Vermögen in der Krise: "Mehrere positive Anzeichen"

Vermögen in der Krise: "Mehrere positive Anzeichen"

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Riklef von Schüssler, Geschäftsführer bei Feri Family Trust

Riklef von Schüssler, Geschäftsführer und Partner des Vermögensverwalters Feri Family Trust, erklärt im Interview mit wiwo.de, wie große Vermögen in Deutschland durch die Krise kommen und wo es wieder Chancen gibt.

Herr von Schüssler, die Bundesbank hat errechnet, dass die Privatvermögen deutscher Haushalte 2008 um 260 Milliarden Euro geschrumpft sind. Bei einem Vermögensbestand von 4413 Milliarden Euro ist das ein Minus von gerade einmal drei Prozent. Wer ist in der Krise bislang besser weggekommen, die Reichen oder die Durchschnittsverdiener?

Die Antwort hängt davon ab, welche Gewinne und Verluste wir heranziehen. Deutsche Vermögensinhaber, die in Immobilien und Lebensversicherungen investieren, sind im vergangenen Jahr gut durchgekommen. Der Markt für Staatsanleihen war nicht nur ein sicherer Hafen, sondern in 2008 sehr renditeträchtig. Die Preisverfall war in Deutschland nicht so stark und wird hierzulande in der Regel erst bei der Veräußerung wahrgenommen. Dagegen haben Aktienbesitzer und Unternehmenseigentümer ganz erheblich gelitten und sind die Verlierer der Krise.

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Die Reichen hat es also schlimmer erwischt als den Durchschnittverdiener?

In absoluten Beträgen stimmt das. Die Mittelständler oder Großaktionäre von Börsenunternehmen verzeichnen massive Verluste. Aber die Sorgen, die ein Kleinsparer oder ein Rentner hat, weil er nennenswerte Teile seiner Altersvorsorge am Aktienmarkt verloren zu hat, sind wesentlich schwieriger zu ertragen. Jeder dritte Deutsche sorgt sich um seine Altersvorsorge.

Wie verhält sich der typische Reiche in Deutschland bezogen auf sein Vermögen?

Es gibt viele Wohlhabende, die Ihr Vermögen sehr konservativ anlegen, weil die Vermögensentstehung einmalig war. Unternehmens- oder Immobilienverkäufe, Erbschaften oder auch der Lottogewinn. Bei diesem Typus steht in der Regel der reale Vermögenserhalt stärker im Vordergrund. Vermögen ab einer Größenordnung von 50 Millionen enthalten hingegen meist nennenswerte Anteile an Unternehmen. Diese Anleger sind risikobereiter und können auch Verluste durchstehen. Es geht ja nicht um die Existenz.

Wie haben Sie große Vermögen auf die verschiedenen Anlageklassen verteilt, um gut durch die Finanzkrise zu kommen?

Bei der Vermögenssteuerung  in unserem Hause ist häufig das Risikomanagement dem Ertragsmanagement vorangestellt. Die Vermeidung von Risiken in einer normalen Marktphase erreichen wir durch Diversifikation. Im vorigen Jahr hat allerdings nur der Rückzug aus den risikobehafteten Assetklassen geholfen. Die Vereinbarung von maximalen Risikotoleranzen ist für Vermögende in den vergangenen zwei Jahren von großen Vorteil gewesen.

Aber in dieser Krise steht nicht nur die Streuung der Anlagen zur Risikovermeidung im Fokus, sondern vor allem der Erhalt der Handlungsfähigkeit. Ein Beispiel: Liegen 80 Prozent des Vermögens in Festgeld und 20 Prozent in Anleihen, glauben Sie, eine sichere Strategie zu fahren. Macht aber die Bank vorübergehend zu und der Anleihenmarkt bricht weg, sind sie mit einer solchen Strategie erst mal handlungsunfähig. Mit einer breiten Diversifikation reduzieren Sie also nicht nur Risiken, sondern erhöhen in schwierigen Zeiten auch Ihre Handlungsmöglichkeiten.

Was haben Sie ihren Kunden empfohlen?

Wir haben ab Januar 2008 Aktienbestände abgebaut, weil uns die Spannung am Kreditmarkt große Sorgen gemacht hat und unsere Risikobudgets in der Regel beschränkt sind. Wir haben daher in Festgeld und dann zunehmend in kurzlaufende Staatsanleihen umgeschichtet. Außerdem haben wir unseren Kunden im ersten Halbjahr 2008 zunächst Rohstoffe ins Depot gelegt, diese Positionen aber wieder abgebaut. Wichtig war auch physisches Gold, damit selbst wenn – wie in dieser Krise – zeitweise fast alle Anlageklassen verlieren, immer noch Handlungsoptionen bestehen.

Bleibt Gold bei Ihnen eine Empfehlung ?

Auf mittlere Sicht ja. Wenn in der Vergangenheit eine Währungen extrem expansiv gesteuert wurde, führte dies nach kurzer Zeit zu ihrer Abwertung. Wenn aber alle Leitwährungen so expansiv gesteuert werden – wie in den vergangenen 15 Monaten geschehen – bleibt das Gold als letzte stabile Währungsreserve übrig. Gold lässt sich so gesehen nicht weichkochen.

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