
Top 1: Europa Versicherung – Schlanke Struktur, hoher Zins
Wer auf der Suche nach einer hohen Rendite bei seiner Lebensversicherung ist, stößt an der Spitze auf einen recht unbekannten Anbieter. Mit einer erwarteten jährlichen Beitragsrendite von fünf Prozent liegt die Europa Lebensversicherung AG ganz vorn in einer Rangliste, die das Analysehaus Morgen & Morgen erstellt hat.
Die Experten haben die Renditen von über 60 deutschen Lebensversicherern verglichen. Die Spanne der effektiven Rendite lag dabei zwischen 2,4 und fünf Prozent. In dem Musterbeispiel wird angenommen, dass ein 37-jähriger Mann 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in seine Lebensversicherung einzahlt und die Versicherer künftig genauso gut wirtschaften wie aktuell.
Die Renditehochrechnungen sind aussagekräftiger als die jährlich von den Versicherungskonzernen ausgewiesene laufende Überschussbeteiligung, weil Morgen & Morgen auch die anfallenden Kosten berücksichtigt und die zusätzlichen Überschüsse, die am Ende der Vertragslaufzeit zu erwarten sind.
Der Vorsprung der Europa Versicherung kommt nicht von ungefähr: Nur 0,78 Prozent der Beitragseinnahmen flossen laut Morgen & Morgen in den Verwaltungsaufwand. Viele Wettbewerber berechnen dafür bis zu fünf Prozent.
Bei den Kosten, die für den Vertragsabschluss von den Beiträgen abgezogen werden müssen, liegt Europa mit rund vier Prozent im Mittelfeld. Bei den Kostenangaben hat Morgen & Morgen die Bilanzzahlen 2010 genommen, da noch nicht für alle Versicherer die Werte von 2011 vorlagen.
Europa spart sich einen Außendienst und setzt damit auf Kunden, die sich nur am Telefon beraten lassen. Das war nicht immer so: 1959 als reine Krankenversicherung gegründet, kam zehn Jahre später das Geschäft mit Lebensversicherungen hinzu, dann noch eine Sparte für Sachversicherungsverträge.
Im Jahr 1983 sind alle drei Geschäftsteile in den Versicherungsverbund der Continentale Versicherung eingebunden worden. Erst seit dem fungiert die Europa Versicherung mit Sitz in Köln als Direktversicherer ohne eigene Berater vor Ort.
Top 2: Cosmos Direkt – Niedrige Kosten, Service per Internet
Die Lebensversicherung von Cosmos Direkt schneidet im Morgen-&-Morgen-Rating mit einer überdurchschnittlich hohen Beitragsrendite von 4,5 Prozent als einer der Gewinner ab. Die Beitragsrendite basiert auf dem Beispiel eines 37-Jährigen, der über 30 Jahre monatlich 100 Euro einzahlt. Laut Cosmos Direkt hängt die hohe Rendite auch mit dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zusammen.
„Unsere Abschluss- und Verwaltungskosten liegen weit unter Marktniveau. Für Kunden zahlt sich das bewusste Kostenmanagement aus: Sie profitieren von günstigen Beiträgen und höheren Leistungen“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Auch im anerkannten Rating der Agentur Assekurata landet die Cosmos Direkt mit einer Überschussbeteiligung von 4,05 Prozent im oberen Viertel der getesteten Versicherungen.
Der Vertrieb der Generali Deutschland-Tochter läuft ausschließlich direkt, also über das Internet, per Telefon, Brief oder Fax ab. Es gibt dementsprechend keine Außendienstmitarbeiter oder Filialen. Mittlerweile schließen mehr als die Hälfte der Cosmos-Direkt-Kunden ihre Versicherung online ab.
„Außerdem nutzen zahlreiche Kunden das Co-Browsing, eine Kombination aus Online und Telefonie“, sagt der Unternehmenssprecher. Der Versicherer mit Sitz in Saarbrücken hat bereits Mitte der 1990er-Jahre in den Onlinevertrieb investiert. Mittlerweile ist das Unternehmen nach eigenen Angaben mit 1,6 Millionen Kunden und 1,73 Milliarden Euro Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr Deutschlands größter Direktversicherer.
Das Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern wurde ursprünglich im Jahr 1950 als „Vereinigte Saarländische Volkshilfe und Terra Volks- und Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft“ in Saarbrücken gegründet. Zehn Jahre später firmierte das Unternehmen bereits unter der Cosmos Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft.
Seit 1982 setzt die Versicherung auf den reinen Direktvertrieb. Im vergangenen Jahr erzielte allein der Lebensversicherungszweig einen Gewinn von 28,4 Millionen Euro. Insgesamt erzielte der Konzern 32 Millionen Euro Gewinn.
