Tagesgeld: Kaupthing-Pleite macht Sparer nervös

Tagesgeld: Kaupthing-Pleite macht Sparer nervös

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Kaupthing: Notfalls kommt frisches Geld von der Zentralbank

Die Kaupthing-Pleite hat Sparer, die auf Tagesgeld setzen, nervös gemacht. Wie sicher Einlagen bei Töchtern ausländischer Banken sind.

So manchem Sparer blieb bei dieser Nachricht fast das Herz stehen: „Niederlande stützen ING-Bank mit zehn Milliarden Euro“, meldeten vorvergangene Woche die Agenturen. Die ING ist Mutterkonzern der ING-Diba, bei der 6,2 Millionen Deutsche 60 Milliarden Euro als Tagesgeld und Festgeld liegen haben. Hellhörig gemacht hat die Sparer das Hickhack um die isländische Bank Kaupthing: Die lockte mit 5,65 Prozent Zinsen rund 31.000 Deutsche an – und ist jetzt insolvent; alle Konten sind seit Anfang Oktober eingefroren. Zwar erklärte sich die isländische Einlagensicherung am Donnerstag formal bereit, die Sparer zu entschädigen. Doch das dürfte schwierig werden, Island ist so gut wie pleite.

Jetzt ist die Verunsicherung groß unter Deutschlands Tages- und Festgeldsparern. Viele ausländische Banken, darunter auch solche, die in der Finanzkrise Schlagzeilen machten, haben deutsche Online-Töchter: Diba gehört zur ING, die DAB zum Unicredit-Konzern, CortalConsors ist eine Niederlassung der französischen BNP Paribas. Auch die spanische Santander, die schwedische SEB, die indische ICICI und die lettische Parex werben in Deutschland um Sparer-Geld. Häufig locken gerade sie mit besonders lukrativen Zinsen.

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Nach dem Kaupthing-Desaster liegt für so manchen Anleger nun der Kurzschluss nahe: Gestern (zu) freigiebig – heute in der Bredouille. So verzeichnen die Sparkassen Rückflüsse von Kundengeldern, die sie an Direktbanken verloren hatten. Auch der Staat profitiert: Allein in der Tagesanleihe des Bundes haben Sparer in wenigen Wochen schon 1,6 Milliarden Euro gebunkert – trotz deutlich niedrigerer Zinsen als bei Diba & Co. „Viele Festgeld- und Tagesgeld-Sparer sind in den vergangenen Monaten zu Banken gewechselt, die sehr hohe Zinsen bieten“, sagt Niels Nauhauser, Zinsexperte der Verbraucherzentrale Stuttgart, „die sind zurzeit extrem verunsichert.“

Geld bei den meisten Online-Banken ebenso sicher

Er kann sie jedoch fast alle beruhigen: Das Geld der Sparer sei bei den meisten Online-Töchtern ausländischer Banken nicht weniger sicher als bei einer deutschen Bank; auch dann nicht, wenn die Mutterbank insolvent würde. Allerdings gibt es einige feine Unterschiede, die Tages- und Festgeldsparer kennen sollten. Grundsätzlich gilt: Wer sein Geld einer Bank anvertraut, muss sich darauf verlassen, dass die vernünftig damit umgeht. Für die – zum Glück nach wie vor seltenen – Fälle, dass eine Bank das Geld verspielt, gibt es eine ganze Kaskade von gesetzlichen und privatrechtlich organisierten Sicherungssystemen, die Sparer entschädigen.

So weit die Theorie. Der Fall Kaupthing zeigt aber, dass in der Praxis der Teufel im Detail steckt. Strenge gesetzliche Richtlinien wie für Versicherungen, die genau vorschreiben, wie das Geld der Sparer angelegt werden darf, gibt es für Banken nicht. Darüber bestimmt der Anlagevorstand. Der ist bei einer eigenständigen deutschen Tochter wie Comdirect, DAB oder Diba nicht an Weisungen der Konzernzentrale gebunden, er investiert eigenständig.

Dabei muss der Anlagevorstand drei teils konkurrierende Ziele beachten: Die Bank muss einen Teil flüssig halten (Liquidität), falls viele Kunden ihre Einlagen wiederhaben wollen. Zweitens muss er das Geld sicher anlegen (Bonität), damit das Geld der Kunden seinen Wert behält, und drittens muss es eine gewisse Rendite erwirtschaften, sonst kann die Bank nicht den „marktüblichen Zins bezahlen, und sie bekommt keine Kunden“, wie der Vorstand einer Internet-Bank sagt.

Um ihren Kunden Zinsen auf deren Tagesgeldeinlagen bezahlen zu können, müssen die Banken deren Gelder länger als nur über Nacht anlegen. Zum Teil tun sie das, indem sie es als Kredit weiterverleihen. Der Rest wird in Anleihen und Termingelder mit unterschiedlichen Laufzeiten investiert. Beispiel Diba: Die rund 60 Milliarden Euro Tagesgeld von deutschen Diba-Kunden liegen nicht etwa in Holland bei der Mutter ING. Diba-Anlagevorstand Martin Krebs hat „mehr als die Hälfte davon im eigenen Haus als Darlehen an andere Diba-Kunden weitergegeben“, sagt er. Das sind vor allem Hypothekenkredite an Hausbauer – die Diba ist auch einer der großen Baufinanzierer für Privatleute in Deutschland. Weitere 30 Milliarden Euro stecken zu 95 Prozent in Anleihen, ausschließlich in Euro denominiert, meist europäische Staatsanleihen und Pfandbriefe.

„Alle diese Papiere sind Repo-fähig“, sagt Krebs. Das bedeutet: Selbst wenn mehr Kunden ihr Geld abheben wollten, als die Diba flüssig hat, kann sie sich jederzeit kurzfristig bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld besorgen, indem sie diese Wertpapiere dort hinterlegt; für eine Woche und notfalls sogar über Nacht. Die Gefahr, dass irgendein Kunde nicht an sein Tagesgeld kommt, besteht also nicht.

Was aber, wenn der Anlagevorstand der Tochter zwar verantwortungsbewusst investiert hat, jedoch die eigene Mutter in Schieflage gerät? Kann sie dann die Einlagen deutscher Sparer einfach absaugen, um Löcher in der eigenen Bilanz zu stopfen? Bei Kaupthing floss das Geld der Sparer nach Island, auch bei Lehman London ging kurz vor der Pleite Geld in die USA zur Mutter.

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