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Regulierung: US-Banken spekulieren unter anderem Etikett

von Cornelius Welp

US-Banken sollen ihren Eigenhandel aufgeben. Er könnte an Hedgefonds gehen – oder er wird einfach umetikettiert.

Schlechter Deal
Schlechter Deal

Die US-Senatoren Jeff Merkley und Carl Levin machen sich keine Illusionen: „Wir erwarten nicht, dass die Banken ihre riskanten und konfliktträchtigen Handelsaktivitäten kampflos aufgeben“, sagen sie. Beide haben entscheidend an der vor einem Monat beschlossenen US-Finanzreform mitgearbeitet und sich eines beispiellosen Ansturms von Banklobbyisten erwehren müssen. Ihr neues Regelwerk umfasst 2300 Seiten, aber selbst damit sind längst nicht alle Fragen geklärt.

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Klar ist: Banken sollen den Handel auf eigene Rechnung (Eigenhandel) aufgeben und ihre Investitionen in Hedgefonds und Private Equity stark einschränken. Sie dürfen künftig nur drei Prozent ihres Eigenkapitals in diese Anlageklassen investieren und in keinem Hedgefonds mit mehr als drei Prozent des Fondsvolumens engagiert sein. Goldman Sachs hatte Ende Juni rund zehn Milliarden, Morgan Stanley rund drei Milliarden Dollar eigenes Geld in Private-Equity- und Hedgefonds investiert. Goldman müsste sein Engagement nach den neuen Regeln auf 2,0 Milliarden, Morgan Stanley auf 1,6 Milliarden Dollar reduzieren. Morgan Stanley will deshalb angeblich die Mehrheit am Hedgefonds Front Point Partners an dessen Management verkaufen. Goldman Sachs soll die Abspaltung einzelner Eigenhandelssparten prüfen. Diese könnten als Hedgefonds weiter machen. Die Bank will dies nicht kommentieren. Zahlreiche Händler von Großbanken sind bereits zu Hedgefonds gewechselt oder haben eigene gegründet.

Viele Umgehungstricks

Gleichzeitig versuchen die Banken offenbar, möglichst große Teile des sehr einträglichen Geschäfts auf eigene Rechnung behalten zu können. So soll Goldman Sachs inzwischen rund die Hälfte seiner Eigenhandelsmitarbeiter in die Anlageverwaltung versetzt haben. Ähnlich sieht es bei der Bank of America aus, die nach der Übernahme von Merrill Lynch den zweitgrößten Eigenhandel betreibt. Auch die CitiGroup soll prüfen, Mitarbeiter aus dem Eigenhandel in eine Abteilung, die für Kunden in Hedgefonds investiert, zu verlagern. In der neuen Umgebung sollen die Händler dann angeblich nur noch im Interesse von Kunden agieren.

Für Aufseher kaum nachvollziehbar

Das im Einzelfall zu überprüfen ist jedoch schwierig. Die Banken könnten etwa argumentieren, dass sie Aktien nur deshalb auf eigene Rechnung gekauft hätten, um sie günstig an Kunden weiterzugeben, sie also faktisch nur für liquideren Handel gesorgt hätten. Ein möglicher Umgehungsweg wäre auch der Ausbau des Geschäfts mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Die Überschneidungen mit dem Handel sind schon jetzt groß, Positionen aus dem Handelsbestand könnten als Sicherheiten für ETFs genutzt werden. Wie die Querverbindungen genau aussehen, wäre für Aufseher kaum nachvollziehbar.

Wie schwierig die Abgrenzung im Einzelfall sein kann, zeigt auch die Debatte um Goldmans’ „Special Situations Group“. Die Einheit kauft und verkauft vor allem lang laufende Schuldpapiere. Nach Schätzungen eines CitiGroup-Analysten hält sie derzeit Vermögenswerte von zehn Milliarden Euro und ist damit eine der größeren Handelsabteilungen der Investmentbank. Goldman soll nun aber argumentieren, dass das Geschäftsmodell kein Handel, sondern Kreditvergabe sei – und damit von den neuen Regeln gar nicht betroffen.

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