Stresstest für Versicherungen: Jede vierte Versicherung in Europa ist verwundbar

Stresstest für Versicherungen: Jede vierte Versicherung in Europa ist verwundbar

von Andreas Toller

Den europäischen Versicherern machen die niedrigen Zinsen zu schaffen. Im Stresstest der EU fallen 35 von ihnen durch. Besonders schwer haben es Lebensversicherer in Deutschland und Österreich.

Nach dem Stresstest für Europas Banken hatten tatsächlich nur wenige Banken Stress. Die Europäische Aufsicht, erstmals für den Bankenstresstest als oberste Aufsicht zuständig. bescheinigte fast allen durchleuchteten Geldinstituten eine Kapitalausstattung, die auch schlimme Krisen an den Finanzmärkten standhalten würde. Kein Stress also, eher allgemeine Beruhigung für Sparer. Viele Politiker und Beobachter werteten die Testergebnisse als erfreulich und positiv.

Der Stresstest überprüft anhand von Szenarien, ob Versicherer etwa einem Absturz an den Anleihe- und Aktienmärkten standhalten. Auch anhaltende Niedrigzinsen sowie spezielle Schocks wie Katastrophen und zu geringe finanzielle Reserven wurden simuliert.

Anzeige

Die leistungsstärksten Lebensversicherungen

  • Debeka

    Lebensversicherer: Debeka
    Realistischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ²: 3,7
    Zum Vergleich - Historischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ³: 5,0
    Abschlusskostenquote¹ ⁴: 3,3
    Verwaltungskostenquote¹ ⁵: 1,3
    Ausschüttungsquote¹ ⁶: 87,7
    Leistungsfähigkeit für den Kunden¹ ⁷: + 123,7
    Sterne⁸: 5

    ¹ in Prozent, gerundet; ² prognostizierte Rendite auf die Kapitalanlagen des Versicherers, unter realistischen Annahmen nach einem mathematischen Modell, Versicherte erhalten wegen der berechneten Kosten weniger; ³ bisherige Verzinsung der Kapitalanlagen des Versicherers, nach dem strengen Niederstwertprinzip (stille Lasten werden berücksichtigt, stille Reserven nicht), nur zum Vergleich, fließt nicht ins Rating ein, Mittelwert 2006 bis 2012; ⁴ Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neuen Verträge, Mittelwert 2010 bis 2012; ⁵ jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Bruttobeiträge), Mittelwert 2010 bis 2012; ⁶ Anteil der Gesamtüberschüsse, den der Versicherer an Kunden ausschüttet, Mittelwert 2006 bis 2012; ⁷ Leistungsfähigkeit im Vergleich zum Benchmark-Versicherer (Durchschnittswert aus 25 besonders wachstumsstarken Versicherern), je höher der Wert, desto leistungsfähiger ist der Versicherer; ⁸ Ranking der Leistungsfähigkeit, von stark überdurchschnittlich (*****) bis stark unterdurchschnittlich (*).

  • Huk-Coburg

    Lebensversicherer: Huk-Coburg
    Realistischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ²: 3,5
    Zum Vergleich - Historischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ³: 4,3
    Abschlusskostenquote¹ ⁴: 3,0
    Verwaltungskostenquote¹ ⁵: 1,6
    Ausschüttungsquote¹ ⁶: 93,1
    Leistungsfähigkeit für den Kunden¹ ⁷: + 119,4
    Sterne⁸: 5

  • LVM

    Lebensversicherer: LVM
    Realistischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ²: 3,6
    Zum Vergleich - Historischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ³: 4,3
    Abschlusskostenquote1,4: 3,1
    Verwaltungskostenquote¹ ⁵: 1,9
    Ausschüttungsquote¹ ⁶: 90,8
    Leistungsfähigkeit für den Kunden¹ ⁷: + 117,2
    Sterne⁸: 5

