Tool der Woche: Welche Rentenversicherungen was zu bieten haben

Tool der Woche: Welche Rentenversicherungen was zu bieten haben

, aktualisiert 09. Juni 2017, 17:47 Uhr
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Ältere Menschen spazieren durch den Garten des Schlosses in Heidelberg: Vielen Deutschen wird bewusst, dass sie fürs Alter Kapital zur Seite legen müssen.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Rund die Hälfte der Deutschen sorgt fürs Alter privat vor. Rentenversicherungen, die in Fonds investieren, werden ihnen dafür immer mehr angeboten. Doch die Kosten können ganz schön reinhauen, wie ein Vergleich zeigt.

FrankfurtAns Alt werden denken die Menschen gemeinhin nicht so gern. Doch die meisten machen es, wie Umfragen ergeben: Sie sorgen sich zunehmend auch über ihre Finanzlage im Alter. Die Menschen haben verstanden, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreichen wird, wenn es immer mehr Ältere in unserer Gesellschaft gibt. Erstmals fürchtet eine Mehrheit von 61 Prozent von 1680 befragten Berufstätigen in Deutschland, im Alter finanziell nicht zurechtzukommen, wie eine Umfrage des französischen Versicherers Axa kürzlich ergab Im Jahr 2016 äußerten sich lediglich 44 Prozent so. „Den Menschen ist das Problembewusstsein für das Thema finanzielle Sicherheit im Alter durch die aktuelle breite öffentliche Debatte vor den anstehenden Wahlen im Land sowie angesichts der Niedrigzinsphase stärker in ihr Bewusstsein gelangt“, erläuterte Patrick Dahmen, Vorstand bei der Axa, das Ergebnis der Umfrage. Frühere Generationen hätten sich schlicht auf die gesetzliche Rente verlassen. Das sei heute nicht mehr so.

Allerdings sorgt im Durchschnitt rund jeder Zweite privat fürs Alter vor, wie eine andere Umfrage der Direktbank Comdirect ergibt. Dabei gilt: Je älter, desto wichtiger wird Absicherung fürs Alter. Während sich in der jüngeren Generation zwischen 18 und 29 Jahren demnach erst 43 Prozent um ihre Altersvorsorge kümmern, nimmt der Anteil bei den 40- bis 49-Jährigendeutlich auf fast zwei Drittel zu.

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Beliebter werden als Vorsorgeform Rentenversicherungen, die das Sparkapital in Investmentfonds investieren. In Zeiten rekordtiefer Zinsen bieten diese Fonds-Policen je nach Aktiengewicht größere Renditechancen am Kapitalmarkt, als das etwa bei klassischen Versicherungen der Fall ist. So bieten Versicherungen diese Fonds-Policen gern als Alternative zur klassischen Rentenversicherung an. Jene setzt stark auf die derzeit schwach verzinsten Anleihen. Fondsgebundene Rentenversicherungen gehören daher zu den wenigen Sparten unter den Lebens- und Rentenversicherungen, deren Bestand an Verträgen zugenommen hat. Der deutsche Versicherungsverband GDV zählte Ende vergangenen Jahres knapp elf Millionen fondsgebundene Rentenversicherungen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von knapp drei Prozent.

Doch wer einen solchen, meist Jahrzehnte laufenden Vertrag unterschreibt, sollte genau prüfen, auf was er sich einlässt. Die Policen unterschieden sich zum Beispiel in der Qualität und Breite der Fondsauswahl. Aber auch ihre Kosten weichen mitunter beträchtlich voneinander ab. Daher sollten Interessierte unbedingt Produkte vergleichen. Welche Rentenversicherungen was bieten, zeigt der Handelsblatt-Rentenversicherungs-Rechner.
Fondsgebundene Rentenversicherungen gehören grundsätzlich nicht zu den preiswerten Policen. Verbraucherschützer monieren dies regelmäßig. Kosten fallen an verschiedenen Stellen an: Beim Vertragsabschluss werden oft hohe Abschlusskosten fällig, die man in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit mit seinen Beiträgen abbezahlt. Erst dann beginnt man tatsächlich zu sparen. Außerdem liegen die jährlichen Kosten in der Regel höher als bei klassischen Rentenversicherungen. Denn der Versicherte zahlt neben den Kosten für die Versicherungsleistung, genannt Versicherungsmantel, auch Gebühren für das Management der eingesetzten Fonds. Auch weil Anbieter unterschiedliche Fonds einsetzen, variieren die Kosten stark.

Eine Übersicht des Analysehauses Morgen&Morgen zeigt an konkreten Versicherungstarifen, wie Kosten auf die sogenannte Ablaufleistung – also das zu erwartende Endkapital nach der Ansparphase – drücken. In der Übersicht geht Morgen&Morgen von einem Versicherten aus, der 30 Jahre lang jeden Monat 100 Euro in eine Fonds-Police einzahlt. Es gibt zwei Varianten: Policen mit Beitragsgarantie zahlen dem Versicherten zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge wieder aus und nennen eine garantierte Rente. Einen Teil des Kapitals müssen Versicherer dafür relativ sicher anlegen, was die Renditechancen schmälert. Darüber hinaus gibt es die Chance auf höhere Renditen je nach Erfolg der Fonds, in die das restliche Kapital fließt. Daher nennt Morgen&Morgen zudem ein mögliches Endkapital (Ablaufleistung) und eine mögliche Rente, die je nach Renditen im Zeitverlauf steigen kann.

Bei Policen ohne Beitragsgarantie kann das gesamte Sparkapital chancenreicher angelegt werden. Der Versicherte kann aber nicht mit einer garantierten Rente rechnen. Morgen&Morgen nennt hier einen Rentenfaktor, der angibt, welche monatliche Rente pro 10.000 Euro Sparkapital zu erwarten ist. Außerdem stehen auch hier ein mögliches Endkapital und mögliche Monatsrenten. Die genannten Fonds sind Beispiele aus dem Angebot der jeweiligen Versicherer. Meist können Versicherte mehrere Fonds auswählen.

Interessant ist der Blick auf die Kosten: Bei der Fonds-Police mit Beitragsgarantie schmälert der günstigste Anbieter Zurich Deutscher Herold die angenommene Brutto-Rendite der Versicherung von sechs Prozent im Jahr um 0,83 Prozentpunkte. Fast dreimal stärker verringert aber der in der Tabelle teuerste Anbieter LV 1871 die Rendite: um satte 2,22 Prozentpunkte. Und bei den Policen ohne Beitragsgarantie belastet der teuerste Anbieter der Tabelle, Hannoversche Leben, die angenommene Bruttorendite von sechs Prozent mit 1,52 Prozentunkten doppelt so stark wie der günstigste Anbieter Zurich Deutsche Herold. In Euro macht das in diesem Beispiel bei beiden Policen-Typen immerhin einen Unterschied beim Endkapital von rund 11.000 Euro aus. Die monatlichen Renten werden dadurch zwischen 25 und 34 Euro geschmälert. Die Kosten unterscheiden sich also beträchtlich zwischen den Anbietern. Jeder Interessierte sollte besonders darauf achten, bevor er unterschreibt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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