ThemaLebensversicherung

alles zum Thema
_

Verzinsung: Wie die Schuldenkrise Lebensversicherungen belastet

von Michael Detering Quelle: Handelsblatt Online

Für die meisten Versicherten wird sich die Griechenland-Krise nur in geringem Maße auf die Verzinsung auswirken. Das größte Problem für die Versicherer ist indes ein anderes.

Versicherungen Quelle: Handelsblatt.com
Versicherungen Quelle: Handelsblatt.com

Wie lukrativ ist noch die Lebensversicherung? Manche Kunden machen sich angesichts immer neuer Schreckensmeldungen zur Schuldenkrise Sorgen, dass ihre Lebensversicherung künftig weniger Rendite abwirft.

Anzeige

Für neue Verträge garantieren die Versicherer, dass sie das Geld des Kunden mit mindestens 2,25 Prozent verzinsen. Neben dem Garantiezins müssen die Versicherer ihre Kunden aber auch an den Überschüssen beteiligen, die sie an den Kapitalmärkten erwirtschaften. Das ist gesetzlich genau vorgeschrieben. Daher ist die Gesamtrendite derzeit deutlich höher als der Garantiezins, sie liegt aktuell bei über vier Prozent.

Wie wirkt sich nun die Schuldenkrise auf die Verzinsung aus? Versicherungskonzerne legen das Geld ihrer Kunden an den Kapitalmärkten an, vor allem in festverzinsliche Wertpapiere von Banken, Unternehmen und Staaten, zu einem geringen Teil in Aktien und Immobilien. Zumindest was griechische Papiere betrifft, sind die Folgen überschaubar, denn Griechen-Bonds machen weniger als 0,3 Prozent der gesamten Kapitalanlage der deutschen Versicherer aus.

Niedrigzinsumfeld größtes Problem für Versicherer

„Selbst wenn Versicherer auf einen Teil dieser Forderungen länger warten oder verzichten müssten, würde sich das auf die Verzinsung der Lebensversicherung branchenweit allenfalls nach dem Komma auswirken“, heißt es beim Branchenverband GDV.

Am Beispiel der Allianz lässt sich durchrechnen, dass sich selbst zunächst groß erscheinende Abschreibungssummen beim Endkunden nicht stark bemerkbar machen.

Die Allianz hat zum Halbjahr ihre griechischen Staatsanleihen auf den Marktwert abgeschrieben. Die Wertminderung betrug 644 Millionen Euro. Die Lastenaufteilung sieht dabei wie folgt aus: Die Überschussbeteiligung der Kunden wurde um 203 Millionen Euro geschmälert, das Konzernergebnis wurde netto um 441 Millionen Euro belastet. Nach positiven steuerlichen Effekten blieb für den Konzern noch eine Belastung von 326 Millionen Euro.

Diese Zahlen gelten für den Gesamtkonzern und für die Kunden weltweit. In Deutschland sieht es besser aus: Die Allianz Deutschland verbuchte bei griechischen Anleihen nur eine Wertminderung von 103 Millionen Euro. Der größte Teil davon entfällt auf die Lebensversicherungssparte, aber eine Konzernsprecherin beruhigt: „Gemessen an Kapitalanlagen von über 150 Milliarden Euro wirkt sich die Abschreibung nicht auf die Überschussbeteiligung der Kunden aus.“

Finanzkrise stärkere Belastung

Analysten sehen das ähnlich. „Für die deutschen Kunden wird Griechenland allein keine wilde Geschichte“, sagt Christian Muschick von Silvia Quandt Research. Die Finanzkrise 2008 und 2009 hätte die Versicherer stärker belastet. Die aktuellen Turbulenzen könnten sich allerdings dann schlimmer auf die Portfolios der Versicherer auswirken als die letzte Finanzkrise, wenn auch auf andere, größere Länder wie Spanien und Italien deutliche Abschreibungen vorgenommen werden müssten.

Als größtes Problem für die Versicherer wird indes von vielen Experten das Niedrigzinsumfeld genannt. Viele sichere Anlagen werfen nur noch wenig Rendite ab, die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zuletzt etwa unter zwei Prozent. Wegen dieser Kapitalmarktsituation sind sich Experten wie Stephan Kalb von der Ratingagentur Fitch sicher: „Die Überschussbeteiligung wird etwas unter Druck kommen.“

Um die Verzinsung der Kunden zu glätten, halten die Versicherer allerdings große Reserven. Wenn es an den Kapitalmärkten schlechter läuft, können sie hierauf zurückgreifen, in gut laufenden Phasen werden die Reserven wieder aufgefüllt. Problematisch könnte es allerdings werden, wenn die Niedrigzinsphase über viele Jahre anhält.

Erleichterungen

Bei der EU-Kommission werden in einer Arbeitsgruppe mildere Aufsichtsregeln für Versicherer diskutiert. Finanzkreise bestätigten einen Bericht der Zeitung „Financial Times Deutschland“.

Zuschlag

Versicherer bilden für die künftigen Rentenzahlungen an ihre Kunden Rückstellungen. Wie viel sie zurücklegen, hängt ab von dem Zinssatz, den die Versicherer prognostizieren. Damit kurzfristige Marktturbulenzen nicht die langfristige Anlagepolitik der Versicherer beeinflussen, soll mit einem „antizyklischen Zuschlag“ („Counter-Cyclical Premium“) die Aufsicht in Krisenzeiten die Zinsannahmen hochsetzen können und so den Rückstellungsbedarf verringern.

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Gastbeitrag: Renditechancen in den USA?
Gastbeitrag: Renditechancen in den USA?

Doug Forsyth, Manager des Fonds Allianz US High Yield, erläutert in einem Gastbeitrag, warum er die Risiken von...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.