Private Vorsorge: Schlecht versorgt mit Riester-Rente

Private Vorsorge: Schlecht versorgt mit Riester-Rente

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Wer im Alter Einkommenseinbußen verhindern will, muss privat vorsorgen. Aber lohnt die staatlich geförderte Riester-Rente?

von Niklas Hoyer

Die Geldanlage fürs Alter ist derzeit eine besondere Herausforderung: Turbulenzen an den Börsen, wankende Banken und verschuldete Staaten bedrohen das Ersparte. Die Riester-Rente erscheint da auf den ersten Blick attraktiv. Aber Vorsicht: Trotz Förderung werden die meisten Riester-Sparer nur auf geringe Renditen kommen.

Geringe Beiträge, staatliche Zulagen und Steuervorteile über Jahrzehnte, am Ende eine lebenslange Rente – eigentlich sind die Zutaten für die vor zehn Jahren von Ex-Arbeitsminister Walter Riester erfundene private Altersvorsorge nahezu perfekt. Das denken wohl die 14,8 Millionen Deutschen, die seit 2001 einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben.

Doch inzwischen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel, ob die Riester-Rente hält, was sie verspricht: Nach starken Zuwächsen in den ersten Jahren stagniert die Zahl der Vertragsabschlüsse. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die Zahl der Riester-Sparer nur um 409 000. Im gesamten Jahr 2010 kamen noch dreimal so viele neue Verträge hinzu. Nach einer Studie des Sparkassen- und Giroverbands haben aktuell 45 Prozent aller Riester-Berechtigten, vor allem alle Pflichtversicherten in der Rentenversicherung, tatsächlich einen solchen Vertrag abgeschlossen – genauso viele wie im Vorjahr. Die wachsende Skepsis gegenüber dem Riester-Modell, die aus diesen Zahlen spricht, ist berechtigt. Denn die staatliche geförderte Altersvorsorge entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht als der viel gepriesene wertvolle Zusatzbaustein, um die magere gesetzliche Rente aufzubessern.

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Vielmehr hängt es von den Lebensumständen und – wie bei anderen Rentenversicherungen auch – letztlich von der Lebensdauer ab, ob sich Riestern jemals rechnet. Denn trotz Förderung müssen Sparer oft erst ein fast schon biblisches Alter von über 90 Jahren erreichen, um auf eine auskömmliche Rendite nach Steuern zu kommen und wenigstens die Inflation, aktuell etwa 2,6 Prozent pro Jahr, zu schlagen. „Gerade die komplizierten Regeln der Riester-Rente haben den Anbietern geholfen, das zu verschleiern“, sagt Stefanie Kühn, Honorarberaterin aus Grafing.

Einzelfall entscheidet

Klarheit gibt nun eine Studie, die das unabhängige Institut für Vorsorge und Finanzplanung exklusiv im Auftrag der WirtschaftsWoche erstellt hat. Die Experten haben analysiert, wie hoch die Renditen der Riester-Sparer in sechs verschiedenen Musterfällen am Ende tatsächlich ausfallen. Außerdem hat das Institut einige Sonderfälle ausgewertet, etwa die Auszahlung des Guthabens auf einen Schlag zu Rentenbeginn, und ist dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Zudem liefert ein Vergleich von 42 aktuellen Riester-Rentenversicherungen Sparern wertvolle Hinweise zu Versicherern mit akzeptablen Renditen. Das Fazit: Erst der Blick auf den Einzelfall – Mann oder Frau, alt oder jung, gut verdienend oder nicht – und die Betrachtung von Anspar- und Rentenphase zeigen, wie viel Rendite die Riester-Rente bringen kann und ob der Abschluss lohnt.

Lange Zeit war die Riester-Rente der Liebling der Finanzberater in Deutschland. Ihr leichtes Opfer waren Berufseinsteiger, aber auch langjährige Angestellte, die endlich etwas für ihre Altersvorsorge tun wollten. Und die von einer neuen Form der Geldanlage gehört hatten: Riester.

„Das Zusammenspiel aus staatlicher Zulage und steuerlichem Vorteil hat es Beratern besonders leicht gemacht, Kunden zum Riestern zu bewegen“, sagt Beraterin Kühn. „Bei vielen Menschen setzte sich der Eindruck fest, dass man blöd wäre, das nicht mitzunehmen.“ Die komplizierten Regeln der Riester-Rente aber durchschaute kaum jemand: Erst im April forderte der Staat von Riester-Sparern 500 Millionen Euro wegen zu Unrecht kassierter Förderung zurück. Diese hatten zu wenig in ihre Verträge eingezahlt, oft ohne es zu ahnen. Im Mai kündigte die Regierung dann flugs eine Regeländerung an. Sie will den betroffenen Sparern nun die Nachzahlung von Beiträgen zum Jahresanfang 2012 ermöglichen. So soll die staatliche Förderung noch gerettet werden.

Zulage vom Staat

Grafik: Kaum noch neue Riester-Sparer Quelle: BMAS

Grafik: Kaum noch neue Riester-Sparer.

Bild: BMAS

Über den langfristigen Erfolg der Riester-Rente wird aber nicht ihr Regelwerk entscheiden, sondern die Rendite. Nur wenn Riester-Sparer besser als mit anderen Geldanlagen fürs Alter vorsorgen und mit ihrer staatlich geförderten Zweitrente auf höhere Renditen kommen, werden sich wieder mehr Deutsche bei den Beratern der Banken und Versicherer einfinden.

Bevor es mit dem Riestern losgeht, müssen Sparer sich entscheiden. Die Förderung gibt es für Rentenversicherungen, für Bank- oder Fondssparpläne, Bausparverträge oder einen Kredit für die selbst genutzte Immobilie (Wohn-Riester). Alle Riester-Anbieter, die Kredit-Variante ausgenommen, müssen garantieren, dass zu Rentenbeginn zumindest die Summe aus eingezahlten Eigenbeiträgen und staatlichen Zulagen auf dem Sparkonto vor‧handen ist. Aus diesem Riester-Guthaben fließt dann in der Regel eine lebenslange Rente.

Sparer erhalten vom Staat jedes Jahr eine Zulage, außerdem können sie ihre Beiträge von der Steuer absetzen. Aber Vorsicht: Der Fiskus zieht vom rechnerischen Steuervorteil (persönlicher Steuersatz multipliziert mit dem Riester-Sparbeitrag) die ausgezahlten Zulagen ab. Jeder Riester-Kunde bekommt maximal 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Um die ungekürzte Grundzulage zu erhalten, muss der Sparer aber inklusive staatlicher Zuschüsse vier Prozent seines Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen – mindestens 60 Euro, maximal 2100 Euro. Neben der Grundzulage steuert der Staat jedes Jahr pro Kind noch 185 Euro bei – für seit Anfang 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro. Diese Extrazulage fließt, solange Anspruch auf Kindergeld besteht.

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