Rücklagen auf Rekordniveau: Rentenversicherungen horten Geld

Rücklagen auf Rekordniveau: Rentenversicherungen horten Geld

Noch nie hatte die Rentenversicherung so viel auf der hohen Kante wie heute. Doch ob deshalb auch die Beiträge sinken, ist äußerst fraglich.

Trotz eines Rekordpolsters in der Rentenkasse sind Koalitionspolitiker übereinstimmend gegen eine Entlastung der Beitragszahler. Mit 34,26 Milliarden Euro erreichte die Rücklage der Rentenversicherung im Juli einen historischen Höchststand, wie aus Zahlen des Bundesversicherungsamts hervorgeht.

Gegen eine Senkung des Beitragssatzes wandte sich nun etwa der Chef der Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU). „Wir müssen erst abwarten, wie die Mehrausgaben der Rente mit 63 und der Mütterrente zu Buche schlagen“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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Die wichtigsten Fakten zum Rentenpaket

  • Abschlagfreie Rente ab 63

    Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann vom 1. Juli an ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen. Begünstigt sind aber nur die Geburtsjahrgänge zwischen Mitte 1951 und 1963 - mit schrittweise abnehmendem Vorteil. Phasen vorübergehender Arbeitslosigkeit werden auf die Beitragsjahre angerechnet, nicht jedoch die letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Der Stichtag dafür ist jeweils der 61. Geburtstag. Selbstständige, die mindestens 18 Jahre lang Rentenpflichtbeiträge bezahlt und sich dann mindestens 27 Jahre freiwillig weiterversichert haben, können ab 63 ebenfalls abschlagfrei in Frührente gehen. Von der Regelung profitieren in vollem Umfang aber nur die Jahrgänge 1951 und 1952. Jeder spätere Jahrgang muss jeweils zwei Monate über den 63. Geburtstag hinaus arbeiten. Das Modell kostet zwischen 2 und 3 Milliarden Euro pro Jahr.

  • Mütterrente

    Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig mit einem zusätzlichen Rentenpunkt honoriert. Pro Kind erhalten sie ab 1. Juli dann brutto bis zu 57 Euro monatlich im Westen, im Osten bis zu 53 Euro. Das entspricht einer Verdoppelung des bisherigen Betrages. Dies kostet etwa 6,5 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich.

  • Erwerbsminderungsrente

    Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder nicht mehr arbeiten kann, erhält brutto bis zu 40 Euro mehr Rente im Monat. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 - und damit zwei Jahre länger als bisher - in die Rentenkasse eingezahlt haben. Dies kostet zwischen 200 Millionen und 2,1 Milliarden Euro.

  • Reha-Leistungen

    Um Frühverrentungen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert werden. Dafür sind Mehrausgaben zwischen 100 und 200 Millionen Euro veranschlagt.

  • Flexibler Übergang in Rente

    Nicht Teil des Pakets, aber von Union und SPD fest vereinbart ist, den Renteneintritt flexibler zu gestalten - und zwar auch nach Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze.

Der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs sagte der Zeitung: „Die Erfahrung zeigt, dass das erste Halbjahr immer besser ist als das zweite. Und: Der Großteil der Mehreinnahmen ist bereits verplant.“ CDU-Vize Armin Laschet mahnte in dem Blatt zum Schuldenabbau.

Sehr alt werden lohnt sich

  • Annahmen

    Annahmen: Riester-Rentenversicherung mit prognostizierten 3,5 Prozent Zins auf den Sparanteil (garantiert sind nur 1,75 Prozent); für die Rentenberechnung wird eine Lebenserwartung von 89 Jahren angenommen; 15 Prozent der Beiträge fallen als Kosten an;

    1. Rendite berechnet aus den selbst zu tragenden Beiträgen (Beiträge abzüglich Zulagen und Steuervorteil) und den späteren Renten (nach Steuern); Rentenbeginn mit 67 Jahren; alle Riester-Sparer zahlen vier Prozent des Bruttoeinkommens ein (maximal 2100 Euro);

    2. beide Ehepartner mit eigenem Vertrag und der Hälfte des Gesamteinkommens; Kinder: zwei und vier Jahre alt;

    Quelle: eigene Berechnung

  • Frau oder Mann (30 Jahre), 40 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen, keine Kinder

    Rendite (garantiert/prognostiziert)1

    bei Lebensalter 75 Jahre: –2,4% / 0,1%

    bei Lebensalter 85 Jahre: 1,1% / 2,9%

    bei Lebensalter 95 Jahre: 2,3% / 3,9%

  • Frau oder Mann (30 Jahre) 60 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen, keine Kinder

    Rendite (garantiert/prognostiziert)1

    bei Lebensalter 75 Jahre: –2,3% / 0,2%

    bei Lebensalter 85 Jahre: 1,1% / 3,0%

    bei Lebensalter 95 Jahre: 2,3% / 3,9%

  • Frau oder Mann (40 Jahre) 50 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen, keine Kinder

    Rendite (garantiert/prognostiziert)1

    bei Lebensalter 75 Jahre: –3,6% / –1,0%

    bei Lebensalter 85 Jahre: 0,9% / 2,8%

    bei Lebensalter 95 Jahre: 2,4% / 4,0%

  • Ehepaar (beide 40 Jahre) 60 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen, 2 Kinder (nach 2008 geboren)

    Rendite (garantiert/prognostiziert)1

    bei Lebensalter 75 Jahre: –3,4% / –0,8%

    bei Lebensalter 85 Jahre: 1,2% / 3,1%

    bei Lebensalter 95 Jahre: 2,6% / 4,3%

  • Ehepaar (beide 40 Jahre) 80 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen, 2 Kinder (nach 2008 geboren)

    Rendite (garantiert/prognostiziert)1

    bei Lebensalter 75 Jahre: –3,7% / –1,1%

    bei Lebensalter 85 Jahre: 0,9% / 2,7%

    bei Lebensalter 95 Jahre: 2,4% / 4,0%

Experten gehen davon aus, dass der Rentenbeitragssatz zum Jahreswechsel sinken könnte - laut „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Kreise der Rentenversicherung von derzeit 18,9 Prozent um 0,1 Punkte. Allerdings blicken Fachleute derzeit auch mit Spannung darauf, ob die gedämpften Konjunkturaussichten sich negativ auf den Arbeitsmarkt und somit die Einnahmen der Sozialversicherungen auswirken.

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Die verbesserte Mütterrente und die abschlagsfreie Rente ab 63 für langjährig Versicherte sollen zudem noch dieses Jahr mit etwa 4,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen, danach mit neun bis elf Milliarden Euro jährlich. Klarheit über die Finanzentwicklung in der Rentenkasse gibt es mit der offiziellen Schätzung im Herbst.

Die zu Jahresbeginn eigentlich anstehende Beitragssatzsenkung war ausgefallen. Die von der Koalition beschlossene Gesetzesänderung erspart der Rentenkasse, durch die Senkung etwa 6 Milliarden Euro pro Jahr weniger einzunehmen.

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