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Wohngebäude: Die beste Versicherung fürs Eigenheim

von Thomas Schmitt Quelle: Handelsblatt Online

Wer sein Einfamilienhaus versichert, zahlt oft drauf. Die Preisunterschiede sind gewaltig - bei nahezu identischen Tarifen. Wie Versicherte sich gut schützen und den Konkurrenzkampf der Versicherer nutzen. Ein Ratgeber.

Überflutete Keller: Das passiert nach einem überraschenden Starkregen heute häufiger als gedacht. Quelle: Reuters
Überflutete Keller: Das passiert nach einem überraschenden Starkregen heute häufiger als gedacht. Quelle: Reuters

DüsseldorfAufgepasst! Wenn Versicherer laut klagen, sollten Kunden aufhorchen. Denn oft stimmen sich die Manager so gemeinsam auf höhere Preise ein. Und mehr zahlen soll natürlich demnächst der Kunde - in Form einer höheren Prämie. Bei den Versicherern von Häusern und Wohnungen scheint das gerade der Fall zu sein. 

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Neben der Autoversicherung sei die Wohngebäudeversicherung „ein weiteres Sorgenkind“ der Branche, urteilt Robert Pohlhausen. Er muss es wissen, denn er ist Manager des Hannoveraner Sparkassenversicherers VGH und zugleich Sprecher für die Schaden- und Unfallversicherer im Branchenverband GDV. 

Experten bestätigen den Befund aufgrund einer Befragung der größten Anbieter: „Nur 15 Prozent verdienen überhaupt Geld im operativen Geschäft“, sagt Dirk Schmidt-Gallas von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. In den vergangenen Jahren haben die Wohngebäudeversicherer Milliardenverluste angehäuft. Viele konnten das durch Gewinne in anderen Sparten ausgleichen. Doch wie lange geht das noch? Die Empfehlung des Beraters an die Versicherer lautet daher: „Preise erhöhen, Rabattvergabe überdenken und Bestand sanieren.“ 

Für Kunden bedeutet das: Sie müssen mit einer härteren Gangart der Versicherer rechnen. Dadurch kann sich im Einzelfall auch mal der Service verschlechtern. Doch auch wenn der eigene Versicherer aus Konkurrenzgründen nicht die Prämien anziehen sollte, Vergleiche lohnen sich in jedem Fall. Denn Analysten stellen gewaltige Preisunterschiede in der Wohngebäudeversicherung fest. Der teuerste Anbieter verlangt mitunter drei Mal so viel wie der günstigste – und das bei nahezu identischer Qualität des Produkts.   

„Erst die genaue Analyse offenbart die größten Unterschiede in den untersuchten Tarifen zur Wohngebäudeversicherung“, stellen die Analysten von Franke und Bornberg fest. Sie haben insgesamt 267 aktuell am Markt platzierte Tarife auf 73 verschiedene Leistungsdetails hin untersucht und bewertet. Für drei Beispielhäuser aus Hamburg, Hessen und Bayern fragte das Analysehaus - exklusiv für das Handelsblatt - die Preise bei besonders gut benoteten Versicherern ab. Die Ergebnisse finden sich auf den folgenden Seiten. Sie zeigen: Eine gute Wohngebäudeversicherung muss nicht teuer sein. Sie sollte aber gut sein.

Schließlich sei der Bau oder Kauf von Wohneigentum für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebens- und Vermögensplanung, stellen die Analysten fest. Viele verbänden damit eine sichere Geldanlage, einen Teil ihrer Altersvorsorge und den Wunsch, sich eigene Werte zu schaffen. Um dieses Eigentum zu schützen, gehöre für jeden Hausbesitzer eine Wohngebäudeversicherung zu den existenziell wichtigen Versicherungen.

Wie die Versicherer den Klimawandel nutzen

Vorsicht ist für Kunden in dieser Sparte in jedem Fall geboten, wie die Aussagen der Versicherungsmanager belegen. Denn die Wohngebäudeversicherer haben eine Menge Probleme. Schäden an Wohngebäuden hätten 2011 vor allem Unwetter im Sommer und Hochwasser verursacht, sagt Manager Pohlhausen. Vier Milliarden Euro zahlten die Versicherer laut Hochrechnung im letzten Jahr in dieser Sparte an ihre Kunden, immerhin 2,5 Prozent weniger als im stark belasteten Jahr zuvor. Doch das Leistungsvolumen sei nach wie vor ausgesprochen hoch. „Auf der Schadenseite ist keinerlei Entspannung erkennbar, auch nicht in der Zukunft“, sagt Pohlhausen. 

Der Klimawandel lässt grüßen. Doch das ist es nicht allein. „Der ausgesprochen rege Wettbewerb führt dazu, dass die Wohngebäudeversicherer seit mehr als zehn Jahren mit versicherungstechnischem Defizit leben müssen“, analysiert Pohlhausen. Mit anderen Worten: tiefrote Zahlen. Die viel beachtete Schaden- und Kostenquote lag zuletzt bei 108 Prozent. Das heißt: Acht Prozent der Schäden und Kosten an Häusern und Wohnungen waren zuletzt nicht durch die Prämien gedeckt. In Jahren mit besonders vielen Katastrophen erreichte dieser Wert in der Spitze sogar 44 Prozent. 

Die verheerenden Verwüstungen vieler Unwetter führen die Versicherer inzwischen auf den Klimawandel zurück. Dieser bringt jedoch nicht nur Schäden, sondern auch einen neuen Grund, mit den Kunden zu reden und Zusatzversicherungen zu verkaufen. „Die meisten Hausbesitzer und Mieter haben heute keinen ausreichenden Versicherungsschutz gegen Naturgefahren wie Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsch oder Schneedruck“, sagt Manager Pohlhausen. Hierfür bräuchten sie eine Elementarschadenversicherung. 

Das ist eine Zusatzversicherung zur Wohngebäudeversicherung. Die meisten Schäden entstehen durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Viel teurer kann es jedoch werden, wenn plötzlich Starkregen den Keller unter Wasser setzt oder Schneemassen das Dach zum Einsturz bringen. Diese Gefahren seien vielen Bürgern jedoch nicht bewusst sei. Nur in Teilen von Süddeutschland besitzen traditionell überdurchschnittlich viele Versicherte solch einen Schutz gegen elementare Risiken, zu denen auch ein Erdbeben gehört.

Oft scheuen die Versicherer vor allzu großen Risiken zurück, doch im Fall der Wohngebäudeversicherung soll das nicht der Fall sein. Manager Pohlhausen ist sicher: nahezu 99 Prozent der Gebäude in Deutschland seien heute problemlos gegen Elementargefahren versicherbar. Die Versicherer könnten heute selbst das Hochwasserrisiko für kleine Fließgewässer risikogerecht kalkulieren.

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