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Versicherungspolicen: Der überschätzte Schutz vor Berufsunfähigkeit

von Andreas Toller

Das Risiko einer Berufsunfähigkeit wird übertrieben. Die Versicherung ist zudem kostspielig – und längst nicht für jeden ein Muss. Wer die Police überhaupt braucht und wie er dann die richtige findet.

Extreme Unterschiede

Wer den falschen Beruf ausübt, muss beim Versicherungsschutz mehr bezahlen. Für Handelsblatt Online hat das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) analysiert, wo die Beiträge steigen und wer weniger zahlen muss. Die gute Nachricht zuerst: Für die meisten Berufsgruppen wurde der Schutz günstiger. Von den 145 Berufen stellte M&M nur bei 30 Berufen eine Verteuerung fest. Die Analyse zeigt vor allem, dass „gute“ Risiken, also Berufe mit einer niedrigen Berufsunfähigkeitswahrscheinlichkeit überproportional profitieren.

„Gewinner sind ganz klar die Berufe mit dem geringsten Risiko. So zahlt unseren Auswertungen nach ein Notar beispielsweise für einen 5-Sterne-BU-Tarif mit 1.500 Euro BU-Rente monatlich nur um die 50 Euro. Während ein Dachdecker für eine gleichwertige BU-Rente mit über 200 Euro richtig tief in die Tasche greifen muss“, so Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen.

Den Anfang machen zehn Berufe, in denen die Beiträge besonders stark gestiegen sind. Es folgen Berufe, die weniger bezahlen.

Bild: dpa

Derzeit trommeln die Versicherer wieder für ihren Schutz vor Berufsunfähigkeit – und zwar mit Blick auf die künftigen Unisex-Tarife. Die Umstellung auf die neuen Einheitstarife, die keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Geschlechtern machen dürfen, erfolgt kurz vor Weihnachten aufgrund von Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs. Der hatte unterschiedliche Versicherungsbeiträge für Männer und Frauen 2011 für unzulässig erklärt.

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Und mit den Unisex-Tarifen wird es für Männer aller Voraussicht nach teurer. Das nutzen Versicherungen und ihre Vermittler werbewirksam für eine Art Schlussverkauf beim Schutz vor Berufsunfähigkeit (BU). Berufsunfähigkeitsversicherungen versprechen dem Beitragszahler eine monatliche Rente, wenn er seinen Beruf für einen längeren Zeitraum oder dauerhaft nicht mehr ausüben kann.

Beim Finanz- und Vermögensberater MLP hat man in der Konzernzentrale Hochrechnungen zu den kommenden Beitragserhöhungen von rund 30 Versicherern anlässlich der neuen Unisex-Tarife angestellt. Laut Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge bei MLP, werden auf männliche Versicherungskunden, die nach dem 21. Dezember 2012 eine BU-Police abschließen wollen, Beitragserhöhungen zukommen. „Bei den einzelnen Versicherern wird es weiterhin Unterschiede bei den Versicherungsprämien geben. Aber im Mittel müssen Männer im Alter von 30 bis 45 Jahren bei einem Abschluss nach dem 21. Dezember mit einem Aufschlag von acht bis zehn Prozent rechnen.“ Für Frauen wird es den MLP-Zahlen zufolge wohl im Gegenzug zu Preisnachlässen um die zwei Prozent kommen.

BU günstig versichern Tücken der Arbeitgeber-Policen

Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Berufsunfähigkeitsversicherungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Die sind zwar leichter zu haben als reguläre Tarife, aber trotzdem nicht für Jedermann geeignet.

BU günstig versichern: Die Tücken der Arbeitgeber-Policen

Für viele Arbeitnehmer stellt sich also erneut die Frage, ob nun der richtige Zeitpunkt zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gekommen ist. Denn die Fähigkeit zu verlieren, den eigenen Beruf weiter auszuüben, gilt als existenzielles Risiko. Schließlich ist mit Berufsunfähigkeit die Angst vor massiven Einkommensverlusten und Altersarmut verbunden. Nach einer Umfrage des F.A.Z.-Instituts fürchten 61 Prozent der Berufstätigen in diesem Zusammenhang um die Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards.

Zahlen, die zu den Risiken kursieren, schüren diese Angst. Den Studien zufolge, die in der Versicherungswirtschaft gerne zitiert werden, beträgt das Risiko, durch Krankheit oder Unfall berufsunfähig zu werden, bei Männern 43 Prozent. Bei Frauen lautet die Prognose, dass mehr als jede Dritte ihren Beruf vor Rentenbeginn nicht mehr wird ausüben können. Anderen Statistiken zufolge wird jeder vierte Berufstätige in seinem Arbeitsleben einmal berufsunfähig. Die hohen Quoten alarmieren.

33 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.12.2012, 14:15 UhrZufall

    erstaunlich wie viele versicherungsvertreter die zeit haben, ihre eigene branche und deren produkte, von denen sie leben, schön zu reden.

  • 01.12.2012, 15:03 UhrVersicherungsmaklerbureau

    @HoffentlichNichtA..

    Mich würde interessieren, aus welcher Quelle Sie Ihre Weisheit beziehen.

    Gute Bedingungswerke beschreiben Berufsunfähigkeit als »Wenn Art, Schwere und Ausmaß von Krankheit/Körperverletzung/Kräfteverfall nach allgemein anerkannten medizinischen Kenntnissen erwarten lassen, dass die versicherte Person ununterbrochen wenigstens 6 Monate mindestens zu 50% außer Stande sein wird, ihrem zuletzt bei Eintritt des Versicherungsfalles ausgeübten Beruf - so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war - nachzugehen.«

    Es folgt regelmäßig eine erweiterte Definition, nach der bereits ein 6-monatig 50%-iges außer Stande seins infolge K/K/K dem Zustand der BU gleichgesetzt wird.

    Solange also eine psychische Erkrankung medizinisch diagnostiziert und dargelegt werden kann ist der Versicherer in der Leistungspflicht.

    Freundlichst
    _________________________
    Ihr Versicherungsmaklerbureau

  • 01.12.2012, 14:52 UhrEierkuchen

    Verklagen wird man ganz sicher die Vesicherung müssen, denn die wird nicht zahlen wollen. Und der Makler wird nur dumm grinsend den Kopf dazu zucken.

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