Überschussbeteiligung gesenkt: Weniger Zinsen für Lebensversicherungen

Überschussbeteiligung gesenkt: Weniger Zinsen für Lebensversicherungen

, aktualisiert 07. Dezember 2011, 16:50 Uhr
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Die Renditen auf Kapital-Lebensversicherungen rutschen seit 2002 in den Keller.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Renditen auf Kapital-Lebensversicherungen bleiben auf Talfahrt. Im kommenden Jahr müssen die Kunden mit niedrigeren Zinsen rechnen. Der Marktführer hat die Überschussbeteiligung bereits gesenkt.

FrankfurtDie Kunden der meisten deutschen Lebensversicherer müssen im nächsten Jahr mit einer niedrigeren Verzinsung ihrer Beiträge rechnen. Der unangefochtene Marktführer Allianz Leben senkte am Mittwoch die Überschussbeteiligung auf 4,0 (2011: 4,1) Prozent. Festverzinsliche Wertpapiere würfen nicht mehr genug ab, um mehr auszuschütten zu können, sagte Allianz-Leben-Vorstandschef Maximilian Zimmerer.

„Die niedrigen Zinsen sind für die Lebensversicherer derzeit eine große Herausforderung.“ Die Gesamtverzinsung auf den Sparanteil der Leben- und Renten-Policen einschließlich des Schlussüberschusses sinkt bei der Allianz auf 4,5 (4,7) Prozent.

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Am größten Lebensversicherer in Deutschland orientieren sich viele kleinere Unternehmen. Im Branchendurchschnitt werde sich die Vier vor dem Komma aber 2012 nicht halten lassen, sagte Lars Heermann, Lebensversicherungsexperte beim Rating- und Beratungsunternehmen Assekurata. „Das wird sich bei etwa 3,9 Prozent einpendeln.“ 2011 waren es nach Assekurata-Berechnungen noch 4,07 Prozent, 2009 gar 4,26 Prozent.

Die Renditen auf Kapital-Lebensversicherungen sind seit 2002 auf Talfahrt. Die Versicherer legen große Teile der Beiträge in vermeintlich sicheren festverzinslichen Wertpapieren an. Zimmerer verwies darauf, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen 2011 seit Jahresbeginn auf 1,8 von 2,9 Prozent gesunken sei. Mit Aktien lasse sich das auch nicht wettmachen.

„Es war zu erwarten, dass die Versicherer etwas auf Nummer sicher gehen“, sagte Versicherungsexperte Manfred Poweleit, Chefredakteur des Branchendienstes map-report. AXA und die zu dem französischen Konzern gehörende DBV Leben, zusammen die Nummer sechs der Branche, haben die Überschussbeteiligung für 2012 auf 3,8 von 4,0 Prozent gekürzt. Die Alte Leipziger senkte sie sogar um 0,25 Prozent.

Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes GDV, Jörg von Fürstenwerth, verteidigte die Entwicklung: „Die deklarierten Überschussbeteiligungen sind im aktuellen Finanzmarktumfeld hervorragende Werte. In einer von Unsicherheit und hohen Verlusten an den Börsen geprägten Zeit ist die Lebensversicherung mehr denn je ein sehr attraktives Vorsorgeprodukt.“


Bis 2014 keine höheren Renditen in Sicht

Die Ratingagentur S&P hatte vor kurzem wegen des starken Wettbewerbsdrucks nur eine leichte Reduzierung vorausgesagt. „Jedoch erwarten wir weitere Absenkungen für die Jahre danach, wenn das Zinsniveau nachhaltig niedrig bleibt“, sagte S&P-Versicherungsanalyst Wolfgang Rief. Die Schere zwischen starken und finanzschwachen Versicherern werde sich noch weiter öffnen. Poweleit hofft auf die Zeit danach: „Lang können die Zinsen nicht mehr so niedrig bleiben.“ Allianz-Leben-Chef Zimmerer hat da weniger Hoffnung: Eine nachhaltige Zinssteigerung sei wegen der schwächer werdenden Konjunktur und der Niedrigzins-Politik der Notenbanken nicht in Sicht.

Die Lebensversicherer versuchen die Kunden derzeit mit dem Hinweis auf die 2012 sinkende Garantieverzinsung zum Abschluss noch im alten Jahr zu locken. Denn derzeit müssen die Verträge mit mindestens 2,25 Prozent im Jahr verzinst werden, von Januar an dürfen die Versicherer gesetzlich nur noch 1,75 Prozent fest versprechen. Assekurata-Experte Heermann zweifelt daran, dass sich viele Kunden locken lassen: „Die Garantieverzinsung ist auf einem Niveau angelangt, das es fraglich erscheinen lässt, ob das noch als Verkaufsargument taugt.“ Dennoch rechnet die Branche nach zwei Jahren der Stagnation 2011 mit einem Plus von drei Prozent bei Lebens- und Renten-Versicherungen gegen laufenden Beitrag.

Langfristig müssen sich die Lebensversicherer nach Ansicht von Experten ohnehin neue Konzepte einfallen lassen. Garantie-Verzinsungen wie in Deutschland gibt es anderswo kaum. „Die jährlichen Garantiezusagen stellen hohe Anforderungen an die Kapitalanlage. Sie nutzen dem Kunden, können aber ein Risiko für die Anbieter sein“, sagt Heermann. In den 1990er Jahren hatte der Garantiezins bei bis zu vier Prozent gelegen. Deshalb muss die Allianz für ihren Vertragsbestand im Schnitt immer noch 3,2 Prozent im Jahr erwirtschaften.

Zudem müssen die Garantien nach den künftigen Kapitalregeln „Solvency II“ mit Eigenkapital unterlegt werden. Die Branche werde versuchen, von langfristigen Zusagen wegzukommen, die eine Last seien, wenn die Renditen so mager bleiben, erwartet S&P-Experte Rief. „Das kann zu völlig neuen Produkten führen“, glaubt Heermann. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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