Staatlich geförderte Altersvorsorge: Die Riester-Lüge - Seite 5

Staatlich geförderte Altersvorsorge: Die Riester-Lüge

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Das Problem: Der Ausstieg an den Börsen erfolgt oft zu besonders niedrigen Kursen. Wenn sich die Börse danach erholt, profitieren die Fondssparer davon nicht mehr. Genau das passierte im März rund 350.000 meist älteren Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken mit Verträgen bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Um sie vor weiteren Verlusten zu bewahren, verkaufte Union Investment alle Aktien und erwarb stattdessen Anleihen. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Seit März haben sich die Aktienkurse auf breiter Front erholt, allein der Dax ist um 40 Prozent gestiegen. Zwar können neu gezahlte Sparraten nun wieder in Aktien fließen. Das bereits angesparte Guthaben liegt jedoch bis zum Ruhestandsbeginn in Rentenpapieren – relativ sicher, aber auch niedrig verzinst.

Wer genug vom klassischen Riestern per Rentenversicherung oder Sparplan hat, kann entweder kündigen oder den Vertrag ruhen lassen.

Wohn-Riester: attraktive Alternative?

Hauskäufer können sich aber auf elegantere Weise eines unrentablen Riester-Vertrags entledigen. Der Clou: Riester-Sparer dürfen eine Rentenversicherung oder einen Sparplan in ein sogenanntes Wohn-Riester-Modell umwandeln. Bis Ende dieses Jahres müssen dafür jedoch wenigstens 10 000 Euro im Vertrag angespart worden sein. Wer einen Immobilienkauf plant, sollte diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Wie bei jedem Wechsel zwischen Riester-Verträgen fallen je nach Anbieter allerdings Gebühren an.

Der Wohn-Riester wurde 2008 eingeführt. Bauherren und Immobilienkäufer können eine selbst genutzte Immobilie über spezielle Riester-Darlehen oder Bausparpläne finanzieren. Bislang haben insgesamt 34.000 Riester-Kunden einen solchen Vertrag abgeschlossen. Anders als bei den übrigen Riester-Modellen fließen die staatlichen Zulagen und die steuerlich geförderten Eigenbeiträge bei Riester-Immobiliendarlehen nicht in einen Anlagetopf, sondern in die Tilgung des Kredits.

Die Wohn-Riester-Darlehen halten viele Experten für attraktiver als alle anderen Riester-Varianten, darunter auch Bausparpläne, denn jeder Beitrag hilft dem Anleger beim Abzahlen des Kredits und erspart ihm sicher die sonst anfallenden Hypothekenzinsen von derzeit vier bis fünf Prozent. Zum Vergleich: Rentenversicherer auf Riester-Basis bieten ihren Kunden nach Kosten nur einen Garantiezins von rund zwei Prozent. Außerdem ist die Besteuerung der Wohn-Riester-Darlehen vorteilhaft.

Verluste auch bei Wohn-Riester möglich

Alle geförderten Summen, die eigenen Beiträge samt Steuerboni und die staatlichen Zulagen, werden auf einem fiktiven Verrechnungskonto, dem Wohnförderkonto, verbucht und dort bis Ruhestandsbeginn mit zwei Prozent verzinst. Von Rentenbeginn an muss der Anleger diese recht gering aufgezinste Summe versteuern. So spart der Riester-Kunde. Denn die rechnerisch angesetzten zwei Prozent liegen deutlich unter den derzeitigen Hypothekenzinsen von vier bis fünf Prozent. „Wohn-Riester-Darlehen sind wegen der Zulagen und Steuervorteile häufig attraktiver als ein klassischer Baukredit“, sagt der Experte für Baufinanzierungen Torsten Sabitzer aus Zwönitz bei Chemnitz.

Um mit den Riester-Darlehen mitzuhalten, muss ein ungeförderter Kredit einen Zinsvorteil von etwa 0,5 Prozentpunkten bieten, hat Sabitzer für einen Musterfall errechnet. Ein so günstiges ungefördertes Darlehen ist derzeit nicht zu haben, das Wohn-Riester-Darlehen also lohnend. Nur die Auswahl für Letztere ist gering. „Viele Banken und Sparkassen bieten lieber die für Anleger meist ungünstigeren Riester-Bausparverträge an, weil sie damit mehr verdienen können“, sagt Sabitzer.

