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Tagesgeld / Festgeld: Fallstricke bei hohen Zinsangeboten

von Niklas Hoyer

Die Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld fallen. Einige Banken bieten aber noch attraktive Konditionen. Welche Risiken drohen, wo Geld sicher und gut angelegt ist.

Lloyd-Sitz in Edinburgh Die Tochter Bank of Scotland geht in Deutschland auf Kundenfang Quelle: rtr
Lloyd-Sitz in Edinburgh Die Tochter Bank of Scotland geht in Deutschland auf Kundenfang Quelle: rtr

Klaus Bierle aus Frankfurt staunte nicht schlecht, als er in einer Vergleichstabelle für Tagesgeld-Zinsen über ein Angebot der Bank of Scotland stolperte. 4,5 Prozent versprachen ihm die Schotten. Bierle war skeptisch: „Ich ging davon aus, dass dies ein Ableger der Royal Bank of Scotland ist.“ Die war zuletzt in Schieflage geraten und musste mit britischen Staatsgeldern gestützt werden.

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Mittlerweile weiß Bierle, dass die Bank of Scotland zur britischen Lloyds-Gruppe gehört und mit der Royal Bank of Scotland rein gar nichts zu tun hat. Mit ihrem schottischen Ableger geht die Lloyds-Gruppe aber tatsächlich in Deutschland auf Kundensuche.

Eine Kundenbetreuerin erklärte Bierle am Telefon die Hintergründe – auch, dass die Bank nur Mitglied im britischen Einlagensicherungssystem sei. Bis zu 50.000 Pfund, rund 53.000 Euro, sind im Fall von finanziellen Problemen abgesichert. Bierle ließ sich überzeugen und eröffnete im Internet ein Tagesgeld-Konto.

Solide Geldanlagen stehen in Zeiten der Finanzkrise hoch in der Sparergunst. Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte die Sparquote in Deutschland 2009 auf 11,5 Prozent steigen, so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Allein im Oktober 2008, kurz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, flossen 37,5 Milliarden Euro private Anlagegelder auf Girokonten und in täglich verfügbares Tages- und längerfristig angelegtes Festgeld, 22-mal so viel wie im Oktober-Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Um geschätzt 60 Milliarden werden deutsche Sparer ihre Einlagen 2009 aufstocken, auf insgesamt 1760 Milliarden Euro.

Zinsen über drei Prozent nur noch selten

Doch da der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), zu dem sich Banken Geld beschaffen können, in den vergangenen Monaten auf 1,5 Prozent gefallen ist, haben die Banken ihre Zinsangebote ebenfalls gestutzt. Besserung ist nicht in Sicht, die EZB hat weitere Zinssenkungen angedeutet. Viele Sparer sehen sich nun nach den letzten guten Angeboten um, laufen dabei aber Gefahr, Fallstricke zu übersehen.

Banken mit hoher Sicherheit bieten nur noch selten Zinsen von mehr als drei Prozent. Die Deutsche Bank preist ihr 18-Monats-Festgeld mit einem Jahreszins von 2,6 Prozent als „wirklich attraktives Zinsangebot“. Bei der Postbank kassieren Kunden für 2500 Euro nach einem Jahr 1,6 Prozent. Nur wer frisches Geld auf fünf Jahre fest anlegt, bekommt bis zum 31. März 4,2 Prozent pro Jahr. Direktbanken bieten nicht mehr: Immerhin noch vier Prozent auf Tagesgeld gibt es bei der ING-Diba, aber nur für Neuanlagen und nur bis Ende April. Danach sinkt der Zins nach derzeitigem Stand auf 2,25 Prozent.

Andere Banken locken mit Zinsturbo

Attraktive Angebote ohne Haken
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Um den Zinsturbo zu zünden, müssen Sparer auf andere Banken ausweichen. Einzelne locken nämlich immer noch mit vier Prozent und mehr. Oft sind deren Namen aber nur wenigen bekannt. Das Lockangebot von Cortal Consors ist da die Ausnahme: Der Direktbroker zahlt Neukunden sechs Prozent auf Tagesgeld – aber nur bei gleichzeitigem Depotübertrag und zeitlich begrenzt. Immerhin ist das Geld über die deutsche Einlagensicherung geschützt, auch die deutsche Staatsgarantie für Sparguthaben greift.

Dieses Sicherheitsnetz gibt es bei einigen anderen Hochzins-Banken nicht. Sie bieten bis zu 4,8 Prozent auf Tagesgeld — ein Zinssatz, der aber kurzfristig geändert werden kann. Auf Zwölf-Monats-Festgeld gibt es bei NIBC Direct und Amsterdam Trade Bank noch knapp über fünf Prozent. Kunden von NIBC Direct, Amsterdam Trade Bank und Credit Europe Bank sind im Krisenfall aber nur über das niederländische Sicherungssystem geschützt. Dort wurde das abgesicherte Sparguthaben vor dem Hintergrund der Finanzkrise angehoben, von 20.000 auf 100.000 Euro, die nun pro Person und Bank geschützt sind. Bis Kunden ihr Geld bekommen, kann es im Fall der Fälle jedoch bis zu zwölf Monate dauern.

Auf Seite 2: Warum Anleger bei hohen Zinsangeboten besser zweimal hinschauen sollten

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.10.2009, 13:42 UhrAnonymer Benutzer: Wolfgang

    Jetzt auch noch der angekündigte Link: http://www.der-tagesgeld-vergleich.de/

  • 08.10.2009, 13:18 UhrAnonymer Benutzer: Wolfgang

    Also ich finde ja an sich, dass Tagesgeld eine gute Sache ist, aber der Dschungel an Anbietern und Spezialregelungen ist doch inzwischen etwas unübersichtlich. Folgende Seite finde ich eigentlich ganz hilfreich, um ein bisschen den Überblick zu behalten:

  • 01.04.2009, 11:50 UhrAnonymer Benutzer: Niklas Hoyer

    @fruehrentner: Könnten Sie diese Kritik bitte etwas handfester machen? Worauf genau bezieht sie sich?

    Anbei noch eine kleine, völlig subjektive und nicht-repräsentative Zitat-Auswahl aus vergangenen WirtschaftsWoche-Ausgaben in anti-chronologischer Reihenfolge:

    - WiWo 21.5.07: Die Hausse scheint unermüdlich weiterzugehen.Dabei braut sich auf beiden Seiten des Pazifiks genügend Unheil zusammen, um sie abrupt zu stoppen.
    - WiWo 10.9.07: Die Gefahr, dass die USA in eine Rezession abrutschen, wächst.
    - WiWo 8.10.07: Dass sich die Weltwirtschaft von einem Wachstumseinbruch in den USA abkoppelt, könnte ein frommer Wunsch bleiben.
    - WiWo 15.10.07: Das wirtschaftliche Umfeld spricht für Gold: Die Europäische Zentralbank EZb musste milliardenschwere Liquiditätsspritzen leisten, um das Finanzsystem nach der US-Hypothekenkrise in Schwung zu halten.
    - WiWo 18.2.08: Der besitz von physischem Gold ist eine Versicherung gegen Geldentwertung und fallende Vermögenspreise zugleich. Als Notfallreserve gehört Gold in jedes Depot.

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