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Rentenvorsorge: Die Erfolgsstrategie gegen die Rentenlücke

von Sara Zinnecker

Die gesetzliche Rente wird für ein Auskommen im Alter bei Weitem nicht reichen. Anleger müssen viel Geld auf die hohe Kante legen, um ihren Lebensstandard langfristig erhalten zu können.

Wenn Sie heute eine Rentenlücke in Höhe von 1000 Euro feststellen - Ihnen nach jetzigem Standpunkt und heutiger Kaufkraft trotz gesetzlicher Rente 1000 Euro fehlen würden, um all Ihre Ausgaben decken zu können - kann sich das Bild in den nächsten fünf Jahren weiter verdüstern. In fünf Jahren würden aus diesen fehlenden 1000 Euro:

1.051 Euro bei einer Inflation von einem Prozent

1.104 Euro bei einer Inflation von zwei Prozent

1.159 Euro bei einer Preissteigerung von drei Prozent

1.217 Euro bei vier Prozent

1.276 Euro bei einer Inflation von fünf Prozent

Bild: dpa

Zurückgeben, zurückerstatten – dafür steht der Begriff Rente. Doch davon kann für künftige Generationen keine Rede mehr sein. Während langjährig Versicherte heute noch rund 51 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens aller Beitragszahler als Rente ausgezahlt bekommen, sollen es von 2030 an nur noch 43 Prozent sein. Für die Rentner von morgen wird es also finanziell eng. Und schon heute hat ein Drittel der fleißigen Beitragszahler Angst vor Altersarmut.

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Ausgangsposition mit gesetzlicher Rente

  • Berufseinsteiger²

    Renteneintritt im Jahr 2052

    angestrebtes Monatseinkommen : 2000 (real, in Euro)

    gesetzliche monatliche Bruttorente: 1570 (nominal, geschätzt, in Euro)

    ² heute 27-Jähriger, derzeitiges Brutto-Jahresgehalt 35.000 Euro

    Berechnungen für die Einzahlung in die Rentenversicherung über 42 Jahre, Brutto-Jahresgehälter steigen mit derselben Rate, wie die Durchschnittsgehälter in Deutschland, Renteneintritt mit 67 Jahren; Bruttorente steigt jährlich um ein Prozent, monatliche Rentenlücke steigt mit der Inflation: Dies ist berücksichtigt

  • 40-Jähriger³

    Renteneintritt im Jahr 2039

    angestrebtes Monatseinkommen: 2000 (real, in Euro)

    gesetzliche monatliche Bruttorente: 2118 (nominal, geschätzt, in Euro)

    ³ ohne Kinder, derzeitiges Brutto-Jahresgehalt 50.000 Euro

  • Familie mit 2 Kindern⁴

    Renteneintritt im Jahr 2039

    angestrebtes Monatseinkommen (real, in Euro): 4000

    gesetzliche monatliche Bruttorente (nominal, geschätzt, in Euro): 2981

    ⁴ beide 40 Jahre, derzeitiges Brutto-Jahresgehalt 40.000 Euro (Mann) und 30.000 Euro (Frau); Kinder sind nach 1992 im Abstand von drei Jahren geboren; Mutter ist jeweils drei Jahre nach den Geburten nicht arbeiten gegangen

Zu Recht, denn nicht nur die Rentenzahlungen werden, gemessen am letzten Gehalt, gekürzt, sie werden auch zunehmend besteuert. Schon seit 2005 steigt Jahr für Jahr der zu versteuernde Anteil der bezogenen Rente um mehrere Prozentpunkte. Wer 2040 in den Ruhestand geht, wird die gesamten Altersbezüge versteuern müssen. Im Gegenzug können Angestellte Jahr für Jahr einen immer größeren Teil ihrer Altersvorsorgebeiträge steuerlich absetzen. Für sie lohnt es sich, zur Deckung künftiger Lücken aus der gesetzlichen Rente mit der Steuerersparnis privat vorzusorgen.

Rentenlücke und notwendige Sparraten Szenario I: zwei Prozent Inflation

  • Berufseinsteiger

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 4416 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 2846 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt⁵: 693.092 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten⁶: 744 Euro

    ⁵ Anlagenzins nach Steuern wird mit drei Prozent angenommen. Erspartes reicht bis zu einem Lebensalter von 93 Jahren

    ⁶ Ansparraten, um auf den entsprechenden Kapitalstock bei Renteneintritt zu kommen; Anlagenzins nach Steuern von drei Prozent unterstellt (ohne unterjährige Verzinsung)

  • 40-Jähriger ohne Kinder

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 3414 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 1296 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 315.617 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 627 Euro

  • Familie mit zwei Kindern

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 6828 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 3847 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 936.868 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 1862 Euro

Das Problem: Die Eingriffe der Notenbanken in der Finanz- und Staatsschuldenkrise haben die Renditen sicherer festverzinslicher Anlagen enorm gedrückt. Die Zinserträge dümpeln nach Abzug von Inflation um die Null-Prozent-Marke. Real können Anleger derzeit bestenfalls das Sparvermögen erhalten – aber nicht ausbauen. So wird die sichere, rentierliche Geldanlage zur Herausforderung für alle, die Rentenlücken privat auszugleichen versuchen.