Top 3: Targo – Höchste Überschussbeteiligung
Eine Beitragsrendite von überdurchschnittlich hohen 4,4 Prozent erzielt die Lebensversicherung von Targo im Musterbeispiel des Morgen-&-Morgen-Ratings. Die Überschussbeteiligung liegt sogar bei 4,6 Prozent und ist damit Spitzenreiter unter allen getesteten Versicherern. Auch im alljährlichen Rating der Agentur Assekurata erzielte die Targo den ersten Platz.
Auffällig hoch ist allerdings die Stornoquote bei den kapitalbildenden Tarifen. Sie gibt an, wie viel Prozent der Kunden ihre Lebensversicherung kündigen. Häufig ist das ein Indiz für die Qualität der Beratung. Bei der Targo Lebensversicherung liegt diese Quote bei über 23 Prozent.
Kein anderer der von Morgen & Morgen getesteten Versicherer schneidet in dieser Kategorie so schlecht ab, bei allen anderen Anbietern ist der Wert einstellig. „Die Gründe für dieses Verhalten der Kunden liegen in der Besonderheit des ausschließlichen Vertriebsweges Bank“, sagt ein Unternehmenssprecher.
Denn Targo Versicherungen werden exklusiv über die Bankschalter der gleichnamigen Targo-Bank vermittelt. Wenn ein Kunde die Bank verlasse, kündige er in den meisten Fällen auch seine Versicherungsverträge.
Die Targo Lebensversicherung mit Sitz im rheinländischen Hilden gehört mittlerweile zum Hannoveraner Talanx-Konzern. Die Citibank hatte die Assekuranz im Jahr 1985 unter dem Namen CiV Versicherungen gegründet. Seit 2010, als die Citibank in Targobank umbenannt wurde, kooperieren beide unter der Marke Targo.
Die Targo Lebensversicherung litt 2011 unter einem starken Einbruch bei den Beiträgen: Die gebuchten Bruttobeiträge gingen um über neun Prozent auf 862 Millionen Euro zurück. Targo nennt als Grund das schrumpfende Einmalbeitragsgeschäft.
Hierbei zahlen Kunden eine hohe Summe auf einen Schlag ein, anstatt laufend Prämien zu zahlen. Viele Versicherer hatten damit Kunden gelockt, die nach Alternativen zum mickrig verzinsten Festgeld suchen. Da auch die Versicherer nicht dauerhaft höhere Zinsen bieten können als die Banken, haben viele Gesellschaften das Geschäft inzwischen zurückgefahren.
Flop 1: Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg
Die Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg schneidet, was die Rendite anbelangt, im Ranking von Morgen & Morgen am drittschlechtesten von allen über 60 getesteten Anbietern ab. Nach der Musterrechnung erzielen Anleger nur eine Beitragsrendite von mageren 2,7 Prozent.
„Die Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg stellt bei der Anlage ihrer Kundengelder eine langfristig hohe finanzielle Sicherheit in den Fokus“, rechtfertigt ein Unternehmenssprecher das Ergebnis. Das Kapitalanlageportfolio enthalte fast ausschließlich langlaufende Anlagen erstklassiger Bonität, um den Kunden eine langfristig stabile Verzinsung zu sichern. Beispielsweise liege der Anteil von Staatsanleihen der Krisenstaaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien bei gerade einmal 0,25 Prozent.
Trotzdem: Auch im Rating der Agentur Assekurata landete die Öffentliche Berlin Brandenburg bei der Bewertung der Überschussbeteiligung mit einem Wert von 3,3 Prozent auf dem letzten Platz.
Die Öffentliche Leben hat in den vergangenen Jahren nach eigener Aussage ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen können. Während 2004 die Beitragseinnahmen noch bei rund 64 Millionen Euro lagen, waren sie im Jahr 2010 bereits auf 160 Millionen gestiegen. Ein Plus von 250 Prozent. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 1947 gegründet. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Versicherungskammer Bayern (VKB).
Die gehört wiederum zu 100 Prozent bayerischen und rheinland-pfälzischen Sparkassen. Unter dem Dach der VKB sind 15 Einzelunternehmen mit insgesamt 8600 Mitarbeitern vereint. Die Anfänge des Konzerns reichen zurück ins Jahr 1811, der Gründung der Bayerischen Landesbrandversicherungsanstalt.
Die Öffentliche Leben Berlin Brandenburg hat sich auf Privat- und Gewerbekunden sowie kommunale Kunden fokussiert. Beim Vertrieb setzt der Versicherer auf ein Netz aus rund 130 Versicherungsagenturen und die Zusammenarbeit mit den Sparkassen in Berlin und Brandenburg.
