Rentenbesteuerung: Zahlen die Rentner von morgen zu viel Steuer?

Rentenbesteuerung: Zahlen die Rentner von morgen zu viel Steuer?

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Rentenbesteuerung: Wenn der Staat zweimal kassiert.

von Niklas Hoyer

In Zukunft müssen Rentner einen immer höheren Teil ihrer Alterseinkünfte versteuern. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass es dabei im großen Stil zu einer unzulässigen Zweifachbesteuerung kommt.

Die Steuerregeln für Renten haben sich 2005 grundlegend geändert. Bei der Umstellung musste die damalige rot-grüne Bundesregierung eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts beachten: Wichtig sei, so die Verfassungsrichter, „dass eine doppelte Besteuerung vermieden wird“ (2 BvL 17/99). Jeder Rentner müsse wenigstens so viel an Rente steuerfrei erhalten, wie er vorher an Rentenbeiträgen steuerpflichtig eingezahlt habe. Eine neue, noch unveröffentlichte Studie im Auftrag der Vers Versicherungsberater Gesellschaft, einer Honorar-Versicherungsberatung aus Berlin, deutet jedoch darauf hin, dass die Vorgabe nicht eingehalten wird. Spätestens ab 2020 würden sich die Fälle einer Zweifachbesteuerung häufen, schreiben die Autoren, der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Günter Siepe und der Finanzmathematiker Werner Siepe. Bei Rentenstart 2040 überstiegen die steuerpflichtig gezahlten Beiträge die steuerfrei kassierten Renten um rund 46 000 Euro.

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Bei 30 Prozent Grenzsteuersatz müssten diese heute 40-Jährigen später bis zu 14.000 Euro zu viel Steuer zahlen. Zum Hintergrund: Seit der 2005 erfolgten Umstellung, bleiben Rentenbeiträge teilweise steuerfrei. Aktuell liegt der steuerfreie Anteil bei 82 Prozent, er steigt um zwei Prozentpunkte pro Jahr. Im Gegenzug müssen Rentner einen Teil ihrer Rente versteuern. Dieses Jahr startende Neurentner müssen lebenslang 72 Prozent versteuern; ab 2040 sind es 100 Prozent. Schon vor mehr als zehn Jahren hatte es Kritik gegeben. So monierten Experten des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (später in der Deutschen Rentenversicherung aufgegangen) eine unzulässige Zweifachbesteuerung. Sowohl die Bundesregierung als auch eine Sachverständigenkommission sahen das anders. Die Kommission leitete der Finanzwissenschaftler Bert Rürup, heute Präsident des Handelsblatt Research Institutes, das, wie die WirtschaftsWoche, zur Verlagsgruppe Handelsblatt gehört.

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Die neue Studie berücksichtigt Rechengrundlagen, die bei der Umstellung vor über zehn Jahren noch nicht bekannt waren. So stützen sich die verwendeten Werte auf den Rentenversicherungsbericht 2015, der deutlich niedrigere Steigerungen bei Renten und Beiträgen prognostiziert als damals absehbar. Wie die frühere Kommission betrachten auch die Studienautoren bei jedem Rentner 45 Beitragsjahre und 17 Rentenjahre. Allerdings basierten die Berechnungen der Kommission auf einem Höchstbeitragszahler.

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Die Autoren gehen vom jeweiligen Durchschnittsverdienst und entsprechendem Beitrag aus. Hauptunterschied ist jedoch, wie Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung im Ruhestand rechnerisch berücksichtigt werden. Die Studienautoren werten diese – anders als die frühere Kommission – nicht als steuerfreie Rententeile. Zwar würden diese Beiträge direkt von der Rentenkasse abgeführt und steuerlich als Sonderausgaben abgezogen.

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Der steuerliche Abzug stehe aber jedem zu und sei kein Privileg der Rentner. Es sei daher „aus steuersystematischer Sicht höchst fragwürdig“ die Beiträge als steuerfreie Rente zu werten. Der frühere Kommissionsleiter Rürup weist die Kritik zurück. Die Berücksichtigung der Sozialversicherungsbeiträge sei sorgfältig geprüft worden. „Die vorgeschlagene Lösung war sachlich und inhaltlich richtig.“ Endgültige Klärung dürften erst Gerichtsurteile bringen, wenn betroffene Rentner sich gegen eine vermutete Zweifachbesteuerung wehren wollen.

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3 Kommentare zu Rentenbesteuerung: Zahlen die Rentner von morgen zu viel Steuer?

  • Jede Steuer ab einem Eurocent ist zu viel!
    Will uns das der Verfasser sagen?
    Was soll das unbestimmte Zahlwort "zu viel" aussagen? Zu Viel ist doch in jedem Einzelfall relativ! Was ist denn bei Einkommenssteuern verhältnismäßig, d. h. relativ?
    Wie muss ein Beitrag beurteilt werden, der solche Antworten auslässt?

  • @Peter Noack: Sehr geehrter Herr Noack, vielen Dank für Ihren Kommentar. Es geht aber in diesem Fall schlicht darum, dass das Verfassungsgericht klare Regeln dafür aufgestellt hat, wann eine unzulässige Zweifachbesteuerung bei der Rentenbesteuerung vorliegt. Die Studie sieht nun Anhaltspunkte dafür, dass eine solche beim Übergang zur nachgelagerten Besteuerung tatsächlich häufig vorkommt. Insofern sind die von Ihnen aufgeworfenen Fragen sicherlich interessant - und es ließe sich darüber stundenlang debattieren - aber für die vorliegende Frage unerheblich. Freundliche Grüße, Niklas Hoyer

  • Man sollte bei der Diskussion nicht vergessen, dass die Nachversteuerung eigentlich sehr sinnvoll und vorteilhaft ist, vor allem wenn man erwartet, dass die Renten eher geringer sind als die Einkuenfte waehrend des Arbeitslebens. Ich faende es noch sinnvoller wenn es die Moeglichkeit gaebe mehr Einkommen steuerfrei in langfristige Vorsorgekonten einzuzahlen - etwa in Hoehe der Arbeitnehmeranteile zur Rentenversicherung - um eine dritte Saeule der Rentenversicherung aufzubauen.

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