Versicherungsschutz: Kein Krankengeld für Selbstständige

Versicherungsschutz: Kein Krankengeld für Selbstständige

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Arbeitsunfähig: Teurer Schutz vor Einkommensverlusten

Selbstständige bekommen von den gesetzlichen Kassen seit Januar kein Krankengeld mehr. Wie sie sich am besten vor Einkommensverlusten schützen.

Angelika Nafziger arbeitet als selbstständige Immobiliengutachterin in Berlin. Planen ist in ihrem Job schwierig. Mal gibt es von heute auf morgen einen großen Auftrag, mal herrscht wochenlang Flaute. Wenigstens bei der Krankenversicherung will die gesetzlich Versicherte auf Nummer Sicher gehen. Als sie im vergangenen Jahr hörte, dass das Krankengeld für Selbstständige von 2009 an nicht mehr über die Krankenkassen abgesichert ist, suchte sie eine Alternative. „Stundenlang habe ich mit meiner Krankenkasse telefoniert, doch keiner wusste wirklich Bescheid“, sagt Nafziger. Am Ende wechselte sie in eine andere Kasse, um sich dort über einen speziellen Wahltarif das Krankengeld, also eine Einkommenszahlung für eine vorübergehende Krankheit, zu sichern.

Viele der 1,5 Millionen gesetzlich versicherten Selbstständigen können das Risiko eines Einkommensausfalls nicht tragen und suchen Schutz. Anders als gesetzlich versicherte Angestellte – denen der Arbeitgeber bei Krankheit bis zu sechs Wochen den Lohn fortzahlt, danach springt die Krankenkasse ein – sind Selbstständige seit Jahresanfang auf sich allein gestellt. Weiter Anspruch auf Krankengeld haben nur Künstler und Publizisten. Alle anderen Selbstständigen zahlen jetzt zwar nur noch einen ermäßigten Kassen-Beitragssatz von 14,9 Prozent, doch eine separate Krankengeld-Versicherung kostet mehr als die 0,6 Prozentpunkte, die sie dadurch sparen.

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Politiker diskutieren zwar bereits über eine Rückkehr zum Krankengeld für alle – eine Reform der Reform. Doch es gibt erste Signale, dass eine Wiedereinführung nicht rückwirkend zum 1. Januar gelten soll – anders als es ein Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums vom Dezember 2008 noch vorgesehen hatte. Selbstständige, die sich bis zu einer endgültigen politischen Lösung schützen wollen, müssen also eine Entscheidung treffen.

Wahltarif bei Krankenkassen zum Krankengeld

Wahltarife. Die gesetzlichen Kassen bieten Selbstständigen auch weiter die Zahlung von Krankengeld an. Dafür müssen diese einen Wahltarif abschließen. Die Konditionen sind flexibel: So haben Versicherte der Barmer die Wahl zwischen einer Zahlung vom 15., 22., 43. oder 92. Tag der Arbeitsunfähigkeit an. Je früher die Versicherung zahlt, desto höher der Beitrag. Wer finanzielle Reserven hat, kann einen späten Termin wählen. Auch die Höhe des Krankengelds kann vereinbart werden – allerdings darf ein Versicherter maximal sein tatsächliches Nettoeinkommen versichern. Besonders hohe Einkommen lassen sich außerdem nicht absichern: Bei der Techniker Krankenkasse (TK) liegt die Höchstgrenze bei 200 Euro Krankentagegeld, die Barmer versichert sogar nur 70 Prozent des Einkommens, maximal 85,75 Euro pro Tag.

Mit der Höhe des Krankengeldes steigt der Beitrag. Einfluss haben auch das Alter und eine mögliche Begrenzung der Leistungsdauer. Die TK beschränkt das Krankengeld in bestimmten Tarifen auf 26 Wochen innerhalb von drei Jahren, bei anderen Tarifen sind es 78 Wochen. Ein Preisbeispiel: Ein 40-jähriger Selbstständiger, der sich bei der TK ein Krankentagegeld von 90 Euro ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit sichern will, zahlt 35,10 Euro im Monat (Tarif KG Klassik 43 mit einer maximalen Leistungsdauer von 78 Wochen).

Nachteil der Wahltarife: Nach Abschluss sind Versicherte drei Jahre lang an den Tarif und die Krankenkasse gebunden. Sollte im Sommer tatsächlich die Option auf Krankengeld für Selbstständige wieder in die gesetzliche Versicherung aufgenommen werden, gibt es vermutlich eine Ausstiegsmöglichkeit. „Wir werden eine versichertenfreundliche Lösung finden“, verspricht Barmer-Vorstandschef Johannes Vöcking. Private Krankengeldversicherung. Anders als die gesetzlichen Kassen prüfen die privaten Versicherer vor Vertragsabschluss die Gesundheit. Bei Vorerkrankungen können sie den Versicherungsschutz verweigern, außerdem zahlen Frauen hier mehr als Männer.

Skepsis ist angebracht

Unter dem Strich ist die private Zusatzversicherung meist teurer als ein Wahltarif der gesetzlichen Kassen. Dafür versichern Private aber auch hohe Einkommen; die Konditionen können meist frei vereinbart werden, und die Mindestlaufzeit des Vertrags beträgt nur ein Jahr. Der unabhängige Versicherungsmakler Gerhard Pscherer aus Erlangen sieht die Tarife trotzdem kritisch. Die meisten Selbstständigen würden fast nie vorübergehend vollständig arbeitsunfähig. „Selbst ein Zahnarzt kann mit gebrochenem Arm ja noch beraten“, sagt Pscherer. Die Versicherer zahlen aber nur, wenn der Versicherte seine berufliche Tätigkeit „in keiner Weise ausüben kann“. Die Gesetzlichen sind hier versichertenfreundlicher. Pscherer rät den meisten Kunden daher, sich die private Zusatzversicherung zu sparen: „Das Geld sollten sie besser in die Altersvorsorge stecken.“

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