InterviewRente: "Ein fataler Fehler"

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Bernd Raffelhüschen, Professor der Universität Freiburg und Experte für Altersvorsorge

von Andreas Toller

Wissenschaftler und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen über die hohen Rücklagen der gesetzlichen Rentenversicherung, die Renditenot der privaten Versicherer und den Unsinn der jüngsten Reformvorhaben.

WirtschaftsWoche: Herr Raffelhüschen, die Rücklagen der gesetzlichen Rentenkassen wurden zuletzt für 2011 auf stolze 5,1 Milliarden Euro geschätzt. Ist unsere Rente jetzt wieder sicher?

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Raffelhüschen: Die Hausaufgaben sind im Wesentlichen erledigt. Durch die Reformen der vergangenen 15 Jahre ist die gesetzliche Rente nachhaltig finanzierbar geworden. Wir haben die Rente demografiefest gemacht: durch den Nachhaltigkeitsfaktor, den Renteneintritt mit 67 und Abschläge bei vorgezogenem Ruhestand.

Bei Rücklagen, die 1,5 Monatsauszahlungen übersteigen, soll es laut Gesetz Beitragssenkungen geben. Für 2013 zeichnet sich eine Senkung des Beitragssatzes von 19,6 auf 19,2 Prozent ab. Doch das lehnt sogar der Deutsche Gewerkschaftsbund ab und will lieber höhere Beiträge als Armutsrenten. Ist das überhaupt sinnvoll?

Ob wir die höheren Reserven jetzt nutzen sollten, um die Beiträge zu senken, ist Geschmackssache. Es ist richtig, dass wir eine gesetzliche Bestimmung haben, aber die wurde schon oft geändert. Zeitweise mussten die Kassen drei Monatsausgaben vorhalten. In Zeiten knapper Kassen haben wir die Reserven auch schon auf die Ausgaben für 14 Tage runtergeschraubt. Gesetze kann man ändern, aber zu hohe Rücklagen wecken Begehrlichkeiten. Ich weiß nicht, ob sich die Rentenkassen gegen diese gegebenenfalls wehren können.

Also lieber weiter Rücklagen bei den Rentenkassen anhäufen?

Wir brauchen Reserven in der gesetzlichen Rentenversicherung. Wichtig ist doch, dass wir die Rücklagen nicht gleich wieder für großzügige Rentnergeschenke ausgeben. Das ist, was der DGB will. Von Geschenken, die wir nicht nachhaltig finanzieren können, haben wir in letzter Zeit genug gehabt.

Noch brummt die Konjunktur. Wird die umlagefinanzierte Rente auch bei der nächsten Konjunkturschwäche so stabil bleiben?

Die aktuelle Situation wird so nicht bleiben. Wir haben die höchsten Steuer- und Beitragseinnahmen in der deutschen Geschichte. Das Niveau sollte uns froh stimmen, aber eins ist klar: Nach sieben fetten folgen auch sieben magere Jahre. So wird das mit der Konjunktur nicht ewig weitergehen.

Versicherungsbeiträge Die Sozialkassen quellen über

Bundesagentur für Arbeit, Krankenkassen und Rentenversicherer haben ein Luxusproblem: Sie haben mehr Geld als sie gerade benötigen. Bleibt die Frage: Was tun mit den Milliarden?

Eine Mitarbeiterin der Bundesagentur für Arbeit arbeitet in ihrem Büro hinter einem Aufsteller mit dem Logo der Agentur Quelle: dapd

Bleibt die Altersvorsorge mit ihren drei Säulen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge denn auch im Konjunktureinbruch gesichert? Schon jetzt haben ja die privaten Rentenversicherer Probleme, eine ausreichende Rendite oberhalb der Inflation zu erzielen?

Wir müssen den Menschen, die sich um ihre Rente sorgen, sagen, dass sie nicht nur von heute bis morgen denken sollen, sondern langfristiger. Die Rente wird – im Durchschnitt – robust sein. Es wird auch mal gute und mal schlechte Tage geben. Was die beiden anderen Säulen, also die betriebliche und die private Altersvorsorge angeht, haben wir exakt dieselbe Situation. Wichtig ist, dass man sich eins klar macht: Die Umlagefinanzierung baut im Wesentlichen auf die Produktivität der künftigen Generationen. Die Kapitaldeckung basiert hingegen – je nachdem um welches Produkt es sich handelt – auf die Produktivität der Unternehmen, etwa bei der Direktversicherung oder aber auf Staatsschulden.

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Sie meinen die private Altersvorsorge mit Riester & Co.?

Ja. Im Falle eines Riester-Vertrags, der in eine Rentenversicherung fließt, ist die Rendite meist nichts anderes als ein Staatsschuldtitel, weil die Refinanzierung zu 90 Prozent über Staatsanleihen läuft, mit denen sich die öffentliche Hand verschuldet. Wie gut oder wie schlecht es einer Säule geht, hängt davon ab, wie sie sich refinanziert. Und das ist relativ leicht zu erkennen.

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