Rohstoffe: Wie Anleger von steigenden Agrarpreisen profitieren

Rohstoffe: Wie Anleger von steigenden Agrarpreisen profitieren

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Rinder auf dem neuseeländischen Mount Eden

von Martin Gerth und Frank Doll

Weizen, Soja, Kakao: Die Rohstoffe für unser Essen werden teurer. Welche Rolle Spekulanten dabei spielen, was die Preise dauerhaft treibt, wie Anleger davon profitieren können und warum viele vermögende Deutsche Ackerland kaufen.

Am anderen Ende der Welt jagt Detlef Schön Milchkühe. Der ehemalige Landwirt sucht für superreiche Deutsche und den Vermögensverwalter Aquila Capital auf der Südinsel Neuseelands Milchvieh-Farmen. 100 Millionen Euro hat er so bereits investiert.

"Wir sind an Farmen interessiert, die wir deutlich produktiver machen können", sagt er. Sieben Prozent Rendite vor Steuern sollten die Kühe schon abwerfen. Obendrauf kommt, so hoffen seine Kunden, noch der Wertzuwachs der Farm – und das gute Gefühl, nicht in windige Papiere, sondern in handfeste Werte investiert zu haben. Dafür müssen die betuchten Käufer umgerechnet etwa 15.000 Euro je Hektar (10.000 Quadratmeter) hinlegen, im Schnitt rund fünf Millionen Euro je Farm.

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Schöns Geschäft läuft gut. Jetzt hat er Schafzüchter im Visier. "In den vergangenen Jahren ließ sich mit Lammfleisch wenig verdienen, es gab ein Überangebot", sagt er. Inzwischen seien die Preise aber so stark gestiegen, dass sich mit Schaffarmen wieder gute Renditen erzielen lassen.

Preissprünge bei Weizen, Reis und Zucker

Nicht nur Lammfleisch ist teurer geworden. Weizen, Reis, Zucker oder Kaffee haben heftige Preissprünge hinter sich. McDonald’s kündigte gerade wegen gestiegener Rohstoffpreise Preiserhöhungen an. Im Supermarkt kostet ein Pfund Kaffee 50 Cent mehr als im Vorjahr; acht Cent von dem Euro, den der Bäcker um die Ecke für ein Baguette nimmt, kostet der Weizen, 2009 waren es noch vier Cent.

Wegen vier Cent geht in Deutschland niemand auf die Straße. Anderswo schon: Am Anfang der Revolte in Tunesien standen Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise. In Algerien dämmte die Regierung mit Preissenkungen für Reis und Mehl Proteste ein.

Spekulanten am Pranger

Politiker haben Spekulanten als Schuldige für die steigenden Preise ausgemacht. "Lebensmittel dürfen nicht zum Objekt von Zockern werden", wettert Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will gegen Hedgefonds vorgehen, die an Terminbörsen auf steigende Preise wetten. Tatsächlich sind 98 Prozent der an der weltgrößten Terminbörse Chicago Board of Trade (CBoT) abwickelten Geschäfte mit Agrarrohstoffen reine Finanztransaktionen. Zu beweisen, dass diese die realen Preise treiben, scheint fast unmöglich. Die EU-Kommission schaffte es jedenfalls nicht. In der vergangenen Woche wollte sie eine Studie präsentieren, in der sie Spekulanten von dem Vorwurf der Preistreiberei freisprach – mangels Beweisen. Der Termin wurde allerdings abgesagt, auf Druck von Sarkozy, dem das Ergebnis nicht passte.

Perfektes Feindbild für Politiker ist etwa der britische Hegdefondsmanager Anthony Ward. Im vergangenen Jahr kaufte er für eine Milliarde Dollar 240.000 Tonnen Kakao, etwa sieben Prozent der Welternte. Ihn deshalb für den Preisauftrieb bei Kakao verantwortlich zu machen ist dennoch absurd: An der Elfenbeinküste herrscht Bürgerkrieg. 40 Prozent des weltweit exportierten Kakaos aber stammen aus dem westafrikanischen Land.

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