Rente: Das Ungleichgewicht zwischen den Generationen nimmt zu

Rente: Das Ungleichgewicht zwischen den Generationen nimmt zu

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Renten und die Angst der Deutschen, nicht genug vorgesorgt zu haben

von Saskia Littmann

Erwerbstätige haben zunehmend Angst vorm Ruhestand. Deutschlands Rentner sind dagegen ganz zufrieden, wie eine Umfrage zeigt. Wie dieser Generationenkonflikt Wirtschaft und private Altersvorsorge künftig belasten wird.

Ein Café um kurz vor neun. Einige Rentner genießen die Sonne und einen ersten Morgenkaffee, während die Berufstätigen auf ihren Fahrrädern zur Arbeit hetzen, um noch pünktlich zum ersten Meeting zu kommen. Laut einer aktuellen Studie spiegelt diese Alltagssituation die Stimmung in punkto Altersvorsorge wider: Während fast zwei von drei Berufstätigen über eine wachsende Angst in Sachen Altersvorsorge klagen, freuen sich drei Viertel der derzeitigen Rentner darüber, dass ihre Lebensqualität im Alter gleich geblieben ist oder sich sogar verbessert hat.

Zu diesem Ergebnis kommt der neue AXA Deutschland-Report zur Ruhestandsplanung, der WirtschaftsWoche Online vorliegt. "Wir stellen immer wieder fest, wie unterschiedlich Ruheständler ihre Situation erleben gegenüber dem Bild, das sich die Erwerbstätigen davon machen", erklärt Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands der AXA Konzern AG. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre habe sich der Gegensatz nochmal deutlich verschärft.

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AXA Deutschland-Report 2015

  • Untersuchungsdaten

    3.243 Telefoninterviews (CATI) mit je 100 Erwerbstätigen und 100 Ruheständlern repräsentativ in allen 16 Bundesländern im März und April 2015 sowie bundesweite Gesamtauswertung nach bevölkerungsrepräsentativer Gesamtgewichtung mit z.T. Vergleichen zu einer bundesweit repräsentativen CATI-Studie von AXA aus 2005

  • Erwartungen Lebensqualität im Ruhestand bei Erwerbstätigen und Ruheständlern

    Frage an Erwerbstätige:
    „Wird sich Ihre Lebensqualität Ihrer Ansicht nach im Ruhestand verbessern, verschlechtern oder gleich bleiben?“

    Ergebnis:

    Während 2005 noch 71% der Erwerbstätigen an eine gleich bleibende oder bessere Lebensqualität im Ruhestand glaubten sind es im Jahr 2015 nur noch knappe 61%.

    Frage an Ruheständler:
    „Ist Ihre Ansicht nach Ihre Lebensqualität im Ruhestand besser geworden, gleich geblieben oder schlechter geworden?“

    Ergebnis:

    Im Gegensatz dazu berichten im Jahr 2015 76% der Ruheständler von einer gleichen oder besseren Lebensqualität während es 2005 nur 73% waren.

  • Nachlassende Ruhestandsplanung

    Frage an Erwerbstätige:

    „Haben Sie mit der Vorbereitung auf den Ruhestand begonnen?“

    Ergebnis:

    Vor zehn Jahren hatten bundesweit 82 Prozent der Erwerbstätigen Planungen für ihren
    Ruhestand schon entwickelt. Heute sind es 60 Prozent, also ein Viertel weniger.

  • Zweifel an der privaten Altersvorsorge

    Frage an Erwerbstätige:
    Würden Sie dieser Aussage zustimmen: „Ich weiß gar nicht, ob private Altersvorsorge überhaupt noch Sinn macht“?

    Ergebnis:

    Die größten Zweifel hegen die Erwerbstätigen in Thüringen mit 61 % gefolgt von Bayern (58%), Brandenburg und Sachsen (beide 57%) sowie Mecklenburg mit 53%.

    Der Bundesdurschnitt bildet mit 49 % das Schlusslicht.

  • Sparleistungen im Vergleich

    Frage an Erwerbstätige:

    „Wie viel Euro monatlich sparen / investieren Sie regelmäßig im Hinblick auf Ihre private Altersvorsorge?“

    Ergebnis:

    Spitzenreiter mit 345€ im Monat ist das Saarland dicht gefolgt von Hamburg (323€ i. M.).

    Während der Bundesdurchschnitt bei 257€ i.M. liegt, fallen Berlin mit 194€ i.M. und Sachsen (178€ i.M) weit von den Sparleistung der restlichen Bundesländer ab.

    Quelle: AXA Deutschland-Report 2015 sowie AXA Ruhestand-Barometer 2005

 

Für den Deutschland-Report zur Ruhestandsplanung haben die AXA und das Meinungsforschungsinstitut YouGov im März und April 2015 rund 3200 Interviews mit Rentnern und Erwerbstätigen in allen Bundesländern geführt. So konnten sie auch regional unterschiedliche Wahrnehmungen des Ruhestands und der Ruhestandsplanung ausfindig machen.

Ökonomische Belastung

Auch wenn dieser Generationenkonflikt für die meisten kaum überraschend sein dürfte - die Gefahr liegt darin, dass er sich wohl in den kommenden Jahren massiv verschärfen wird. Denn das Ungleichgewicht zwischen den Generationen nimmt immer weiter zu. 2011 mussten 100 Beschäftigte 31 Rentner finanzieren, in knapp 20 Jahren werden es schon 55 Ruheständler sein, die finanziert werden wollen. Wohlgemerkt, Anfang des Jahrtausends waren es nur 24 Rentner je 100 Berufstätige. Das Verhältnis droht also deutlich zu kippen.

 

Hinzu kommt die Interessenverlagerung, die ebenfalls zu Lasten der Zufriedenheit bei den Erwerbstätigen geht. Je älter die Bevölkerung im Durchschnitt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass in Politik und Gesellschaft vor allem die Interessen der Älteren verfolgt werden.

Das kann gefährliche wirtschaftliche Folgen haben, wie Henning Vöpel, Direktor am Hamburgerischen Weltwirtschafts Institut (HWWI), in einem Aufsatz konstatiert: „Die politischen Mehrheitsverhältnisse verschieben sich zu Ungunsten der Jüngeren“, schreibt Vöpel. Besitzstandswahrung und intergenerative Verteilungskonflikte würden so zum Hauptgegenstand der Politik.

Das Wichtige, nämlich Investition und Innovation, würden dagegen vernachlässigt. „Eine alternde Gesellschaft spart viel und investiert risikoavers“, erklärt Vöpel.

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