Rentenansprüche: Rentenversicherung zahlt Millionen zu viel

Rentenansprüche: Rentenversicherung zahlt Millionen zu viel

Dem Bundesrechnungshof zufolge zahlt die gesetzliche Rentenversicherung jedes Jahr dreistellige Millionenbeiträge an Menschen ohne Rentenanspruch. Wie das kommt und worauf Sie bei der Rente achten müssen.

Die gesetzliche Rentenversicherung hat nach Erkenntnissen des Bundesrechnungshofs dreistellige Millionenbeträge an Menschen ohne entsprechende Rentenansprüche gezahlt. Wie der „Focus“ unter Berufung auf einen Prüfbericht schreibt, stiegen die „Forderungen aus überzahlten Renten“ bei den 16 Rentenversicherungsträgern zwischen 2006 und 2011 von 125 auf 166 Millionen Euro. Die tatsächlichen Fehlbeträge seien aber noch höher.

ABC der Rentenansprüche

  • Wer hat Anspruch auf Rente?

    Alle, die bis 1946 geboren sind und das 65. Lebensjahr vollendet haben, können Rente bekommen, wenn sie mindestens fünf Jahre eingezahlt haben. Bei ab 1947 Geborenen wird die Altersgrenze mit jedem Jahrgang stufenweise weiter angehoben. Wer ab 1964 geboren ist, kann erst mit 67 Jahren in Rente gehen.

  • Wer ist langjährig Versicherter?

    Langjährig Versicherte haben ab dem 65. Lebensjahr Rentenanspruch, wenn sie mindestens 45 Jahre eingezahlt haben.

  • Wer kann schon früher in Rente gehen?

    Langjährig Versicherte können schon mit 63 Jahren in Rente gehen, wenn sie mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Jedoch müssen bis 1948 Geborene einen Abschlag von 7,2 Prozent in Kauf nehmen, danach steigen die Abschläge stufenweise an. Wer ab 1964 geboren ist, muss sich mit 14,4 Prozent weniger Rente zufrieden geben, wenn er früher in Rente will.

  • Welche Rentenansprüche haben Schwerbehinderte?

    Wenn der Arzt einen Behinderungsgrad von 50 und mehr bescheinigt, kann man Altersrente schon mit 63 bekommen. Voraussetzung sind 35 Jahre Anwartschaftszeiten und Geburt vor dem 1. Januar 1952. Ab 1964 Geborene können erst mit 65 Jahren eine abschlagsfreie Rente für Schwerbehinderte bekommen.

  • Wann haben Frauen Anspruch auf Altersrente?

    Frauen können Altersrente mit 60 beanspruchen, wenn sie vor dem 1. Januar 1952 geboren sind. Gehen sie mit 60 in Rente, müssen sie 18 Prozent Abschlag zahlen, ab dem 65. Lebensjahr werden 7,2 Prozent abgezogen.

  • Welche Regeln gibt es bei Arbeitslosigkeit oder Altersteilzeit?

    Hier gelten die gleichen Regeln wie bei der Frauen-Rente.

  • Was passiert bei Krankheit?

    Kann jemand am Tag wegen seiner Krankheit weniger als sechs Stunden arbeiten, hat er Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Voraussetzung: Mindestens fünf Jahre Beiträge und während der letzten fünf Jahre vor Beginn der Rente sind drei Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt worden.

  • Was ist, wenn jemand nur noch stundenweise arbeiten kann?

    Wer am Tag zwischen nur noch zwischen drei und sechs Stunden arbeiten kann, hat Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

  • Wer bekommt Hinterbliebenenrente?

    Nach dem Tod des Versicherten können Witwe oder Witwer und die Waisen als Hinterbliebene Rente beziehen. Der Rentenanspruch endet, wenn ein Waise das 18. Lebensjahr erreicht oder danach eine Ausbildung abgeschlossen hat. Die Witwen-Rente endet beispielsweise, wenn neu geheiratet wird.

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Ein häufiger Grund für zu viel gezahlte Renten sind den Rentenversicherungen zufolge fehlerhafte Mitteilungen der Empfänger etwa über einen Hinzuverdienst. Wer beispielsweise eine Erwerbsminderungsrente bekommt oder früher als mit 65 Jahren in Rente geht, darf im Monat nicht mehr als 450 Euro dazuverdienen. Wird der Nebenjob nicht im vollen Umfang mitgeteilt, kann es sein, dass der Empfänger über mehrere Jahre zu viel Rente bezieht. Auch bei der Waisen- und Witwenrente kann es schnell zu Mehrzahlungen kommen, wenn ein Waise das Ende einer Berufsausbildung verschweigt oder eine Witwe neu geheiratet hat und dies zu spät meldet. Hier solle vor allem ein besserer Informationsaustausch mit den Meldebehörden helfen, erklärte die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV). „Werden Renten ausgezahlt, obwohl der Rentner keinen Anspruch hierauf hat, so werden diese von der Rentenversicherung zurückgefordert.“

Nach Ansicht der Rechnungsprüfer sei aber „nicht sichergestellt“, dass zu viel gezahlte Renten „unverzüglich und konsequent“ zurückgefordert würden, berichtete der „Focus“. Bei der DRV Nordbayern etwa seien „Bearbeitungsrückstände von bis zu vier Jahren“ aufgetreten. An Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) appellierte der Rechnungshof, „Regelungsdefizite“ zu beseitigen.

Das Bundesarbeitsministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, wie eine Sprecherin mitteilte. Den Empfehlungen und Forderungen des Bundesrechnungshofes sei in weiten Teilen bereits nachgekommen worden.

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