Unisex-Tarife: Vielen Dank für dieses Chaos!

KommentarUnisex-Tarife: Vielen Dank für dieses Chaos!

von Niklas Hoyer

Unisex-Einführung in Gefahr, an Bewertungsreserven werden Lebensversicherte vielleicht doch weiter beteiligt. Mit einem unvorstellbaren Hin-und-Her machen Politiker und Versicherer normalen Altersvorsorge-Sparern das Leben schwer. Ein offener Brief.

Liebe Politiker, liebe Versicherer,

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endlich habt Ihr es erkannt: Ihr müsst die Altersvorsorge erleichtern, verständlicher machen und Gebühren kürzen. Schließlich sorgt laut einer aktuellen Umfrage der Targo-Versicherung fast ein Drittel der Deutschen überhaupt nicht fürs Alter vor.

Interessant nur, wie Ihr die Wende schaffen wollt. Ein Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz soll her, das zum Beispiel bei der Riester-Rente niedrigere Wechselgebühren und Verbesserungen bringt. Nur laufen die Verhandlungen dazu noch. Anders als im Gesetzentwurf vorgesehen, wird dieses Gesetz wohl keinesfalls zum Jahresanfang 2013 in Kraft treten. Vielleicht wird es sogar 2014. Macht nichts: Altersvorsorge ist ja sowieso eine langfristige Sache.

Seit Anfang 2011 heißt es, dass zum 21. Dezember 2012 Unisex-Versicherungen eingeführt werden. Auf gut Deutsch: Mann und Frau zahlen dann für die gleiche Police auch gleich viel. Das hatte der Europäische Gerichtshof gefordert. Die Anbieter werben seit Monaten damit und trommelten zum Schlussverkauf ("Sie müssen künftig mehr zahlen? Dann noch schnell zuschlagen!"). Und jetzt? Wenige Tage vor dem Stichtag wird das Gesetz zur Einführung der Unisex-Tarife plötzlich auf Eis gelegt - vorerst. Der Bundesrat hat nicht mitgespielt. Nicht, weil dieses Gesetz für Ärger sorgt. Nein, andere, ebenfalls im Gesetz vorgesehene Regelungen sorgen für Streit. Nun ist völlig unklar, ob die Unisex-Tarife zum Stichtag wirklich und ausschließlich kommen. Alles bleibt wie geplant, sagt der Branchenverband der Versicherer GDV. Nichts da, erklären die Verbraucherschützer vom Bund der Versicherten. Ihrer Meinung nach dürfen Versicherer ohne das Gesetz auch weiterhin die alten, geschlechtsabhängig kalkulierten Policen anbieten - zumindest nach deutschem Aufsichtsrecht. Macht nichts: Am 21. Dezember geht ja sowieso die Welt unter.

Aktuell für Streit sorgt die Beteiligung an den Bewertungsreserven bei Lebensversicherungen. 2008 war die eingeführt worden. Nicht einfach so, sondern weil das Bundesverfassungsgericht gefordert hatte, dass Kunden angemessen am Anlageerfolg ihres Versicherers beteiligt werden müssen. Heute jedoch, liebe Versicherer, habt Ihr damit ein Problem: Die Zinsen sind so niedrig, dass Ihr Probleme habt, ausreichend Rendite zu erwirtschaften. Uns Kunden habt Ihr aber feste Zinszusagen gemacht, oft über 20, 30 Jahre.

Also sollte per Gesetz die Beteiligung an den Bewertungsreserven, insbesondere für festverzinsliche Wertpapiere, wieder aufgeweicht werden. Solche Bewertungsreserven, die entstehen wenn der aktuelle Marktwert einer Geldanlage des Versicherers über deren Wert in den Büchern liegt, sollten künftig unberücksichtigt bleiben. Zumindest dann, wenn die entsprechende Geldanlage dauerhaft gehalten wird, um damit die Zinszusagen an die Kunden erfüllen zu können.

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Klingt kompliziert. Im Ergebnis heißt es aber, dass kaum noch ein Kunde bei Kündigung oder Vertragsende einen Aufschlag bekommen wird. In Einzelfällen könnte die Auszahlungssumme damit um bis zu 15 Prozent sinken. Das war Euch Politikern dann doch zu viel - aller Lobbyarbeit von Euch, lieben Versicherern, zum Trotz. Per Verordnung wolltet ihr Politiker nachträglich sicherstellen, dass die Auszahlungssumme der einzelnen Verträge in den nächsten zehn Jahren maximal um fünf Prozent sinken darf - im Vergleich von Auszahlungssumme mit und ohne Beteiligung. Doch die neue Ablehnung macht diese Abkehr von der Aufweichung nun vielleicht überflüssig. Nach der Entscheidung des Bundesrats ist wieder offen, ob die Beteiligung an den Bewertungsreserven überhaupt eingeschränkt wird, oder ob alles bleibt wie gehabt. Macht nichts: Da blickt ja sowieso keiner mehr durch.

Liebe Politiker, ihr mögt ja gute Absichten haben. Aber mit diesem Hin-und-Her werden Ihr es wohl kaum schaffen, mehr Menschen zur Altersvorsorge zu bewegen. Wenn schon das Leben kaum planbar ist, wäre es schön, wenn zumindest die Regulierung für etwas Planungssicherheit sorgt. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Euer Niklas Hoyer

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