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Private Vorsorge: Schlecht versorgt mit Riester-Rente

von Niklas Hoyer

Die Geldanlage fürs Alter ist derzeit eine besondere Herausforderung: Turbulenzen an den Börsen, wankende Banken und verschuldete Staaten bedrohen das Ersparte. Die Riester-Rente erscheint da auf den ersten Blick attraktiv. Aber Vorsicht: Trotz Förderung werden die meisten Riester-Sparer nur auf geringe Renditen kommen.

Wer im Alter Einkommenseinbußen verhindern will, muss privat vorsorgen. Aber lohnt die staatlich geförderte Riester-Rente? Quelle: Foto: Andreas Gebert / dpa
Wer im Alter Einkommenseinbußen verhindern will, muss privat vorsorgen. Aber lohnt die staatlich geförderte Riester-Rente? Quelle: Foto: Andreas Gebert / dpa

Geringe Beiträge, staatliche Zulagen und Steuervorteile über Jahrzehnte, am Ende eine lebenslange Rente – eigentlich sind die Zutaten für die vor zehn Jahren von Ex-Arbeitsminister Walter Riester erfundene private Altersvorsorge nahezu perfekt. Das denken wohl die 14,8 Millionen Deutschen, die seit 2001 einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben.

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Doch inzwischen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel, ob die Riester-Rente hält, was sie verspricht: Nach starken Zuwächsen in den ersten Jahren stagniert die Zahl der Vertragsabschlüsse. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die Zahl der Riester-Sparer nur um 409 000. Im gesamten Jahr 2010 kamen noch dreimal so viele neue Verträge hinzu. Nach einer Studie des Sparkassen- und Giroverbands haben aktuell 45 Prozent aller Riester-Berechtigten, vor allem alle Pflichtversicherten in der Rentenversicherung, tatsächlich einen solchen Vertrag abgeschlossen – genauso viele wie im Vorjahr. Die wachsende Skepsis gegenüber dem Riester-Modell, die aus diesen Zahlen spricht, ist berechtigt. Denn die staatliche geförderte Altersvorsorge entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht als der viel gepriesene wertvolle Zusatzbaustein, um die magere gesetzliche Rente aufzubessern.

Vielmehr hängt es von den Lebensumständen und – wie bei anderen Rentenversicherungen auch – letztlich von der Lebensdauer ab, ob sich Riestern jemals rechnet. Denn trotz Förderung müssen Sparer oft erst ein fast schon biblisches Alter von über 90 Jahren erreichen, um auf eine auskömmliche Rendite nach Steuern zu kommen und wenigstens die Inflation, aktuell etwa 2,6 Prozent pro Jahr, zu schlagen. „Gerade die komplizierten Regeln der Riester-Rente haben den Anbietern geholfen, das zu verschleiern“, sagt Stefanie Kühn, Honorarberaterin aus Grafing.

Einzelfall entscheidet

Klarheit gibt nun eine Studie, die das unabhängige Institut für Vorsorge und Finanzplanung exklusiv im Auftrag der WirtschaftsWoche erstellt hat. Die Experten haben analysiert, wie hoch die Renditen der Riester-Sparer in sechs verschiedenen Musterfällen am Ende tatsächlich ausfallen. Außerdem hat das Institut einige Sonderfälle ausgewertet, etwa die Auszahlung des Guthabens auf einen Schlag zu Rentenbeginn, und ist dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Zudem liefert ein Vergleich von 42 aktuellen Riester-Rentenversicherungen Sparern wertvolle Hinweise zu Versicherern mit akzeptablen Renditen. Das Fazit: Erst der Blick auf den Einzelfall – Mann oder Frau, alt oder jung, gut verdienend oder nicht – und die Betrachtung von Anspar- und Rentenphase zeigen, wie viel Rendite die Riester-Rente bringen kann und ob der Abschluss lohnt.

Lange Zeit war die Riester-Rente der Liebling der Finanzberater in Deutschland. Ihr leichtes Opfer waren Berufseinsteiger, aber auch langjährige Angestellte, die endlich etwas für ihre Altersvorsorge tun wollten. Und die von einer neuen Form der Geldanlage gehört hatten: Riester.

„Das Zusammenspiel aus staatlicher Zulage und steuerlichem Vorteil hat es Beratern besonders leicht gemacht, Kunden zum Riestern zu bewegen“, sagt Beraterin Kühn. „Bei vielen Menschen setzte sich der Eindruck fest, dass man blöd wäre, das nicht mitzunehmen.“ Die komplizierten Regeln der Riester-Rente aber durchschaute kaum jemand: Erst im April forderte der Staat von Riester-Sparern 500 Millionen Euro wegen zu Unrecht kassierter Förderung zurück. Diese hatten zu wenig in ihre Verträge eingezahlt, oft ohne es zu ahnen. Im Mai kündigte die Regierung dann flugs eine Regeländerung an. Sie will den betroffenen Sparern nun die Nachzahlung von Beiträgen zum Jahresanfang 2012 ermöglichen. So soll die staatliche Förderung noch gerettet werden.

Zulage vom Staat

Grafik: Kaum noch neue Riester-Sparer Quelle: BMAS
Grafik: Kaum noch neue Riester-Sparer. Quelle: BMAS

Über den langfristigen Erfolg der Riester-Rente wird aber nicht ihr Regelwerk entscheiden, sondern die Rendite. Nur wenn Riester-Sparer besser als mit anderen Geldanlagen fürs Alter vorsorgen und mit ihrer staatlich geförderten Zweitrente auf höhere Renditen kommen, werden sich wieder mehr Deutsche bei den Beratern der Banken und Versicherer einfinden.

