Sozialpolitik: Wohin mit den Milliarden der Sozialkassen?

Sozialpolitik: Wohin mit den Milliarden der Sozialkassen?

Bild vergrößern

Ressortchefs im Glück. Gesundheitsminister Bahr und Sozialministerin von der Leyen.

von Cornelia Schmergal und Cordula Tutt

Neue Rekordüberschüsse stellen die Renten- und Krankenversicherung vor ungewohnte Probleme: Wie legt man Milliardensummen inflationsgeschützt am Kapitalmarkt an?

Die Wächter des begehrtesten Schatzes der deutschen Sozialpolitik logieren in einem Backstein-Altbau im Berliner Westen. Im dritten Stock der Deutschen Rentenversicherung Bund kümmert sich eine eingeschworene Truppe von Finanzexperten um alle Überschüsse, die sich in der gesetzlichen Kasse anhäufen. Um mit den Beitragsgeldern von 35 Millionen Versicherten zu jonglieren, nutzen die Anlageexperten Konten bei 45 verschiedenen Banken. Und ihr Job wird von Woche zu Woche anspruchsvoller: Inzwischen verwalten sie eine Rücklage von 25,2 Milliarden Euro. In der ganz normalen Finanzwelt würde das schon einen prächtigen Fonds abgeben.

Allerdings ist in der Sozialversicherung alles ein bisschen anders. Vor allem, weil es nicht um Pracht, nicht um Rendite und schon gar nicht um Zockerei geht, wenn die Beamten Renten-Euro am Geldmarkt investieren. Ihre Anlagen müssen unantastbar sein – „mündelsicher“, so will es der Gesetzgeber.

Anzeige

Doch mit der Sicherheit ist das so eine Sache. Derzeit werden die Rücklagen von gleich zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einen sind die Zinsen auf Niedrigstniveau zusammengeschnurrt. Da fällt es schwer, die Überschüsse vor der Inflation zu retten. Zum anderen müsste man die Überschüsse vielleicht auch vor der Politik schützen, die die Milliarden gern wählerwirksam unter das Volk bringen würde. 2013 steht eine Bundestagswahl an. Davor soll wieder verteilt werden.

Potenzial dafür gibt es reichlich, seit die Reserven auf ein neues Rekordniveau geklettert sind, und das nicht nur bei der Rentenkasse. Auch im Gesundheitsfonds und in den Krankenkassenbilanzen addieren sich die Überschüsse auf insgesamt 21,8 Milliarden Euro. Macht zusammen mit den Rentenrücklagen eine stattliche Summe von 47 Milliarden Euro. Die Konjunktur mag sich abkühlen, der Euro auch schwächeln. In Deutschland stehen die Sozialkassen vor einem ganz neuen Luxusproblem: Wohin mit der Kohle? Oder kurz: Investieren oder ausschütten?

An Begehrlichkeiten herrscht kein Mangel. Im Gesundheitswesen rufen die Ärzte nach höheren Honoraren, die Apotheker fordern mehr Geld für die Arzneimittelversorgung, die Hospitäler trachten nach einer neuen Finanzspritze, die Pharmaindustrie hofft, sie könne jetzt endlich die von ihr verhassten Zwangsrabatte kippen, und die Kassen fühlen sich längst vom Zwang befreit, sparsamer zu wirtschaften.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%