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Sparbuch und Tagesgeld: Beliebt, aber nicht ungefährlich

von Kerstin Leitel und Christian Panster Quelle: Handelsblatt Online

Sparbücher, Tages- und Festgeld galten lange als völlig veraltete Finanzprodukte. Doch in der Krise besinnen sich die Anleger wieder auf Altes. Doch die Strategie ist gefährlich. Und viele sind sich dessen nicht bewusst.

Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch. Quelle: gms
Solide, aber wenig ertragreich: das gute alte Sparbuch. Quelle: gms

FrankfurtDie Deutschen sind Sicherheitsfanatiker: Der Arbeitsplatz muss in erster Linie sicher sein, im Auto schnallt man sich klaglos einen Gurt um Bauch und Schulter und im Reisekoffer finden sich jede Menge Tabletten gegen Kopfschmerzen und Durchfall. Da ist es nur konsequent, dass die Deutschen auch beim Geld auf Nummer sicher gehen. Und das tun sie: Seit Jahrzehnten legen die deutschen Bundesbürger immer mehr Geld auf Sparbücher, mittlerweile lagern dort rund 600 Milliarden Euro. Das ist das Dreifache dessen, was die Deutschen in Aktien investiert haben. Noch mehr Geld steckt sogar in Sparschweinen oder liegt auf dem Sparbuch.

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Doch das viele Geld bringt so manchen ins Schwitzen. Schließlich muss man sich heutzutage gut überlegen, wo man sein Geld investiert, damit es nicht weniger wird. Auf dem Sparbuch macht sich schließlich angesichts der niedrigen Zinsen schon die Inflation negativ bemerkbar.

Doch was sind die Alternativen? Aktien waren einmal das Gesprächsthema auf jeder Party, doch nachdem die Blase am Neuen Markt platzte, hat auch das Vertrauen in stetig steigende Aktienmärkte einen tiefen Knacks bekommen. Durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der als einer der Auslöser der Finanzkrise gilt, und durch die Schuldenkrise in Europa hat das Vertrauen der Privatanleger weitere Risse bekommen. Es überrascht daher nicht, dass die Zahl derer, die Aktien kaufen, kaum wächst.

Zwar heißt es immer, an Aktien komme keiner mehr vorbei, doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur rund zwölf Prozent der Deutschen über 14 Jahren sind Aktionäre. Und momentan macht der Dax nicht eben Werbung für sich. Das Aktienbarometer aus Frankfurt hat seit Jahresanfang zwar über neun Prozent zugelegt, doch die heftigen Schwankungen dürften so manchen Kleinanleger vergrault haben.

Sind Anleihen eine Alternative? Auch festverzinsliche Wertpapiere haben ihre Tücken, mussten viele Investoren vermeintlich sicherer Staatsanleihen zuletzt erleben. Und Papiere, die immer noch als fast risikolos gelten, sind mittlerweile extrem teuer. Wer sein Geld in eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit steckt, bekommt aktuell nur noch eine Rendite von 1,24 Prozent. Bei Fonds haben die letzten Jahre ebenfalls Spuren hinterlassen. Jeder dritte Anleger spare weniger als noch vor einem Jahr, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Asset Management Holding kürzlich. „Einmalanlagen werden mit Blick auf die Staatsschuldenkrise derzeit lieber ausgesetzt.“


„Die Menschen suchen verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten“

Die Profiteure der Unsicherheit? Eben die Klassiker, die jede Bank in der Schublade hat: Sparbücher, Tages- und Festgeld. „Die Menschen suchen im Moment verzweifelt nach sicheren Anlagemöglichkeiten“, bemerkt Börsenmakler und Buchautor Dirk Müller. „Da versucht man sich an alten Traditionen zu orientieren und landet bei klassischen Bankprodukten wie dem Sparbuch.“

Doch auch sie haben einen Haken. Hohe Erträge bringen sie nicht. „Wer eine gute Rendite will, sollte in Aktien und Edelmetalle investieren, am besten in physische Edelmetalle“, erklärt Müller. „Ich erwarte aber einen Kurseinbruch an den Märkten, so dass man sich auf jeden Fall dagegen mit entsprechenden Produkten - etwa Optionsscheinen - absichern sollte.“

Das ist allerdings wieder mit Arbeit verbunden, denn dafür muss man sich mit der Materie auskennen. „Wer das nicht will, muss mit den Risiken leben oder eine sehr kleine oder sogar negative Rendite akzeptieren“, schlussfolgert Müller. Richtig sicher sei momentan ohnehin nichts.