Bevor es mit dem Riestern losgeht, müssen Sparer sich entscheiden. Die Förderung gibt es für Rentenversicherungen, für Bank- oder Fondssparpläne, Bausparverträge oder einen Kredit für die selbst genutzte Immobilie (Wohn-Riester). Alle Riester-Anbieter, die Kredit-Variante ausgenommen, müssen garantieren, dass zu Rentenbeginn zumindest die Summe aus eingezahlten Eigenbeiträgen und staatlichen Zulagen auf dem Sparkonto vor‧handen ist. Aus diesem Riester-Guthaben fließt dann in der Regel eine lebenslange Rente.

Sparer erhalten vom Staat jedes Jahr eine Zulage, außerdem können sie ihre Beiträge von der Steuer absetzen. Aber Vorsicht: Der Fiskus zieht vom rechnerischen Steuervorteil (persönlicher Steuersatz multipliziert mit dem Riester-Sparbeitrag) die ausgezahlten Zulagen ab. Jeder Riester-Kunde bekommt maximal 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Um die ungekürzte Grundzulage zu erhalten, muss der Sparer aber inklusive staatlicher Zuschüsse vier Prozent seines Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen – mindestens 60 Euro, maximal 2100 Euro. Neben der Grundzulage steuert der Staat jedes Jahr pro Kind noch 185 Euro bei – für seit Anfang 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro. Diese Extrazulage fließt, solange Anspruch auf Kindergeld besteht.

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60 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.12.2011, 10:10 UhrAnonymer Benutzer: Finanzonkel

    Ich finde den Artikel sehr gut und transparent. Was iHch vermisse , sind Alternativen,
    Freie sofortverfügbare Geldanlagen, werden ihn der Regel vom Sparer bei Liquiditätsproblemen geplündert und sein Problem im Alter ist damit nicht gelöst, es ist daher schon legitim und auch nützlich den Zugang zum "Riesterkapital" erst zum Rentenbeginn zu ermöglichen.
    Ich habe selber einen DWS RiesterRentenPremiumSparplan abgeschlossen, um diesen ab dem 60 Lebensjahr zu kündigen, um dann zwar die Zulagen wieder zurück zu Zahlen aber der Zinseszins auf dieses zum 0- Tarif geborgtem Geld vom Staat bleibt mir und der ist nicht schlecht, auch wenn er unterhalb der Inflation liegen sollte, was aber aktuell noch keiner weiß, er kann ja vielleicht auch oberhalb liegen, kann ja auch sein, aber es ist mir egal, da ich so eine Alternative nirgends anders finde.
    Kapitalanlagen auf Kreditbasis sind ja bekannt aber hier ist es risikolos und profitabel !

    Denn bedenke!
    Nur der, der gar nichts macht, gehört mit 60 oder aber auch mit 67 zu den Verlierern.
    Und jetzt mal im Ernst, mindestens 65 % der Bürger haben gar nicht die Disziplin konsequent Geld für die Vorsorge beiseite zu legen und dieses dann auch noch sicher vor Staat und Behörde bei einer von. Notlage, ,wie z.B. Arbeitslosigkeit und Pflege, ( eigene oder der Eltern )

    Ich glaube, liebe Redaktion, liebe kOmmentatoren, dieses habt ihr in all Eurer Kritik und Lobes Stimmung nicht bedacht, aber so sieht es im Bevölkerungsdurchschnitt in der BRD aus !

  • 25.10.2011, 18:51 UhrAnonymer Benutzer: TuxSY

    Hallo,

    jeder steht sicherlich mal vor dem Problem Altersvorsorge. Entweder Geld selbst relativ sicher anlegen - oder den Versicherern vertrauen. Schwere Entscheidung, zumal wenn man diesen Artikel liest.

    Für mich ist vorallem die Gier der Versicherungsbranche unbeschreiblich. Man wird oft nur einmalig beraten, und bekommt teilweise viel zu teure Verträge aufgebrummt - dies wird dann auch noch vom Staat durch die Förderung unterstützt.

    Aber es gibt Hoffnung. Heute wurde vom Verwaltungsgericht Frankfurt entschieden, das die Provisions-Vergütungen und Kosten einer Versicherung rückvergütet werden dürfen. Das bedeutet, holt man sich eine Versicherung eines Vermittlers, wie z.b. Riester Fondssparplan, dann darf dieser Vermittler, die Provisionen, Laufende Kosten, Ausgabeaufschläge rückvergüten - weil er keine beratung macht.

    ich bin einfach der Meinung, das die Verträge viel zu teuer sind.

    Falls man sich absichern möchte, dann sollte man sich für einen Vermittler entscheiden - und das gute Geld nicht den Versicherungs-Verkäufern schenken.

    infos: http://bit.ly/w2R12E

    Man sollte jedoch für sich selbst entscheiden, ob die Verträge überhaupt lohnenswert sind.

  • 24.10.2011, 13:12 UhrAnonymer Benutzer: Redaktion

    @Tim Acker: Die Anforderung ist aktuell ein Mindestalter von 60 Jahren und einer Laufzeit von 12 Jahren (nicht 10). Die gesetzliche Grundlagen: Die Regelung gilt direkt für Lebensversicherungen (§20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG). indirekt gilt sie durch einen gesetzlichen Verweis auch für ungefördertes Riester-Sparen in anderen Vorsorgeprodukten (§22 Nr. 5 Satz 2 c EStG). Zum kommenden Jahr steigt die Altersgrenze für neu abgeschlossene Verträge auf 62 Jahre.

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