Währungen: Flucht in den Franken

Währungen: Flucht in den Franken

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Alle schlagen den Euro. Die Kursentwicklung von Singapur Dollar, Schweizer Franken und Südkoreanischem Won. Für eine Großansicht auf das Bild klicken.

von Stefan Hajek und Annina Reimann

Aus Sorge um den Euro schaufeln Anleger Milliarden in den Schweizer Franken. Dessen Wechselkurs droht heißzulaufen. Eine Alternative bieten Währungen asiatischer Schwellenländer.

Raus! Nichts wie raus! Das Geld der Deutschen ist auf der Flucht, vor allem in die Schweiz. Diesmal sind es keine Steuerbehörden, die Anleger ins Alpenland treiben; diesmal fürchten sie Schlimmeres: Seit Ausbruch der Griechenland-Krise grassiert die Furcht vor Inflation und Kaufkraftverlust des Euro.

Seine Kunden hätten seit Ende Mai dutzendweise zinslose Schweizer-Franken-Konten eröffnet und 1,5 Millionen Euro in Franken getauscht, erzählt der Chef einer kleinen Sparkasse in Südbaden. Bei Deutschlands größter Online-Bank Comdirect ist das in Fremdwährungskonten angelegte Volumen seit Januar um 50 Prozent gestiegen.

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„Die meisten wollen ihr Geld aber nicht nur in Franken anlegen, sondern auch geografisch in der Schweiz“, sagt Rupert Bader von der Münchner Niederlassung der Schweizer Bank Vontobel. Sein Zürcher Mutterhaus erfreut sich regen Zuspruchs deutscher Anleger. Täglich sieben Milliarden Euro seien zeitweise in Franken geflossen, schätzt Hans Günter Redeker, Chef-Währungsstratege bei BNP Paribas. Nicht einmal noch niedrigere Zinsen als in ihren Heimatländern können Euro-Anleger fernhalten: Gerade einmal 0,375 Prozent zahlen Schweizer Banken im Schnitt auf kurzfristig verfügbare Spareinlagen. Deutsche Banken bieten mehr als das Doppelte.

Sicherer Brückenkopf

Doch die Euro-Flüchtlinge kommen nicht wegen der Zinsen. „Der Franken hat als Fluchtwährung in etwa die gleiche Funktion wie Gold“, sagt Redeker. Anlagen in Franken seien nicht „End-, sondern Etappenziel, ein sicherer Brückenkopf, bis man wieder klarer sieht“.

„Auf Dauer ist der Franken viel zu klein, um als globale Reservewährung zu fungieren“, sagt Jürgen Büscher, Gründer des auf Währungen spezialisierten Hedge-fonds PAM. Wohl wahr: Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) macht er nur etwas mehr als ein Promille der globalen Währungsreserven aus; fast die Hälfte sind US-Dollar, rund ein Viertel Euro.

So kleine Währungen überhitzen schnell, wenn in sie viel Kapital fließt. Allein in den beiden letzten Juniwochen stieg der Franken um sechs Prozent zum Euro. „Kurzfristig ist er überteuert. Eine heftige Gegenbewegung könnte den Euro in den nächsten Wochen um 10 bis 15 Prozent nach oben treiben“, warnt Büscher.

Auch mit heftigen Bremsversuchen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist jederzeit wieder zu rechnen. In den vergangenen Monaten hatte sie schon massiv Euro gekauft, vor zehn Tagen aber vorerst aufgehört. Der Wert der ausländischen Devisenreserven stieg seit Januar von 95 Milliarden auf 232 Milliarden Franken Ende Mai; gut zwei Drittel davon, schätzt Redeker, sind Euro.

Die Euro-Käufe der SNB konnten den Höhenflug des Franken zwar nicht verhindern, „haben ihn aber gebremst“, sagt Büscher. Trotz der stützenden Käufe der Schweizer fiel der Kurs des Euro gegenüber dem Franken seit Dezember von 1,52 auf 1,32. „Ohne Stützungskäufe wäre der Franken vielleicht schon Richtung Parität zum Euro unterwegs“, meint Büscher. Die Schweizer fürchten vor allem um ihre exportlastige Industrie, wenn der Franken zu stark wird. „Jeder Cent, den der Euro gegenüber dem Franken verliert, schmälert unseren Reingewinn um drei Millionen Franken“, sagte Mark Hill vom Schweizer Zahnimplantate-Hersteller Straumann der „Handelszeitung“.

Sogar radikale Gegenmaßnahmen der SNB hält Büscher für denkbar, um Spekulanten abzuschrecken. In den Siebzigern, als Hochinflation und Krisen schon einmal Anleger aus aller Welt in den Franken trieben, erhob die SNB Negativ-Zinsen. Kurzfristig würde er von neuen Franken-Engagements daher massiv abraten, so Büscher, „auf Sicht von ein, zwei Jahren sieht es aber besser aus“.

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