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Rohstoffe: Pensionsfonds wollen mehr Rohstoffe kaufen

von Stefan Hajek

Wichtige Industrierohstoffe wie Aluminium, Kupfer, Nickel oder Zink könnten bald wieder teurer werden. Langfristig befürchten Vertreter der Metall-Industrie gar exorbitante Knappheitspreise. Der Grund: Immer mehr branchenfremde Investoren drängen auf den Rohstoffmarkt und kaufen dort Metalle auf. Nun will der zweitgrößte amerikanische Pensionsfonds, Calstrs, erstmals in physische Rohstoffe investieren.

Aluminium-Barren im Hafen von Quelle: REUTERS
Aluminium-Barren im Hafen von Qingdao in China warten auf den Export Quelle: REUTERS

Der zweitgrößte amerikanische Pensionsfonds, California State Teacher's Retirement System (Calstrs), plant nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren eine „grundlegende Änderung" seiner Investmentstrategie; als ein Kernpunkt der neuen Strategie seien erstmals in der Geschichte des Fonds vermehrte direkte Investments in physische Rohstoffe geplant, schrieb der Fonds auf seiner Homepage.

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Bisher hatte die Pensionskasse, die rund 139 Milliarden Dollar für die Renten der kalifornischen Lehrer verwaltet, das Geld vor allem in Anleihen, Aktien, Immobilien und Beteiligungen investiert. Die Ausschüttungen des Fonds sind mit den Konsumentenpreisen indexiert; deswegen versucht der Fonds nun über die Rohstoffe, sich vor einer möglicherweise steigenden Inflation zu schützen.

Damit liegt der Lehrer-Pensionsfonds voll im Trend. Rohstoffexperten beobachten seit einiger Zeit vermehrt branchenfremde Investoren an den Märkten, die also weder Verbraucher noch Erzeuger der Rohstoffe sind, darunter große institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds. So ist auch der größte Pensionsfonds der USA, Calpers, der knapp 200 Milliarden Dollar für US-Pensionisten verwaltet, bereits im Rohstoff-Sektor engagiert.

Lieber physisch als Papier-Investments

Neu sind aber die direkten Investments in die Metalle oder Öl via börsengehandelte Fonds, so genannte ETF. Diese ermöglichen es Anlegern, den Rohstoff via Fonds physisch zu besitzen, nicht nur, wie bislang üblich, als Inhaberschuldverschreibung (Zertifikate) oder Lieferkontrakt (Future).

Die Fonds versuchen sich mit den physischen Investments gegen Kaufkraftverluste der Papierwährungen Dollar, Euro oder Yen abzusichern.

Der neue Trend bringt aber auch Probleme. So warnte Thyssen-Chef Ekkehard Schulz vor rund einer Woche im "Spiegel" vor einer neuen Spekulationswelle in Rohstoffen, die die Preise in eine neue Dimension katapultieren könne. Bereits jetzt leide die Industrie indirekt an den Spekulanten und Anlegern, da diese die Preise künstlich antrieben. Anders als klassische Spekulanten, die ihre Positionen meist nach kurzer Zeit wieder auflösen, um den Gewinn einzustreichen, dürften die Rentenkassen und andere strategische Investoren ihre Rohstoffinvestments aber in einer "kaufen-und-liegen-lassen"-Strategie verfolgen. "Damit entziehen sie dem Markt das Material de facto physisch", sagt Thomas Hölandt, Chef des Einkaufs beim Hamburger Kupferverarbeiter Aurubis (vormals Norddt. Affinerie).

Ironischerweise trieben die Großanleger aus Furcht vor Inflation mit ihren Investments diese selbst. Denn stark steigende Rohstoffpreise würden auf die Preise vieler langlebiger Konsumgüter und Investitionsgüter wie Autos, Flugzeuge, Baustahl, Küchengeräte usw zumindest teils umgewälzt ; sie sind mithin ein starker primärer Inflationsimpuls.

In den USA denkt die Politik daher schon über gesetzliche Beschränkungen für Rohstoffinvestments durch institutionelle Anleger nach.

Aus gutem Grund: Deren Investitionspotenzial ist gewaltig; schon ein einstelliger Prozentsatz der Pensionsfondsgelder in Rohstoffen könnte auf den engen Märkten die Preise vervielfachen.

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