Riester-Rente: Milliarden-Mär

KommentarRiester-Rente: Milliarden-Mär

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2008 sollen Sparer 1,3 Milliarden Euro verschenkt haben, da sie ihre Zulagen nicht beantragt haben.

von Niklas Hoyer

Angeblich verschenken Riester-Sparer Milliarden. Eine Werbemasche – auf die viele reinfallen.

Jahr für Jahr wundert sich Deutschland: Riester-Sparer verschenken angeblich Milliarden an staatlicher Förderung, weil sie vergessen, ihre Zulage vom Staat zu beantragen, oder zu wenig in ihre Verträge einzahlen. Im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment berechnet Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen die Einbußen.

2008, so das Ergebnis, hätten Sparer 1,3 Milliarden Euro „verschenkt“. Während die Bayern am häufigsten ihre Zulagen beantragten („offenbar die cleversten“, O-Ton Raffelhüschen), liege die Antragsquote im Osten unter 65 Prozent. Offenbar die dümmsten.

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Union Investment, Marktführer bei Riester-Fonds, lockt indirekt: Wo viel Geld zu holen ist, sollten Sparer dabei sein. Wenn sie klug genug sind, ihren Zulagenantrag zu stellen, sichert ihnen der Staat hohe Renditen.

Gute Gründe für fehlende Zulagen

Dass das nicht stimmt, hat sich herumgesprochen. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass es die Riester-Rendite oft nur mit dem „Sparstrumpf“ aufnehmen könne. Die WirtschaftsWoche hatte schon 2009 getitelt: „Die Riester-Lüge: Warum sich die beliebteste Altersvorsorge für viele nicht lohnt“.

Bei genauem Hinschauen entpuppt sich die Raffel- hüschen-Studie als wissenschaftlich angestrichene Werbung, nicht mehr.

Tatsächlich weiß niemand, wie viel Geld Riester-Sparer verschenken. Denn wenn sie nur geringe Beiträge in ihren Riester-Vertrag stecken, dafür aber mehr in andere, lohnendere Anlagen, verschenken sie gar nichts. Schließlich bringt das Riestern trotz staatlicher Förderung nur geringe Renditen.

Selbst wenn Sparer gar keinen Zulagenantrag stellen, verschenken sie nicht automatisch Geld. Für den Verzicht auf Zulagen kann es gute Gründe geben: Riester-Sparer mit Zulage müssen ihre spätere Rente komplett versteuern und können sich ihr Sparguthaben nicht auf einen Schlag auszahlen lassen.

Wer ohne staatliche Hilfe riestert, zahlt seine Raten jetzt zwar aus versteuertem Einkommen, genießt aber trotzdem noch Riester-Vorteile. So muss er während der Sparphase zum Beispiel keine Abgeltungsteuer auf jährliche Zinserträge abführen. Und – anders als der Zulagen-Empfänger – muss er im Alter seine Riester-Auszahlung nicht komplett versteuern.

Zulagenantrag nicht vergessen

Nur in einem Fall verschenken Sparer wirklich Geld: Wenn sie ihre Riester-Beiträge zwar in der Steuererklärung angeben, aber vergessen, den Zulagenantrag zu stellen. Dann geht der Fiskus davon aus, dass die Zulage ausgezahlt worden ist – auch wenn sie nicht beantragt wurde.

Um zu errechnen, wie viel Geld Sparer verschenken, müsste man wissen, wie oft diese Vergesslichkeit vorkommt. Statistiken darüber haben aber auch Union und Raffelhüschen nicht. Sie tun so, als ob jeder fehlende Zulagenantrag einfach vergessen worden wäre. Nur so kommt die „verschenkte Milliarde“ zustande, die Anleger dazu animieren soll, am besten noch vor Silvester einen Sparplan zu unterschreiben. Wirklich clever.

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