Sparkasse Köln Bonn: Strafzinsen für reiche Kunden

Sparkasse Köln Bonn: Strafzinsen für reiche Kunden

, aktualisiert 16. März 2017, 17:26 Uhr
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Die Einträge Zins und Bar sind in einem Sparbuch zu sehen. Noch ist es die Ausnahme, dass Banken Negativzinsen für große Einlagen erheben. Doch mit Köln Bonn hat die erste Sparkasse diesen Schritt gewagt.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die zweitgrößte Sparkasse in Deutschland gibt den EZB-Negativzins an Vermögende mit einem liquiden Millionenvermögen weiter. Es ist die erste Sparkasse, von der so ein Schritt bekannt wird. Andere Banken waren Vorreiter.

KölnStrafzinsen für den Sparer – das wollen alle Banken und Sparkassen in Deutschland vermeiden. Die feste Absicht betonen sie immer wieder. Unternehmen und andere große Anleger, etwa Kommunen, müssen aber vielfach schon einen Negativzins für hohe kurzfristige Einlagen berappen.

Vermögende Privatleute müssen sich nun ebenfalls darauf einstellen, dass Geldhäuser ihnen einen Minuszins berechnen. Die Sparkasse Köln-Bonn erhebt einen solchen Minuszins auch von reichen privaten Kunden. Ab einer bestimmten Millionengröße mache die Sparkasse das auch bei privaten Kunden, sagte Christoph Siemons, Privatkundenvorstand der zweitgrößten deutschen Sparkasse, auf Nachfrage.

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Es ist die erste Sparkasse, von der bekannt wird, dass sie Reichen Minuszinsen in Rechnung stellt. Betroffen davon seien aber nur „zwei Handvoll“ Kunden, so Siemons. Bei ihnen gebe es Verständnis für den Schritt. Um welche Summe an liquiden Einlagen es dabei geht, teilte die Sparkasse nicht mit. Es dürfte aber um Beträge von mindestens drei Millionen Euro und mehr gehen. Bei den normalen privaten Kunden strebe die Sparkasse aber nachhaltig an, keine Minuszinsen zu erheben, sagte Siemons. Die Sparkasse führt fast 590.000 Girokonten für Privatleute.

Auch die Hamburger Privatbank Berenberg schließt nicht aus, dass sie unter bestimmten Umständen Vermögenden einen Minuszins in Rechnung stellt. „Wir erheben derzeit keine pauschalen Negativzinsen“, sagte ein Sprecher der Bank. „Wenn jedoch ein Privatkunde Liquidität im zweistelligen Millionenbereich parkt, prüfen wir, ob wir die uns dadurch entstehenden Kosten weitergeben.“

Die größte Sparkasse, die Hamburger Sparkasse, beginnt, mit sehr vermögenden Privatkunden „individuelle Gespräche über alternative Anlagemöglichkeiten zu führen“. „Wir werden aber alles daran setzen, Negativzinsen auf Spareinlagen im breiten Privatkundengeschäft so lange wie möglich zu vermeiden“, teilte eine Sprecherin des Geldhauses mit.

Die Entwicklung ist ein Zeichen dafür, wie sehr der Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) die Banken belastet. Die Notenbank verlangt seit knapp einem Jahr einen Minuszins von 0,4 Prozent, wenn Geschäftsbanken bei ihr über Nacht Geld parken. Das ist teuer: Der EZB-Strafzins hat die deutschen Geldhäuser der Beratung Barkow Consulting zufolge im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro gekostet.

Womöglich ist die Summe aber noch höher. Allein die knapp 400 deutschen Sparkassen taxieren die Kosten 2016 auf 560 Millionen Euro. Die Sparkasse Köln-Bonn bezifferte die Belastung auf 30 bis 40 Millionen Euro. „Vor einigen Jahren haben wir gesagt: ‚Toll, wir haben Einlagen.‘“ Heute seien hohe Einlagen eine Belastung, beschrieb Sparkassenchef Artur Grzesiek die Situation.

