Streit bei Auszahlung: Wem gehören die Kursgewinne der Lebensversicherer?

Streit bei Auszahlung: Wem gehören die Kursgewinne der Lebensversicherer?

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Die Allianz ermittelt ihre Bewertungsreserven zweimal pro Monat.

Lebensversicherer sollen Bewertungsreserven bei fälligen Policen unberücksichtigt lassen. Eine fiktive Rechnung zeigt, wie der vernachlässigte Kursgewinn diejenigen belastet, die das Kollektiv verlassen. Ein Gastbeitrag.

Deutschlands Lebensversicherer investieren die Anlagemittel ihrer Kunden zu großen Teilen in festverzinsliche Kuponanleihen. Deren Börsenpreise weisen in der Niedrigzinsphase ansehnliche Kursgewinne auf, die aber bis zum Tilgungstermin einer jeden Anleihe wieder verschwunden sein werden. Gleichwohl sind die Versicherer verpflichtet, Kunden fälliger Policen eine Beteiligung an den Kursgewinnen zu gewähren, den sogenannten Bewertungsreserven. Diese Beteiligung will die Bundesregierung jetzt kappen, um den unter der Niedrigzinsphase ächzenden Versicherern unter die Arme zu greifen.

Ob das gerecht ist, erkennt man am besten an einem ganz simplen, fiktiv gewählten Kollektiv:
Die Versicherung wird Anfang 1994 begründet. Das Versichertenkollektiv besteht aus nur zwei Personen, den Brüdern Anton und Bernhard, die nichts anderes leisten als einen Einmalbeitrag von je 50.000 Euro (der Einfachheit halber bleibt die Umstellung von D-Mark auf Euro außen vor), die ausschließlich in die dreißigjährige 6,25-prozentige Bundesanleihe 1994/2024 investiert werden. Kosten und Steuern gibt es nicht, Sterben ist der Einfachheit halber verboten, desgleichen Zinseszins. Die jährlichen Kuponeinnahmen wandern schlicht in einen Zinspott, den Anton verwahrt. Im Januar 2024 soll großer Zahltag sein (aus angesammelten Kuponzinsen plus der Anleihetilgung).

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Dieses Arrangement wird 20 Jahre so fortgeführt, doch nun kündigt Bernhard den Vertrag und begehrt Auszahlung. Über deren Betrag entbrennt allerdings Streit, weil Bernhard von den Kursgewinnen der Anleihe gehört hat (Börsenkurs: 145 Prozent vom Nennwert), an denen er im Zuge seiner Kündigung natürlich gerne partizipieren möchte.

Anton hingegen schert sich nicht um den flüchtigen Börsenkurs und erinnert an die kollektive Anlagestrategie: „Wir haben langfristig zu 6,25 Prozent investiert. Also kriegst Du jetzt neben Deinem Einsatz die Hälfte der Zinseinnahmen, sprich 50.000 Euro plus einen Betrag in Höhe des halben Zinspotts. In dem sind 20 mal 6,25 Prozent = 125.000 Euro drin, also zahle ich Dir 50.000 plus 62.500 = 112.500 Euro.“

Bernhard will dieses Zahlenfeuerwerk mit Hinweis auf den beträchtlichen Kursgewinn unterbrechen, doch Anton fährt unbeirrt fort: „Mit den 112.500 Euro hast Du auf Deine Einzahlung von 50.000 Euro einen Zuwachs von 62.500 Euro erreicht, das sind seit 1994 pro Jahr 3125 Euro, also exakt die 6,25 Prozent, die unser Papier laufend abwirft; der laufende Ertrag wird ja durch den Börsenkurs weder kleiner noch größer, nicht jetzt und nicht in zehn Jahren.“

Das leuchtet auch Bernhard einstweilen ein, der kleinlaut das Geld nimmt und geht.

Allein überschlägt Anton am Abend seine Position als einzig Verbliebener der „Versicherung“: „Im Pott sind nach Bernhards Auszahlung jetzt nur noch 12.500 Euro übrig, aber in den kommenden zehn Jahren werden 62.500 Euro an Zinsen hinzukommen und schließlich die Anleihetilgung in Höhe von 100.000 Euro, also werde ich insgesamt dann auf 175.000 Euro kommen; das sind rund fünfzig Prozent mehr als Bernhard heute bekommen hat, aber dafür werde ich ja auch eine um fünfzig Prozent längere Zeit investiert gewesen sein als er.“ Damit schläft er ruhigen Gewissens ein.

Bis er von Bernhard geweckt wird, der dieselbe Rechnung aufgemacht hat, aber zu einer abweichenden Schlussfolgerung gelangt: „Du hast mich betrogen. Du wirst in zehn Jahren 175.000 Euro für Dich alleine bekommen. Wäre ich nicht ausgestiegen, hättest Du die Hälfte des Gesamtertrages erhalten. Der Gesamtertrag wären 30 Kupons mal 6,25 Prozent plus die Tilgung gewesen, also 287.500 Euro, davon die Hälfte wären also nur 143.750 Euro. Du profitierst also von meiner Kündigung mit über 30.000 Euro, das ist doch ein unfairer Stornogewinn.“

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