Verbraucher im Markt
    – Verbesserung des Anlegerschutzes

  • Transparenz

    „Zur Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten wird statt der bisherigen vorvertraglichen Informationspflichten ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge eingeführt. Dieses Produktinformationsblatt soll dem Verbraucher in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form einen Produktvergleich ermöglichen.“

  • Fördergrenzen

    bei der Basisversorgung im Alter:
    – Anhebung der Förderhöchstgrenze von 20.000 Euro auf 24.000 Euro
    – Verbesserung der steuerlich begünstigten Absicherung der Berufsunfähigkeit beziehungsweise verminderten Erwerbsfähigkeit

  • Riester-Rente

    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes bei Altersvorsorgeverträgen
    – Meldung bei Übertragungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch bei ausschließlich ungefördertem Altersvorsorgevermögen
    – Streichung der Bescheinigungspflicht der Erträge (§ 94 Absatz 1 EStG)
    – Verbesserungen bei der Ausgestaltung des genossenschaftlichen Riester-Anlageprodukts

  • Wohn-Riester (1)

    – jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase
    – jederzeitige Einmal-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase
    – Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft
    – Flexibilisierung und Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

  • Wohn-Riester (2)

    – Zulassung eines Altersvorsorge-Eigenheimbetrags zwischen 75 und 100 Prozent des geförderten Kapitals
    – Absenkung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 auf 1 Prozent
    – rechtzeitiger Antrag auf Entnahme des Altersvorsorge-Eigenheimbetrags vor der Auszahlungsphase
    – Einbeziehung eines Umbaus zur Reduzierung von Barrieren in oder an der selbst genutzten Wohnung in die Eigenheimrenten-Förderung


Aber das Interesse an der Riester-Rente sinkt seit Jahren. Eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank schlägt Alarm: 42 Prozent der Berufstätigen in Deutschland wollen ihre private Altersvorsorge nicht mehr erweitern, die monatlich dafür angesparten Beträge sind in den vergangenen acht Jahren um fast zehn Prozent gesunken. Der repräsentativen Umfrage unter 1642 Bürgern zufolge ist gerade auch das Ansehen der Riester-Rente in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. 2009 hielten demnach noch 23 Prozent der Bevölkerung die private Riester-Rente für besonders sicher. Dieser Wert ist mittlerweile auf nur noch 16 Prozent gesunken. Nur noch acht Prozent derjenigen, die ihre Altersvorsorge aufstocken möchten, interessieren sich für die staatlich geförderte Riester-Rente.

Repression Wo Sparer noch sparen können

Die aktuelle Niedrigzinspolitik ist für deutsche Sparer eine Katastrophe. Und sie dürfte vorerst kein Ende finden. Dennoch gibt es eine Alternative zu Sparbuch, Tagesgeld und Co.

Quelle: dpa

Die Gründe für den Ansehensverlust der Riester-Rente sind leicht ausgemacht: Zunehmend kritische Medienberichte (die WirtschaftsWoche hat die Rentabilität von Riester-Verträgen seit 2009 mehrfach angezweifelt), Verbraucherschützer und ein Teil der Wissenschaftler halten Riester-Verträge für intransparent, teuer und für meist unrentabel. Regierung, Produktanbieter, Verbände sowie ein anderer Teil der Experten und Wissenschaftler verteidigen diese Form der privaten Altersvorsorge als besonders sicher sowie durchaus rentabel und stellen Verbesserungen in punkto Transparenz in Aussicht. Beide Seiten führen im Streit um Sinn und Unsinn der Riester-Rente gute Argumente an – und verwirren damit den Verbraucher zusätzlich. Für ihn ist es letztlich die Frage, welcher Seite er mehr Glauben schenkt und ob die Argumente auf seine individuellen Voraussetzungen beim Abschluss eines Riester-Vertrags zutreffen. Mit seiner Entscheidung für oder gegen einen Vertrag ist der Verbraucher allen Diskussionen zum Trotz letztlich ganz allein.

Anzeige

4 Kommentare zu Private Vorsorge: Die Tücken der Riester-Rente

  • Eine privat finanzierte Altersvorsorge kann für den Versicherten (und Steuerzahler) über Jahrzehnte nur zum Verlustgeschäft werden. Berücksichtigt man seriös ca. 5-7% Verwaltungs- und Provisionsgebühren je Jahr Laufzeit sowie 2-3% Kaufkraftverlust durch Inflation ist rätselhaft, wo über die Laufzeiten der Versicherung allein solche Zuwächse kontinuierlich erwirtschaftet werden können. Die gesamten Versicherungsmodelle ähneln eher einem Schneeballsystem mit einem bösen Ende für die Versicherten. Während sich die Verwalter der Einzahlungssummen und Staatsprämien jährlich "ihre Vergütung auszahlen lassen" und sofort aktuelle und reale Kaufkraft besitzen, wissen die Versicherungsnehmer erst am Ende der Kaufzeit was sie bekommen, was man sich dafür noch kaufen kann, wenn es überhaupt zur Auszahlung kommt. Derweil unternimmt die Politik und Finanzwirtschaft wirklich alles, um eine halbwegs stabile Währung durch falsch verstandene Solidarität, Geldverschwendung und Steuerungerechtigkeit zu entwerten. Man kann davon ausgehen, das unser heutiges Wirtschafts- und Währungssystem nicht mehr lange so funktionieren wird. Dann wird mal wieder alles auf Null gestellt und alle Versicherten haben ihre Sparvermögen verloren. Leider wird darüber nicht diskutiert. Am besten wäre es gewesen, die Beitragssätze in der RV zu erhöhen, alle Bürger und Einkommensarten bis zur tatsächlichen Einkommenshöhe einzubeziehen und die Rentenzahlung unabhängig von ihrer Höhe auf maximal 3.500,- Euro zu deckeln. Wer finanziell kann, darf weiter freiwillig aufstocken und erhält dann höhere Rentenauszahlungen. Vorteil: Die viel zu hohen Verwaltungs- und Provisionskosten bei privaten Anlagemodellen entfallen und erhöhen den Ertrag der Einzahlung. Hinzu kommt eine bessere Solidarität. Gehen Versicherungen zahlungsunfähig, (und dazu wird es bald kommen) wird nichts mehr ausgezahlt, alles ist weg. Geht der Staat pleite, bleibt auf jeden Fall eine Grundversorgung, die nach einem Neustart finanziert werden

  • Wenn Kapitalwirtschaft im Spiel ist, ist immer der Zwillingsbruder Betrug mit dabei. Egal ob Bank oder Versicherung, die Kapitalabgreifer kennen nur ein Ziel. cash for mi...pleite for ju

  • Seit Jahren wird gerätzelt ob sich Riester lohnt. Warum macht keiner mal eine komplette Berechnung der Ansparphase- und der Rentenphase.

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%