Für Unternehmen mit hohen Einlagen sind Strafzinsen daher längst üblich. Nur eines von 25 großen Geldhäusern, die das Handelsblatt kürzlich befragt hat, verneinte Minuszinsen für Firmen klar. Dabei zeigt sich besonders dieses Jahr ein Trend hin zu einer fixen Grenze, ab der der Banken das „Verwahrentgelt“, wie sie es oft nennen, berechnen. Die Stadtsparkasse München etwa, die ab April für Firmeneinlagen über 250.000 Euro einen Strafzins von 0,4 Prozent berechnet, begründet den Schritt mit hohen Belastungen. Zehn Millionen Euro habe der EZB-Strafzins sie 2016 gekostet. Zudem hätten andere Banken begonnen, Verwahrentgelte einzuführen.

Mittlerweile sind mehr als ein Dutzend Kreditinstitute mit einem festen Limit bekannt, das mal bei 250.000 Euro, mal bei 500.000 Euro und auch schon einmal bei ein oder zwei Millionen Euro liegt.


Begrenzung der Managergehälter bei Sparkassen?

Ob auch Minuszinsen für Reiche sind zu einem Trend entwickeln, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon jedenfalls hatte im Dezember gesagt: Sparkassen sollten ihrer Aufgabe „mindestens dadurch nachkommen, dass kleine Vermögen Schutz genießen“. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband darf allerdings keinen Einfluss auf die Preispolitik der Sparkassen ausüben.

Vorreiter sind einige kleine Volks- und Raiffeisenbanken. Sie verlangen auch für hohe Einlagen – ab 100.000 oder 500.000 Euro – von vermögenden Privatkunden einen Negativzins. Etwa die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Wer dort mehr als 100.000 Euro auf dem Tages- oder Girokonto parkt, muss einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Ein Beispiel, dem auch die Volksbank Stendal inzwischen gefolgt ist.

Die Sparkasse Köln-Bonn jedenfalls rechnet damit, dass vorerst – etwa in den kommenden fünf Jahren - niedrige Zinsen auf ihr lasten. Der Leitzins der EZB liegt derzeit bei null Prozent Die Niedrigzinsen würden sich durch die Bilanz und durch die Ergebnisse fressen, sagte Grzesiek. „Das ist eine besondere Herausforderung.“

Das zeigte sich auch schon im vergangenen Jahr: Der Gewinn fiel auf 13 Millionen Euro - das ist nur noch halb so viel wie im Jahr 2015. Vor Steuern und vor Abführung der Zinsen auf eine stille Einlage ihrer Träger, den Städten Köln und Bonn, verdiente die Sparkasse 70 Millionen Euro, auch das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Der Einbruch hat vor allem zwei Gründe: Das wichtige Zinsergebnis sank um fünf Prozent auf knapp 390 Millionen Euro. Und die Sparkasse musste 17 Millionen für einen Vergleich im Streit um einen Baukredit für das Bonner World Conference Center Bonn beiseitelegen. In der Auseinandersetzung war es um eine Bürgschaft der Stadt Bonn für den Kredit gegangen. Grzesiek haderte aber nicht mit den Entwicklungen: „Wir können dem Jahr 2016 trotzdem das Prädikat ‚zufriedenstellend‘ geben“, sagte er.

Grzesiek, der zu den bestbezahlten Sparkassenmanagern gehört, erwartet, dass sich womöglich auch die öffentlich-rechtlichen Institute mit Begrenzung von Managergehältern auseinandersetzen müssen. Die SPD in Berlin schlägt vor, dass bei Aktiengesellschaften die steuerliche Absetzbarkeit der gesamten Vergütung eines Vorstandsmitglieds auf 500.000 Euro begrenzt wird. Zudem sollten Ruhebezüge nur noch bis zur Höhe des Höchstsatzes der gesetzlichen Rentenversicherung als Betriebsausgabe geltend gemacht werden können.

Wenn das komme, „wird nicht lange dauern, bis Diskussion auch in der Sparkassenorganisation ankommt“, sagte der Chef der Sparkasse Köln-Bonn. Auch ihn würde eine mögliche Regelung treffen. Im Jahr 2015 verdiente er 782.000 Euro. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen müssen die Bezahlung der einzelnen Vorstandsmitglieder seit einiger Zeit veröffentlichen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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