Versicherungsunternehmen: Bafin erklärt Lebensversicherung zum Auslaufmodell

Versicherungsunternehmen: Bafin erklärt Lebensversicherung zum Auslaufmodell

Quelle:Handelsblatt Online

Finanzstabilität in Gefahr? Die BaFin rügt deutsche Versicherungen wegen ihrer Krisenanfälligkeit und warnt vor „japanischen Verhältnissen". Krisenmanagement und Sanierungspläne seien nötig, sagt Bafin-Chef Hufeld.

Die traditionelle Lebensversicherung mit lebenslangen Garantien wird unter dem Druck der niedrigen Zinsen nach Ansicht der Finanzaufsicht BaFin bald zum Auslaufmodell. „Wir weisen stetig auf die Notwendigkeit eines breiteren Produktportfolios hin und ermutigen die Versicherer zu Innovationen", sagte der oberste Branchenaufseher der Bonner Behörde, Felix Hufeld, der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Bisher haben nur einige große Versicherer wie Allianz und Ergo Produkte auf den Markt gebracht, die auf die langfristigen Garantien verzichten und dafür etwas mehr Rendite bieten. Hufeld erwartet bald Nachahmer, wenn die neuen Produkte Anklang finden. „Die ersten Monate scheinen ganz ermutigend. Viele Unternehmen warten das noch ab - aber das wird eher Monate als Jahre dauern."

Den mehr als 90 deutschen Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die versprochene Verzinsung auf Dauer zu zahlen, weil sie das Geld ihrer Kunden sicher nur noch zu niedrigen Zinsen neu anlegen können. „Die niedrigen Zinsen sind ein nationales Systemrisiko für die Versicherungsbranche", sagte Hufeld. Wenn diese Phase länger anhalte, sei die Finanzstabilität in Gefahr.

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Versicherungs-Chinesisch: Wie Sie Ihren Bescheid richtig lesen

  • Leistungsübersicht

    Sie zeigt zum Stichtag (zum Beispiel "Stand 01.06."), was gezahlt wird, wenn der Versicherte bis Vertragsende durchhält, wenn er vorzeitig kündigt oder falls er stirbt.

  • Garantierte Kapitalleistung

    Ergebnis aus den mit dem Garantiezins verzinsten Beiträgen. Angelegt und verzinst wird nur der Sparanteil der Beiträge. Der bleibt übrig, nachdem Vertriebs- und Verwaltungskosten abgezogen wurden. Bei guten Versicherern werden 80 Prozent der Einzahlungen als Sparanteil angelegt und verzinst, bei teuren nur 60. Was garantiert ist, hat der Kunde sicher, wenn er den Vertrag bis zur Fälligkeit behält.

  • Überschussbeteiligung

    Erwirtschaften Versicherer mit Kapitalanlagen mehr als den Garantiezins, gibt es für den Kunden noch etwas oben drauf. Von den Zinsüberschüssen müssen sie mindestens 90 Prozent an die Kunden auszahlen. Im Bescheid steht der Betrag als garantierte Leistung aus Überschussbeteiligung. Von Gewinnen, die darüber hinaus entstehen, wenn der Versicherer etwa die Verträge günstiger führt als zuvor berechnet, fließen maximal 75 Prozent in die Überschussbeteiligung. Aus Überschüssen, die den Kunden zustehen, speisen sie auch die Zinszusatzreserve. Die Branche bunkert dort aktuell 13,3 Milliarden Euro. Jetzt ausgezahlte Verträge profitieren davon nicht. Wenn weitere Überschüsse bleiben, dürfen die Versicherer ihr Grundkapital mit mindestens vier Prozent verzinsen. Das passiert derzeit selten.

  • Mögliche künftige Leistung aus Überschussanteilen

    Garantiert dem Kunden gutgeschrieben wird ein Teil der jährlichen Überschüsse, den Rest hält der Versicherer bis Vertragsende in der Kasse. Diese Leistung wird oft auch Schlussgewinn genannt. Dessen Höhe ist nicht gesetzlich geregelt. Verträge mit hohem Garantiezins haben oft magere Schlussgewinne, die bei Kündigung wegfallen können.