Flop 2: VPV Versicherung – Schwache Bilanz
Die Vereinigte Postversicherung, kurz VPV, gehört zu den ältesten Lebensversicherern in Deutschland. Sie wurde 1827 als Selbsthilfeeinrichtung für die Mitarbeiter der Post gegründet. Mit einem Kapitalanlagebestand von rund acht Milliarden Euro liegt der Versicherer im Mittelfeld der Branche. Die Historie spiegelt sich noch heute im Kundenstamm wider: Nach Unternehmensangaben stammen immer noch knapp 70 Prozent der Bestandskunden aus den Bereichen Post und Telekom.
Die Überschussbeteiligung liegt bei den Lebensversicherungen der VPV im Jahr 2012 bei 3,25 Prozent und damit deutlich niedriger als der Branchenschnitt von 3,9 Prozent. Die vom Analysehaus Morgen & Morgen berechnete effektive Rendite, bei der auch die anfallenden Kosten berücksichtigt werden, liegt sogar nur bei 2,7 Prozent.
So viel erhält ein 37-Jähriger, der bei gleichbleibenden Leistungen der Gesellschaft 30 Jahre lang monatlich 100 Euro an die VPV überweisen würde. Unterm Strich bekommen nur Versicherte beim Münchener Verein weniger. Bei der anerkannten großen Studie zur Überschussbeteiligung, die die Ratingagentur Assekurata jährlich herausgibt, hat die VPV nicht teilgenommen.
Im Jahr 2010 gingen 7,44 Prozent der Prämieneinnahmen für die Kosten des Vertragsabschlusses drauf. Der Wert macht den Versicherungsverein zum traurigen Spitzenreiter in diesem Bereich laut Morgen-&-Morgen-Rating. Im Jahr 2011 wurde der Wert allerdings deutlich auf 6,8 Prozent gesenkt, wie eine Sprecherin betont.
Das Geschäftsjahr 2011 lief für die VPV durchwachsen. Zwar sanken die gebuchten Bruttobeiträge nur leicht von 472 auf 469 Millionen Euro und damit weniger als im Branchenschnitt. Allerdings setzte der Versicherer stärker als die Konkurrenz auf sogenannte Einmalbeiträge, bei denen Kunden auf einen Schlag viel Geld einzahlen, anstatt kontinuierlich Prämien zu zahlen. Viele Konkurrenten hatten dieses Geschäft zuletzt zurückgefahren, weil es für einen Versicherungskonzern als ungewöhnlich schwankungsanfällig gilt.
Flop 3: Münchener Verein – Schlusslicht bei der Rendite
Der Versicherer aus Bayerns Hauptstadt ist 1922 aus einer Selbsthilfeeinrichtung für Handwerker und Gewerbetreibende entstanden. Bis heute hat er sich voll und ganz der Handarbeit verschrieben. Die Kunden wollen vor allem eines: abgesichert sein, wenn mal was passiert. Das zeigt auch die Produktpalette im Bereich Lebensversicherung, die fast das gesamte Spektrum abdeckt: Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge, Rürup-Rente sowie eine Lebensversicherung mit Rentenoption.
Nach Unternehmensangaben sei gerade im Handwerk die betriebliche Altersvorsorge wichtig, um Mitarbeiter zu halten. Hierbei gehe es vor allem auch um eine Sicherung der Grundfähigkeiten wie Sehen, Sprechen und Gebrauch der Hände, wie ein Sprecher sagt.
Das Unternehmen richtet sich in seiner Anlagepolitik konsequent auf Sicherheit aus - zulasten der Rendite: Für 2012 schüttet der Münchener Verein eine Überschussbeteiligung von drei Prozent an seine Lebensversicherungskunden aus. In der Musterrechnung von Morgen & Morgen liegt die effektive jährliche Rendite sogar noch niedriger bei 2,4 Prozent.
Dass der Versicherer bei der Rendite damit das Schlusslicht unter mehr als 60 Versicherern bildet, begründet eine Sprecherin mit der extrem sicherheitsorientierten Strategie: „Ein anderes Handeln bei diesem volatilen Kapitalmarktumfeld und der anhaltenden Niedrigzinsphase wäre in unseren Augen fahrlässig.“ Ihrer Meinung nach müssten die Wettbewerber in Zukunft ihre Überschussbeteiligung bald ebenfalls absenken.
Die Kapitalertragslage kann sich für einen relativ kleinen Versicherer sehen lassen: Die rund zwei Milliarden Euro werden aktuell mit 3,7 Prozent verzinst. Die Bewertungsreserve ist nach Unternehmensangaben inzwischen auf 7,3 Prozent ausgebaut worden. Der Marktwert der Kapitalanlagen liegt also deutlich höher als der in der Bilanz ausgewiesene Buchwert.
Anscheinend sind die Kunden trotz der niedrigen Rendite zufrieden: Die Stornoquote bei den Lebensversicherungen liegt unter dem Branchenschnitt.






















