Staatlich geförderte Altersvorsorge: Die Riester-Lüge

Staatlich geförderte Altersvorsorge: Die Riester-Lüge

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Riestern lohnt sich nicht immer

Riestern lohnt sich für jeden, trommeln Banken, Versicherer und Politiker. Doch in Wahrheit kann die Riester-Rente für Sparer sogar zum Verlustgeschäft werden. Für wen sie sich lohnt – und für wen nicht.

Die junge Beraterin in der Düsseldorfer Filiale der Comdirect Private Finance wird geradezu euphorisch, als sie im Kundengespräch auf die Vorteile der Riester-Rente zu sprechen kommt. Hingen ihre Augen vorher noch am Beratungsprotokoll, strahlt sie den ratsuchenden männlichen Endzwanziger nun an. Vor allem Frauen gingen bei ihr nicht aus der Tür, ohne eine Riester-Rente abgeschlossen zu haben, erzählt sie begeistert. „Aber auch für Männer ist das eigentlich ein Muss“, schiebt sie mit Verkaufsgeschick eilig hinterher.

Mit ihrer Euphorie steht die Direktbankerin nicht alleine da. Für kein anderes Produkt wird an Bankschaltern derzeit so intensiv geworben wie für die Riester-Rente. Versicherer flankieren die Beratungsoffensive mit einem Werbefeldzug, und selbst die Politik lässt kaum eine Gelegenheit aus, die staatlich geförderte private Altersvorsorge anzupreisen.

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Das zeigt Wirkung: Längst hat sich in den Köpfen der deutschen Verbraucher festgesetzt, dass die Riester-Rente sich für jeden rechne. Schön blöd, wer auf staatliche Geschenke in Form von Zulagen und Steuervorteilen verzichtet, meinen viele. Mehr als zwölf Millionen haben deshalb schon seit Einführung im Jahr 2002 einen Riester-Vertrag abgeschlossen – Tendenz immer noch steigend.

Minusgeschäft nicht ausgeschlossen

Doch die pauschale Werbebotschaft, riestern rechne sich für jeden, ist falsch. Denn in vielen Fällen ist die Riester-Rente am Ende ein Minusgeschäft. Das belegen Musterrechnungen, die Klaus Jaeger, Riester-Experte und Professor für Wirtschaftstheorie an der Freien Universität Berlin, exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat.

So muss ein 30-jähriger Riester-Fondssparer mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 52.500 Euro 92 Jahre alt werden, um seine eigenen Beiträge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen. Tatsächlich hat ein derzeit 30-jähriger Mann nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aber eine Lebenserwartung von nur 78 Jahren, Frauen sterben im Durchschnitt mit 83 Jahren. Es sei besonders für Männer „sehr schwierig, so alt zu werden, dass sich die Riester-Rente lohnt“, sagt Jaeger.

Persönliche Lebenssituation ist wichtig

Wer früh stirbt, hat mit Riester häufig sogar draufgezahlt. Dieses Risiko besteht vor allem bei Riester-Rentenversicherungen, wenn keine garantierte Mindestleistungsdauer, also eine im Todesfall vererbbare Rente, oder ein anderer Hinterbliebenenschutz vereinbart worden ist. Erben gehen dann leer aus, selbst wenn nur ein kleiner Teil der über Jahrzehnte eingezahlten Beiträge ausgezahlt worden ist. „Ob Riester Vorteile bietet, hängt von der persönlichen Lebenssituation ab“, sagt der Berliner Finanzmathematiker Axel Kleinlein.

Die Finanzbranche stört das nicht, sie preist Riester als die einzig selig machende Altersvorsorge an. Die hauseigene Riester-Rentenversicherung lohne sich „für jeden“, trommelt beispielsweise der Ostdeutsche Sparkassenverband in einer großangelegten Werbekampagne. Konkrete Beispiele sollen den Kunden verführen: Tommy, fiktive 19 Jahre alt und angehender Kfz-Mechatroniker, bekomme bei Abschluss einer Riester-Rente 10.600 Euro „geschenkt“. Die erdachte Callcenter-Agentin Lena, 29, und ihre fünf Jahre alte Tochter Leonie dürften sich über 11.800 Euro freuen.

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157 Kommentare zu Staatlich geförderte Altersvorsorge: Die Riester-Lüge

  • "...Es gebe nur zwei Gewinner, so blüm Mitte Juli in einem beitrag für „Die Welt“: die Arbeitgeber..."
    Aha, schon wieder das Märchen des "Arbeitsgeberanteils" der, wie sollte es bei blüm auch anders sein, natürlich auch sonst schon selbstverständliche wie Manna vom himmel fällt. Solch einen Stuss macht uns die Politik in D seit Jahrzehnten vor.

  • Fatal zu sagen, dass Wohn-Riester besser ist, als die Riester-Rente... Wenn das Wohnförderkonto nämlich im Rentenalter aufgelöst wird, drückt die Steuerlast, die daraus resultiert. MAN braucht private Altersvorsorge, und Riester ist hierfür eine guter baustein, da gerade der WiCHTiGE HartziV-Schutz bei diesem Produkt greift. Zu einem einem guten Konzept für die Altersvorsorge gehört die gesunde Mischung aus verschiedenen Schichten (Private AV, bAV, gRV). FAZiT zur Wohn-Riester-Empfehlung: STEiNE KANN MAN iM ALTER NiCHT ESSEN!!!!!

  • Die Riester-Lüge

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