Das Problem mit den sicheren, aber niedrig verzinsten Produkten: In vielen Fällen reicht die Rendite nicht aus, um die Inflationsrate auszugleichen. Die Statistikbehörden haben zuletzt für den Euro-Raum eine Inflationsrate von rund zwei Prozent gemessen. Die Zahl allein ist zwar noch nicht sonderlich furchteinflößend; die Deutschen sind - das hat die Geschichte gelehrt - ganz andere Werte gewohnt. Zu Zeiten der Weimarer Republik etwa, zwischen Oktober 1922 und Dezember 1923, betrug die Inflationsrate 50 Prozent - pro Woche, wohlgemerkt.

Trotzdem entfalten auch geringere Werte langfristig eine verheerende Wirkung, weil die Kapitalmarktzinsen derzeit so niedrig sind und den Anstieg der Inflation nicht ausgleichen. Angenommen, die Inflationsraten liegen in den kommenden fünf Jahren nur leicht über den Zielvorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB), also etwa bei 2,5 Prozent, dann führt das, den Zinseszinseffekt berücksichtigt, zu einem Kaufkraftverlust von mehr als zehn Prozent. Die Notenbanker der EZB betonen zwar, dass das schwache Wachstum in der Euro-Zone die Teuerung mittelfristig dämpfen werde. Dennoch: Gerade die Deutschen fürchten sich vor einer Geldentwertung.


Gold ist die Allzweckwaffe


Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Inflationsraten in Zukunft höher sein werden als in den vergangenen Jahren. Ein wesentlicher Grund dafür ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. Während der Finanzkrise hatten die Währungshüter ihre Notenpressen angeworfen und die Leitzinsen radikal gesenkt, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Geld gibt es seither zu Dumpingpreisen. Und das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Mario Draghi, der neue EZB-Chef, hat jüngst betont, dass er den Euro um jeden Preis retten werde, das heißt notfalls auch mit der Notenpresse.

Den Währungshütern bleibt keine andere Wahl. Sie müssen die Märkte mit billigem Geld versorgen, um Staaten und Banken zu stützen und die Konjunktur in Europa nicht zu schwächen.
Experten raten ihren Kunden deshalb, ihr Geld breit zu streuen. Neben einer Barreserve, die allerdings nicht zu groß ausfallen sollte, gehören vor allem Sachwerte ins Portfolio: Immobilien, Aktien, Rohstoffe. Bei Aktien kommt es darauf an, Unternehmen auszuwählen, deren Bilanz solide finanziert ist - also mit einem hohen Eigenkapitalanteil und einer möglichst geringen Verschuldung. Mindestens genauso wichtig ist, dass ein Konzern die Preissteigerung an seine Kunden weitergeben kann, Unternehmen aus der Lebensmittelbranche sowie Energiekonzerne. Ganz oben auf den Empfehlungslisten stehen Anteilsscheine von Nestlé, Coca-Cola oder Statoil, dem norwegischen Ölkonzern.
Wer Aktien kauft, sagt Friedrich von Metzler, Chef des gleichnamigen Bankhauses, investiere sein Geld in Produktivvermögen. "Langfristig betrachtet sind sie eine sehr solide und rentable Anlageform. Wir sollten uns nicht davon abschrecken lassen, dass die Kurse mitunter deutlich schwanken."

Die Allzweckwaffe in Krisenzeiten und gegen steigende Teuerungsraten allerdings ist Gold: Das Edelmetall eignet sich immer als Inflationsschutz. Die weltweite Goldproduktion kann nicht beliebig gesteigert werden. Zudem übersteigt seit einiger Zeit die Goldnachfrage der Zentralbanken aus den Schwellenländern die Verkäufe der Industrienationen. Allzu groß muss der Anteil des Edelmetalls im Depot der Kunden aber nicht sein. Fünf Prozent geben viele Experten als Richtwert an.

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