Unisex-Tarife: Augen auf beim Versicherungsabschluss

Unisex-Tarife: Augen auf beim Versicherungsabschluss

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Geschlechtergerechte Sicherheit. Ab dem 21. Dezember müssen Versicherer ihre Tarife für Neukunden geschlechtsneutral kalkulieren

von Martin Gerth

Schluss mit unterschiedlichen Versicherungstarifen für Mann und Frau: Im Dezember kommen die Einheitstarife für neu abgeschlossene Policen. Wo Verbraucher künftig mehr zahlen müssen, wo sie sparen.

Versicherung kann auch witzig sein. Der südafrikanische Versicherungsmakler „1st for Women“ macht sich in einem TV-Spot über Männer lustig: Drei Kerle in einem fahrenden Auto lassen ihren Kumpel hinterherlaufen, nachdem dieser am Straßenrand eine Pinkelpause eingelegt hat. Immer wenn der Zurückgelassene aufholt, gibt der Mann am Steuer Gas. Weil der Fahrer statt nach vorn nur in den Rückspiegel zu seinem fluchenden Kumpel schaut, stürzt der Wagen einen Abhang hinunter. Im Abspann läuft der Slogan: „Warum wir nur Frauen versichern.“

Dass junge Männer im Straßenverkehr höhere Schäden verursachen als junge Frauen, ist hinreichend belegt. Für Kfz-Policen müssen laut Unternehmensberatung Oxera 20-jährige Männer 19 Prozent mehr zahlen als gleichaltrige Frauen.

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Vom 21. Dezember an ist damit Schluss, jedenfalls bei allen neu abgeschlossenen Versicherungspolicen. Laut einem Entscheid des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom März 2011 müssen die Versicherer ihre Tarife für Neukunden geschlechtsneutral kalkulieren (Unisex). Männer und Frauen zahlen dann gleich viel Prämie. Der EuGH-Entscheid gilt für alle Versicherungssparten, aber nur für neue Verträge. Bei bereits bestehenden Policen mit geschlechtsspezifischen Tarifen ändert sich nichts.

Wie sich die Beiträge durch die Einheitstarife verändern

  • Zur Modellrechnung

    Der Europäische Gerichtshof (EuGH) fordert Einheitstarife mit gleichen Prämien für Männer und Frauen. Diese Tarife werden im Dezember eingeführt. Altverträge sind vom EuGH-Gebot nicht betroffen, sie müssen nicht auf Einheitstarife umgestellt werden. Die Modellrechnung beruht auf dem Branchenschnitt der Prämienunterschiede zwischen Männern und Frauen in den alten Tarifen; es wird unterstellt, dass der Frauenanteil in den neuen, für Frauen günstigeren Einheitstarifen, deutlich höher sein wird als in den alten, geschlechtsspezifischen Tarifen.

    Quelle: MLP

  • Private Krankenversicherung

    Beitragsveränderung:

    Männer

    Alter / Veränderung

    25 Jahre / +25 %
    30 Jahre / +23 %
    35 Jahre / +21 %
    40 Jahre / +19 %
    45 Jahre / +17 %
    50 Jahre / +14 %
    55 Jahre / +11 %

    Frauen

    25 Jahre / -5 %
    30 Jahre / -4 %
    35 Jahre / -4 %
    40 Jahre / -4 %
    45 Jahre / -4 %
    50 Jahre / -3 %
    55 Jahre / -2 %

  • Berufsunfähigkeit

    Beitragsveränderung:

    Männer

    Alter / Veränderung

    25 Jahre / +8 %
    30 Jahre / +9 %
    35 Jahre / +10 %
    40 Jahre / +10 %
    45 Jahre / +9 %
    50 Jahre / +5 %
    55 Jahre / +2 %

    Frauen

    25 Jahre / -2 %
    30 Jahre / -2 %
    35 Jahre / -2 %
    40 Jahre / -2 %
    45 Jahre / -2 %
    50 Jahre / -1 %
    55 Jahre / 0 %

  • Private Rentenversicherung

    Beitragsveränderung:

    Männer

    Alter / Veränderung

    25 Jahre / +6 %
    30 Jahre / +7 %
    35 Jahre / +7 %
    40 Jahre / +7 %
    45 Jahre / +8 %
    50 Jahre / +8 %
    55 Jahre / +8 %

    Frauen

    25 Jahre / -2 %
    30 Jahre / -2 %
    35 Jahre / -2 %
    40 Jahre / -2 %
    45 Jahre / -2 %
    50 Jahre / -2 %
    55 Jahre / -2 %

Warten oder abschließen?

Für alle, die sich neu versichern wollen, stellt sich die Frage: Jetzt noch einen alten Tarif abschließen – oder lieber auf die neuen Unisex-Tarife warten?

Was besser ist, hängt von der jeweiligen Versicherungssparte ab. Bisher zahlt das Geschlecht, das den Versicherer mehr kostet, die höhere Prämie. Risikolebensversicherungen sind für Männer teurer, weil sie früher sterben. In der privaten Krankenversicherung (PKV) dagegen zahlen Frauen mehr, weil sie länger leben und damit länger medizinische Versorgung brauchen.

Wenn die Einheitstarife kommen, werden die Unterschiede beim geschlechtsspezifischem Risiko verwischt. Ganz neu ist das Prinzip nicht. Schon seit 2006 zahlen Männer und Frauen bei neuen, staatlich geförderten Riester-Lebensversicherungen für die gleiche Leistung auch den gleichen Beitrag – trotz unterschiedlicher Lebenserwartung.

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