  • Leistung bei Rückkauf

    Die Summe bekommen Kunden, die kündigen, zum angegebenen Stichtag. Der genannte Betrag im Bescheid ist garantiert, der Rest sind unverbindliche Beteiligungen an Überschüssen.

  • Bewertungsreserven

    Sie entstehen durch Kursgewinne auf die vom Versicherer gehaltenen Wertpapiere. In einem Beispielfall stellte die Versicherung sieben Monate vor Wirksamwerden der Vertragskündigung noch eine Schlusszahlung aus Bewertungsreserven in Höhe von 6629 Euro in Aussicht. Mit der Kündigung zum 1. Januar 2014 schrumpfte der Betrag auf 4896 Euro. Ob das in Ordnung geht, kann nur die Aufsicht BaFin nachrechnen. Tipp: Wenn Sie Ihren Versicherer nach dem "Sockelbetrag" und dem "volatilen Anteil an den Bewertungsreserven" fragen, kann er sie nicht mit pauschal zu niedrigen Werten abspeisen.

Kurzfristig steuert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gegen, indem sie die Versicherer dazu zwingt, mehr Geld für die Erfüllung künftiger Verpflichtungen zurückzulegen: 13,3 Milliarden Euro in den letzten drei Jahren. „Und das wird weitergehen. Die Branche weiß, dass die Zinszusatzreserve auch ihr nutzt", sagte Hufeld. „Langfristig löst dies die Probleme jedoch nicht. Wenn wir japanische Verhältnisse bekommen, dann hilft auch das irgendwann nicht mehr."

„Eins ist klar: Wir sind nicht das Gewerbeförderungsamt, sondern die Versicherungsaufsicht", sagte Hufeld, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir sind für das Risikomanagement und die finanzielle Stabilität zuständig und nicht dafür, wechselnde politische Ziele zu unterstützen. Aber schon heute ist bei Investitionen etwa in Infrastruktur viel mehr möglich als die Unternehmen machen."

Die Bundesregierung hatte kürzlich ein Reformpaket auf den Weg gebracht, das die Ausschüttungen von stillen Reserven aus festverzinslichen Wertpapieren an die Kunden begrenzt. Hufeld verteidigte das Paket gegen die Kritik von Verbraucherschützern und Politikern: „Das Paket ist zwingend geboten. Überhöhte Ausschüttungen müssen gestoppt werden", betonte er.

„Wir reden hier nicht von einem Rettungspaket, wie man es für einige Banken geschnürt hat", sagte Hufeld. Das Gesetz dient gleichzeitig der Stabilisierung der Lebensversicherer und der Verteilungsgerechtigkeit innerhalb des Versichertenkollektivs. Denn die Bilanzen der Lebensversicherer bestünden zu mehr als drei Viertel aus den Rückstellungen für künftige Auszahlungen. „Die Interessen der Versicherer und der Versicherten kann man darum nicht trennen. Sie gegeneinander auszuspielen ist logischer Unfug."

Hufeld hatte im Herbst Alarm geschlagen, dass einige der deutschen Lebensversicherer an den von 2016 an geltenden neuen Eigenkapitalregeln ("Solvency II") für die Branche scheitern könnten. Die BaFin überprüft im August und September deshalb, wie die Versicherer mit Solvency II zurechtkämen. „Aber selbst wenn wir bei einem Unternehmen Lücken feststellen sollten bei der Bedeckung des Solvenzkapitals, heißt das noch lange nicht, dass das Unternehmen pleite ist", sagte Hufeld. Dann würde die Finanzaufsicht zusammen mit dem Versicherer Gegenmaßnahmen erarbeiten. „Niemand muss Sorge um seine Verträge haben", beruhigt Hufeld die Kunden. „Die Widerstandsfähigkeit der Branche ist hoch."

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