Vorzeitig in Ruhestand: "Trend zu flexibleren Übergängen"

InterviewVorzeitig in Ruhestand: "Trend zu flexibleren Übergängen"

von Heike Schwerdtfeger

Wer sich vor offiziellem Rentenbeginn aus dem Job zurückziehen möchte, braucht Unterstützung vom Arbeitgeber und muss bei der Karriere zurückstecken können. Personalexperte Thomas Jasper erläutert, die Arbeitgeber damit umgehen.

WirtschaftsWoche: Herr Jasper, wie gehen Unternehmen heute damit um, wenn Arbeitnehmer vorzeitig aus dem Job aussteigen wollen?

Thomas Jasper: Wir wollen nichts beschönigen, lange galt der frühere Ruhestand als eine Möglichkeit, um Personal abzubauen. Aber das hat sich in den Unternehmen stark gewandelt. Es geht jetzt nicht mehr darum, Platz für junge Mitarbeiter zu machen, sondern die Expertise der älteren Mitarbeiter zu nutzen. Das Modell „one size fits all“ hat für den Rentenbeginn ausgedient. Denn der demografische Wandel mit dem Problem, dass Fach- und Führungskräfte fehlen, ist in der Unternehmenswirklichkeit angekommen. Das ist kein Trugbild mehr. Die Unternehmen spüren bereits, dass die Menschen, die sie brauchen,  in Deutschland immer schwieriger zu finden sind.

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Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson, im Interview mit WirtschaftsWoche.

Bild: Presse

Heißt dass, es wird generell schwieriger mit dem früheren Ausstieg aus dem Job?

Es gibt eine gewisse Tendenz, Altersteilzeitmodelle zurückzufahren, weil die staatliche Förderung gestrichen wurde. Die Unternehmen wissen aber natürlich auch, dass es Bereiche gibt, in denen ab einem bestimmten Alter nicht mehr in jedem Fall 100 Prozent gearbeitet werden kann. Der Renteneintritt wird künftig auch nicht mehr so stark als ein zeitpunktbezogenes Ereignis gesehen, sondern eher als eines, das über einen längeren Zeitraum läuft mit einem flexibleren Übergang von der Arbeit in den Ruhestand. Denn es gibt ja sowohl Arbeitnehmer, die im rentennahen Alter gerne noch arbeiten wollen, als auch Arbeitnehmer, die lieber früh aussteigen wollen. Hier müssen Lösungen entwickelt werden, die den Interessen des jeweiligen Arbeitgebers und der jeweiligen Arbeitnehmer gerecht werden.

Nutzen Unternehmen Kontingente, um eine bestimmte Zahl an Arbeitnehmern in den Ruhestand zu schicken?

Das gibt es. Denn es ist natürlich gefährlich für ein Unternehmen, wenn zu viele Arbeitnehmer mit viel Erfahrung gleichzeitig das Unternehmen verlassen. Aber die Kontingente werden den verschiedenen Ansprüchen der Arbeitnehmer nicht unbedingt gerecht. Mancher sucht ja nach einer Möglichkeit, einen neuen Karrierepfad zu finden, dass er sein Wissen nutzbringend einsetzen kann, aber trotzdem etwas kürzer treten kann. Das setzt beim Arbeitgeber auch mehr Flexibilität voraus. Es ist ein Trend zu erkennen, der weggeht von starren, rein arbeitgeberfinanzierten Personalabbaumaßnahmen hin zu flexiblen Übergängen in den Ruhestand – etwa durch eine Kombination aus Teilzeit und Teilrente – je nach finanzieller Situation der Mitarbeiter, Art der Arbeit oder Personalbedarf des Unternehmens. So bleiben Unternehmen das Wissen und die Fähigkeiten älterer Mitarbeiter länger erhalten. Da können etwa flexible Arbeitszeitmodelle, wie Lebensarbeitszeitkonten, Demografiefonds oder auch eine betriebliche Altersvorsorge unterstützen.

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Ist es nicht auch eher ein psychologisches Problem für viele, die sich dann auch von ihrem Karrierehöhepunkt und der Chefrolle wegbewegen müssen und in die hintere Reihe treten müssten?

Viele Arbeitnehmer werden künftig ohnehin nicht mehr vom Höhepunkt ihrer Karriere aus in den Ruhestand wechseln, sondern ihre Arbeitsbelastung schrittweise zurückfahren. Das bedeutet auch, dass sich organisatorisch im Unternehmen einiges ändern müsste, weil mit der kürzeren  Arbeitszeit auch die Rolle und der Aufgabenumfang des jeweiligen Arbeitnehmers neu zu definieren sind. Es gehört mehr dazu, als nur Verträge abzuschließen – die neuen Karrieremodelle müssen von beiden Seiten akzeptiert und gelebt werden.

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