  • Hannoversche

    Lebensversicherer: Hannoversche
    Realistischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ²: 3,6
    Zum Vergleich - Historischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ³: 4,3
    Abschlusskostenquote¹ ⁴: 3,6
    Verwaltungskostenquote¹ ⁵: 1,2
    Ausschüttungsquote¹ ⁶: 92,5
    Leistungsfähigkeit für den Kunden¹ ⁷: + 113,3
    Sterne⁸: 5

  • Europa

    Lebensversicherer: Europa
    Realistischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ²: 3,6
    Zum Vergleich - Historischer Zins auf Kapitalanlagen¹ ³: 4,5
    Abschlusskostenquote¹ ⁴: 3,7
    Verwaltungskostenquote¹ ⁵: 0,8
    Ausschüttungsquote¹ ⁶: 91,6
    Leistungsfähigkeit für den Kunden¹ ⁷: + 108,2
    Sterne⁸: 5

    Die kompletten Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

Dagegen wirken die Ergebnisse des Stresstests für Europas Versicherer schockierend. Das Ergebnis: Gerade bei der privaten Altersvorsorge durch Versicherungen bietet sich ein bestürzendes Bild. Die lebenslangen Zinsgarantien für Lebensversicherungen sind für die Versicherungsbranche auf Dauer ein Überlebensrisiko.

Im Krisenernstfall und auf langfristige Sicht könnten die Fundamente von jedem vierten Versicherer in Europa wackeln. Kommen mehrere Krisenfaktoren zusammen, könnte sich diese Zahl sogar noch verdoppeln – ein Horrorszenario für Sparer und Steuerzahler, die befürchten müssen, erneut die Rettung der Finanzdienstleister zu bezahlen.

Deutschland und Österreich besonders gefährdet

Laut Stresstest lauern die Gefahren vor allem in Ländern, in denen die Zusagen an die Kunden weit länger in die Zukunft reichen als die Laufzeit der Kapitalanlagen. Besonders in Deutschland und Österreich sind Lebensversicherungen nach Erkenntnissen ihrer europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA verwundbar.

Die deutschen Lebensversicherer etwa haben damit zu kämpfen, dass die den Kunden in den Neunzigerjahren Zinsen von bis zu vier Prozent auf ihre Policen versprochen haben, die sich derzeit aber mit sicheren Staats- und Unternehmensanleihen nicht erwirtschaften lassen. In vielen anderen Ländern gibt es solche lebenslangen Zusagen nicht.

Nach der Reform Deutsche Lebensversicherer unter Druck

Die Reform der Lebensversicherungen setzt deutsche Versicherer zunehmend unter Druck. Das stellt eine Studie der Ratingagentur Moody's heraus. Auch die Senkung des Garantiezins habe Folgen.

Deutsche Lebensversicherer haben es seit der Versicherungsreform nicht leicht. Quelle: dpa

In Deutschland, Österreich, Schweden und Malta sitzen daher die meisten Versicherer, denen bei dauerhaft niedrigen Zinsen die Luft ausgehen könnte, sagte der Chef der EU-Versicherungsaufsicht EIOPA, Gabriel Bernardino bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt.

Europaweit könnte knapp ein Viertel der 250 untersuchten Unternehmen dann ihre Kapitalanforderungen nach den neuen EU-Vorschriften "Solvency II" nicht mehr erfüllen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen derzeit nahe Null, ein Ende der lockeren Geldpolitik ist nicht abzusehen.

Ganz akut besteht die Gefahr einer zu geringen Kapitaldecke zunächst nur für jeden siebten Versicherer in Europa. Die betroffenen Unternehmen müssen nun ihre Eigenkapitalbasis stärken und binnen eines Jahres Gegenmaßnahmen ergreifen, bevor Solvency-II in Kraft tritt.

Viele weitere Versicherer haben mehr Zeit, um zu reagieren. "Eine Fortdauer der gegenwärtigen Niedrigzins-Bedingungen könnte bei einigen Versicherern dazu führen, dass sie in acht bis elf Jahren Schwierigkeiten bekämen, die Versprechungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen", erklärte die EIOPA. In einem Stress-Szenario steigt dieser Anteil auf 20 bis 24 Prozent.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%