Rentenlücke und notwendige Sparraten Szenario II: vier Prozent Inflation

  • Berufseinsteiger

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 9602 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 8032 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 2.472.530 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 2653 Euro

  • 40-Jähriger kinderlos

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 5767 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 3649 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 1.123.290 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 2232 Euro

  • Familie mit zwei Kindern

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 11.533 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 8552 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt in Euro: 2.632.605 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 5232 Euro

Eine Checkliste kann helfen, mögliche finanzielle Schieflagen im Alter zu vermeiden. Noch vor „Wie lege ich mein Geld an?“ sollte die Frage stehen, wie hoch der Lebensstandard im Alter einmal sein soll. Denn nur wer seine Rentenlücke – die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und angestrebtem verfügbarem Einkommen – kennt, kann kalkulieren, wie viel Kapital er zum Rentenantritt angespart haben muss.

Wohlstand überschätzt

Stefanie Kühn ist das Problem bekannt. Die 39-Jährige ist unabhängige Finanzberaterin aus Grafing bei München. Viele Menschen würden den eigenen Wohlstand im Alter falsch einschätzen. „Wer ein Haus hat, rechnet damit, im Ruhestand mietfrei zu wohnen. Dabei vergessen aber viele, dass nach 30 Jahren oft eine teure Kernsanierung fällig wird“, sagt die Finanzberaterin. Andere Kunden dagegen würden unterschätzen, wie die Inflation über die Zeit ihre Ersparnisse auffrisst.

„Denen rechne ich dann vor, dass 2500 Euro Lebensstandard heute mit Eintritt in den Ruhestand nur noch einen Bruchteil wert sind“, sagt Kühn.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.01.2013, 12:49 Uhrfuggerinessen

    Was die nette Anlagenberaterin aus Grafing bei Ihrer Beratung nicht erwähnt ist das erzwungene Anlageverhalten der Versicherungen in Staatsanleihen. Genausowenig wird Sie den §6, Abs. 10 Statut des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands der Banken erwähnen.

    Ob eine Lebensversicherung oder ähnliche Einrichtungen im Zeitalter von CACs (Cause Action Clauses, siehe Umschuldung Griechenland) zahlungsfähig sein werden, steht meiner Ansicht nach in den Sternen.
    Das ich für die 700.000 dagegen echte Arbeit leisten muss, oder eben nicht, ist unzweifelhaft.

    Die jetzige Lebensqualität einer Arbeitswoche von gerade mal 24 Stunden ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Mein Ausgabeverhalten im Alter kann ich als Single in einer abbezahlten 27 qm Wohnung bestens kontrollieren.

    Wir werden sehen, welche Vorhersage in 37 Jahren zutreffen wird.

  • 09.11.2012, 14:39 UhrKlarkopf

    In einem Kinderbuch des ultralinken Verlags Cornelsen stand schon in den 80er Jahren die üble Aussage, daß die Menschen in Afrika viele Kinder haben müßten, weil es dort keine Rente gäbe. Bei uns aber sei es umgekehrt, weil hier jeder seine Rente erhält.

    So? Was da stand, war keine grenzenlose Dummheit, wie man meinen könnte, sondern ein knallhartes Programm und eine Strategie, mit der man schon in den 80ern die Kinder indoktrinierte mit dem Ziel, daß die Kinder selbst später keine Kinder haben wollen, sondern stattdessen Spaß und Hedonismus. 'Ausdünnen' nannte es ein Metzgerssohn und Schläger aus der Frankfurter Szene.

    Zu jeder Zivilisation hat zu allen Zeiten die Erkenntnis gehört, daß Kinder die Hauptsache sind, denn einzig und allein von Kindern kommt die Rente, nicht von Bankstern, nicht von verkrachten Buchschreibern oder von Politikern, die irgend etwas reden, damit sie gewählt werden und schon gar nicht von Links. Eine Erfolgsstrategie gegen eine Rentenlücke kann nur auf Kindern basieren. Alles andere ist Unfug.

    Deutschland ist heute das geburtenärmste Land des Erdballs. Und wer meint, daß die Rente nun von den Kindern der anderen kommen wird, der irrt sich ganz gewaltig. Von anderen bekommt man nichts. Dieses Nichts ist schon heute in schöne Worte verpackt: 'Privatrente', 'private Vorsorge', alles nach dem Vorbild von 'Privatkaffee', denn 'privat' klingt immer gut.

    Die Menschen müssen wieder lernen, selbst zu denken und nicht mehr auf das Fernsehen zu hören. Das Fernsehen meint es nicht gut mit ihnen.

    Und übrigens: Wer hat Obama zum Sieg verholfen? Es sind diejenigen mit Kindern. Die Hedonisten haben verloren.

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