Versicherungspolicen: Der überschätzte Schutz vor Berufsunfähigkeit

29. November 2012
von Andreas Toller

Das Risiko einer Berufsunfähigkeit wird übertrieben. Die Versicherung ist zudem kostspielig – und längst nicht für jeden ein Muss. Wer die Police überhaupt braucht und wie er dann die richtige findet.

Derzeit trommeln die Versicherer wieder für ihren Schutz vor Berufsunfähigkeit – und zwar mit Blick auf die künftigen Unisex-Tarife. Die Umstellung auf die neuen Einheitstarife, die keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Geschlechtern machen dürfen, erfolgt kurz vor Weihnachten aufgrund von Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs. Der hatte unterschiedliche Versicherungsbeiträge für Männer und Frauen 2011 für unzulässig erklärt.

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Und mit den Unisex-Tarifen wird es für Männer aller Voraussicht nach teurer. Das nutzen Versicherungen und ihre Vermittler werbewirksam für eine Art Schlussverkauf beim Schutz vor Berufsunfähigkeit (BU). Berufsunfähigkeitsversicherungen versprechen dem Beitragszahler eine monatliche Rente, wenn er seinen Beruf für einen längeren Zeitraum oder dauerhaft nicht mehr ausüben kann.

Beim Finanz- und Vermögensberater MLP hat man in der Konzernzentrale Hochrechnungen zu den kommenden Beitragserhöhungen von rund 30 Versicherern anlässlich der neuen Unisex-Tarife angestellt. Laut Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge bei MLP, werden auf männliche Versicherungskunden, die nach dem 21. Dezember 2012 eine BU-Police abschließen wollen, Beitragserhöhungen zukommen. „Bei den einzelnen Versicherern wird es weiterhin Unterschiede bei den Versicherungsprämien geben. Aber im Mittel müssen Männer im Alter von 30 bis 45 Jahren bei einem Abschluss nach dem 21. Dezember mit einem Aufschlag von acht bis zehn Prozent rechnen.“ Für Frauen wird es den MLP-Zahlen zufolge wohl im Gegenzug zu Preisnachlässen um die zwei Prozent kommen.

BU günstig versichern Tücken der Arbeitgeber-Policen

Einige Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern Berufsunfähigkeitsversicherungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge. Die sind zwar leichter zu haben als reguläre Tarife, aber trotzdem nicht für Jedermann geeignet.

BU günstig versichern: Die Tücken der Arbeitgeber-Policen

Für viele Arbeitnehmer stellt sich also erneut die Frage, ob nun der richtige Zeitpunkt zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gekommen ist. Denn die Fähigkeit zu verlieren, den eigenen Beruf weiter auszuüben, gilt als existenzielles Risiko. Schließlich ist mit Berufsunfähigkeit die Angst vor massiven Einkommensverlusten und Altersarmut verbunden. Nach einer Umfrage des F.A.Z.-Instituts fürchten 61 Prozent der Berufstätigen in diesem Zusammenhang um die Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards.

Zahlen, die zu den Risiken kursieren, schüren diese Angst. Den Studien zufolge, die in der Versicherungswirtschaft gerne zitiert werden, beträgt das Risiko, durch Krankheit oder Unfall berufsunfähig zu werden, bei Männern 43 Prozent. Bei Frauen lautet die Prognose, dass mehr als jede Dritte ihren Beruf vor Rentenbeginn nicht mehr wird ausüben können. Anderen Statistiken zufolge wird jeder vierte Berufstätige in seinem Arbeitsleben einmal berufsunfähig. Die hohen Quoten alarmieren.

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Kommentare | 33Alle Kommentare
  • 29.11.2012, 12:44 Uhrpilot14

    Dei genannten Fakten im Atikel kann ich zum großen Teil untersteichen. Allerdings ist die Aussage zur Überschneidung mit der Erwerbsminderungsrente nicht korrekt. Die Leistungszusagen beider Systeme sind völlig unabhängig voneinander. Der größte Irrtum der Verbraucher ist die Annahme, dass mit dem Moment der Zusage einer gesetzlichen Erwerbsminderungsrente auch die Anerkennung der privaten BU verbunden ist. Das ist definitiv falsch. Mit freundlichen Grüßen
    Wagdi El-Gamali : Wagdi El-Gamali

  • 29.11.2012, 14:03 UhrDas_Gewissen

    Schade, dass die Wirtschaftswoche sich mit der suggestiven Überschrift auf BILD-Niveau begibt. Im Übrigen sollte auch ein Journalist bei Themen, mit denen er nicht zumindest 90 % vertraut ist, fachlichen Rat einholen.
    Vielleicht sollte auch über die Ursachen für Berufsunfähigkeit informiert werden. So ist es keineswegs der Dachdecker oder Tiefbauarbeiter, der aufgrund von psychischen Belastungen berufsunfähig wird, sondern eher der "Kopfarbeiter" , für den der Artikel ein deutlich verringertes BU-Risiko ausweisen will.
    Insgesamt mal wieder ein fragwürdigesGeschreibsel, das nur dazu angetan ist, mit einer reißerischen Überschrift statt mit fundiertem Wissen zu punkten.

  • 29.11.2012, 14:55 Uhrasdfgh

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Der Artikel widerspricht sich und wird jetzt eher den Effekt haben, dass Leute noch verunsicherter sind als vorher. Im Text selbst steht, wie schwer es im Falle einer andauernden Krankheit ist vom Staat Geld zu erhalten und dennoch wird der privatvertragliche BU-Schutz denunziert. Was sind denn die Alternativen zur BU-Versicherung??? 50€ aufs Sparbuch? Super, da kann ich mit 40 dann locker 6 Monate von leben.... und als Architekt/Anwalt/Arzt nur 3.... Hier wird nicht konstruktiv reflektiert... Ich zahl lieber meine BU, die ich in jungen gesunden Jahren abgeschlossen habe (ja, das hat mir mein Versicherungsberater, der damit Geld verdient hat, gesagt. Ich bin ihm dankbar dafür!)

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