Versicherungen: Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

Versicherungen: Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

, aktualisiert 03. November 2011, 13:05 Uhr
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Das Unglück kommt immer unerwartet. Wer sich dagegen versichern will, sollte genau in die Verträge schauen.

von Michael DeteringQuelle:Handelsblatt Online

Mit günstigeren Tarifen wollen Berufsunfähigkeitsversicherungen neue Kunden locken. Verbraucherschützer sind skeptisch und raten genau hinzusehen, in welchen Fällen die Versicherung leistet.

FrankfurtNur jeder vierte Deutsche hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Viele meinen, der Staat werde schon ausreichend für sie sorgen, wenn sie nicht mehr arbeiten können – ein schwerwiegender Trugschluss. Doch auch einige von denen, die eigentlich selbst vorsorgen wollen, erhalten keinen Schutz, weil sie schwere Vorerkrankungen haben. Andere stellen im Gespräch mit ihrem Versicherungsvermittler fest, wie teuer der private Schutz ist. Dann lieber doch nicht.

Als eine günstigere Alternative ohne große Gesundheitsprüfung präsentieren inzwischen einige Versicherer neue Policen wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringt, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann, zahlen diese Versicherungen meist allerdings nur dann, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann.

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Die Anzahl der Anbieter ist noch recht übersichtlich. Der Versicherer Generali bietet seit Jahresbeginn eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung an, bei der Kunden nur zwei Fragen zur Gesundheit beantworten müssen. Rund 10 000 Kunden haben seitdem einen solchen Vertrag abgeschlossen – im Vergleich zu 110 000 Berufsunfähigkeitsversicherungen im gleichen Zeitraum. Ein 30-jähriger Bankkaufmann zahlt im „Klassik“-Tarif 37,35 Euro, um im Ernstfall eine monatliche Rente von 1000 Euro zu erhalten, ein 30-jähriger Handwerker 55,43 Euro. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen Kunden bei vielen Versicherern oft mehr als hundert Euro pro Monat.

Ein etwas anderes Modell bietet Axa seit 2010 mit der sogenannten Existenzschutzversicherung an. Sie zahlt bei Unfällen und besonders schlimmen Krankheiten, etwa bei schweren Schädigungen von Herz, Lunge oder Gehirn oder wenn man nicht mehr sehen, hören oder sprechen kann. „Das Produkt wird sehr gut angenommen“, sagt eine Sprecherin. Genaue Zahlen nennt Axa aber nicht. Bei dieser Versicherung gibt es eine Gesundheitsprüfung, aber da nicht alle Krankheiten abgedeckt werden, werden mehr Personen aufgenommen als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.


Vorerkrankungen sind kein Ausschlusskriterium

Verbraucherschützer sind skeptisch. „Wir raten jedem, für den es möglich ist, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Es müsse schon sehr viel passieren, bis man überhaupt keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen könne, und erst dann würde die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leisten. „Da stellt sich schon die Frage: Wann muss die Versicherung überhaupt zahlen?“

Wer trotzdem eine solche Police abschließen wolle, sollte sich zumindest die Bedingungen genau anschauen, rät Boss. Einige Anbieter würden beispielsweise verlangen, dass der Arzt eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 24 Monaten prognostiziert, bei besseren Policen wären es nur sechs Monate.

Boss weist aber darauf hin, dass auch Personen mit Vorerkrankungen noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Wenn man etwa bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, würde der Anbieter in dem Vertrag zwar Leistungen bei weiteren Rückenproblemen ausschließen, aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Ausschluss einiger Krankheiten sei immer noch besser als gar keine. „Und vor allem auch besser als die Erwerbsunfähigkeitsversicherung“, sagt Boss. Viele Menschen würden heute etwa mit psychischen Problemen aus dem Beruf ausscheiden, so etwas werde nur bei der Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt.

Um an einen möglichst umfangreichen und einigermaßen erschwinglichen Versicherungsschutz zu kommen, empfehlen Experten, die Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. Dann besteht der Kunde leichter die Gesundheitsprüfung, zudem sind die Beiträge günstiger. Die Hannoversche Lebensversicherung rechnet vor, dass bei ihnen ein 20-Jähriger bis zur Rente mit 67 Jahren in der Summe genauso viele Beiträge zahlt wie ein 35-Jähriger bis zum selben Endalter – aber 15 Jahre länger versichert ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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