Das jüngste Kind des Riester-Clans, der Wohn-Riester, ist für Sparer also am ehesten ein geeigneter Ausweg aus der Rentenfalle. Ganz ohne Tücken ist er aber trotzdem nicht: Sinkt der Wert der gekauften Immobilie, sind auch mit Wohn-Riester Verluste möglich. Nur wer in der Immobilie wohnen bleibt, spart sich die sonst fällige Miete. Wegziehen ist sowieso eine schlechte Idee, denn wer die geförderte Immobilie nicht selbst bewohnt oder zumindest bis zum 67. Lebensjahr wieder einzieht, muss unter Umständen alle staatlichen Zuschüsse und Steuervorteile zurückzahlen. Ganz ohne Fußfesseln kommt eben keine staatlich geförderte Altersvorsorge aus.

157 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.01.2012, 15:20 UhrAnonymer Benutzer: Schlaumichel

    Ich finde diese reißerische und falsche Berichterstattung verwerflich. Gründe: vergleichen Sie mal die Rendite Ihrer Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung (und die des Arbeitgebers) nach den selben Maßstäben. Gelbetrag erben wie bei der Riester? Fehlanzeige! Bessere Rendite? Humbuck! Besteuerung? Voll, im Gegensatz zur Riester-Rente (Halbeinkünfteverfahren!)! Und und und ......... Ach ja, in Aktien sparen! Na klasse! Beim ersten Kaufwunsch und guter Entwicklung wird verkauft und das Geld in die Wirtschaft gepumpt. Im Übrigen - für welchen Prozentsatz der Bevölkerung treffen denn die Pauschalurteile aus diesem Bericht überhaupt zu? Wer prüft eigentlich die sachlichen Fehler in diesem Artikel, zum Beispiel, dass der Steuervorteil für Besserverdiener unmittelbar entsteht und ich ihn daher nicht als Rendite im Rentenalter rechnen kann - im Gegenteil, man müsste so rechnen, dass dieses Geld für die Zeit zusätzlich verzinst angelegt wird, denn dafür ist es ja eigentlich da. Wer sagt denn einem heute schlecht verdienenden junge Menschen: "Mach mal lieber keine Riester, Du bekommst im alter eh Grundsicherung!" Unglaublich, was hier für eine Hetze betrieben wird. Natürlich müssen die Produkte weiter verbessert und vor allem die Kosten weiter gesenkt werden. Aber den "Sparstrumpf" oder ähnliches als Alternative zu preisen grenzt an eine volkswirtschaftliche Straftat!

  • 22.07.2011, 14:36 UhrAnonymer Benutzer: Sebastian

    ich bin ebenfalls in den letzten 12 Monaten 4 mal auf die Riester-Rente angesprochen worden, 2x von meinen beiden banken und 2x von Versicherungsvertretern, mit denen ich in der Vergangsheit mal Kontakt hatte. bei keinem der beratungsgespräche kamen die Nachteile der Riester-Rente (siehe z. b. http://www.riester-informationen.de/riester-rente-nachteile.html ) auf den Tisch, bei drei von vier Gesprächen sollte ich nach 15 Minuten den Vertrag unterschreiben, ohne das meine persönliche Vorsorgesituation erfasst worden wäre...

    Da ich bisher noch nicht das Gefühl hatte ehrlich beraten worden zu sein, habe ich erstmal nichts abgeschlossen. Die Frage ist wirklich wo man sich hinwendet, wenn man selbst keine richtige Ahnung hat?

  • 06.11.2010, 00:44 UhrAnonymer Benutzer: Richard aus Scheeßel

    Also macht es nicht so schwer, wenn ihr jung seid, kauft erstklassige Aktien. Hier müsst ihr nur die Gewinne versteuert und nicht den Gesamtbetrag, ihr könnt jederzeit verkaufen, inflation steigert den Wert, langfristige Renditen sind idR besser als bei jeder Versicherung.

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