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Sinnfreie Policen: Auf diese Versicherungen können Sie getrost verzichten

von Bettina Blaß Quelle: Handelsblatt Online

Wer in einem Elektronikmarkt ein neues Handy, einen DVD-Player oder Fernseher kauft, kennt das: Kaum hat der Kunde ein Gerät ausgewählt, soll er dafür eine Versicherung abschließen. Warum solche Policen nichts taugen.

Ein Model posiert bei der Fotomesse Photokina am Stand der Firma Canon mit den neuen Kameras EOS 6 (l.) und Powershot SX50. Quelle: dapd
Die Kamera kostet 600 Euro, die monatliche Versicherungsrate beträgt rund drei Euro - klingt günstig, ist es aber nicht. Quelle: dapd

Eine Canon 600 D mit Objektiv sollte es sein. Preis bei Amazon: 599 Euro, der Versand ist kostenfrei. Direkt unter den Produktmerkmalen und noch vor der Produktbeschreibung hat der Käufer drei verschiedene Zusatzversicherungen für das gute Stück zur Auswahl: Für 119,99 Euro verkauft ihm der Onlinehändler einen Geräteschutz für drei Jahre gegen Diebstahl, Bedienungsfehler, Sturz- und Flüssigkeitsschäden. Knapp 120 Euro, das sind aufs Jahr gerechnet noch 40 Euro, im Monat also 3,33 Euro. Günstig genug um darüber nachzudenken – und kein Einzelfall. Denn wer eine neue Kamera, ein Laptop, ein Handy oder einen Küchenherd im Internet oder in einem großen Elektronikmarkt kauft, bekommt im Regelfall einen solchen Zusatzschutz angeboten.

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Das ist entweder eine Garantieverlängerung für einige Jahre, damit der Händler auch am Ende der gesetzlichen Gewährleistungsfrist noch kostenfrei repariert. Oder es handelt sich um eine Garantieerweiterung, die weit mehr abdeckt als üblich, nämlich beispielsweise wie im Fall der digitalen Spiegelreflexkamera Sturz- und Flüssigkeitsschäden sowie Diebstahl. Brillenkäufer kennen diese Situationen ebenfalls, denn auch ihnen vermittelt der Verkäufer gerne eine Rundum-sorglos-Police für die Sehhilfe.

Kunden rechnen nicht nach

„Auf den ersten Blick scheint sich das zu lohnen, denn wer mehrere hundert Euro für ein Gerät ausgibt, hat sicherlich noch drei bis fünf Euro im Monat für die Police übrig“, sagt Hanno Beck, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Pforzheim. Hinzu kommt: In den Elektronikfachmärkten bekommt der Kunde nicht wie im Internet den Gesamtpreis sondern zunächst tatsächlich den monatlichen Preis genannt. Künstlich kleingerechnet ist der Preis ein Lockmittel: "Da das Handy, der Fernseher oder das Laptop im Vergleich zur Versicherung viel mehr kostet, scheint der Policen-Preis gering", so der Wirtschaftsexperte. Doch rechnet der Käufer einmal selbst, stellt er fest, dass die Versicherung bei einem Preis von drei bis fünf Euro im Monat zwischen 36 und 70 Euro im Jahr kostet – multipliziert für drei Jahre kommt er auf 108 bis 210 Euro. "Allerdings rechnen viele Leute im Laden eben nicht nach", sagt Hanno Beck. "Denn sie haben die Ausgaben für das neue Gerät mental längst verbucht."

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