Zertifikate: Rettung für WestLB-Anleger in Sicht

Zertifikate: Rettung für WestLB-Anleger in Sicht

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Eine Fahne von der WestLB

von Anton Riedl

Sparkassenkunden suchten wenig riskante Papiere. Sie akzeptierten bescheidene Renditen, gerieten aber dennoch in den Strudel um den Untergang der Bank. Was wird aus ihren 15 Milliarden Euro?

Die WestLB wird überleben, die Eigentümer stehen hinter der Landesbank, der Bund hilft – das ist das Fazit von Steffen Kampeter, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, zur Zukunft der Westdeutschen Landesbank. Als neue Verbundbank der Sparkassen, so das wahrscheinlichste von drei nach Brüssel zur EU übermittelten Konzepte zur Zukunft der Landesbank, wird die schwer angeschlagene WestLB von bisher mehr als 200 Milliarden Euro Bilanzsumme auf ein Fünftel zusammengestutzt. Weite Teile werden verkauft, der Rest abgewickelt. Nach einer monatelangen Hängepartie soll das Rettungskonzept bei Anlegern, Bankkunden und Eigentümern nun für klare Verhältnisse sorgen. „Keiner muss sich größere Sorgen machen“, beruhigt Kampeter.

Diese Botschaft wird Herbert Köhler aus Hamburg (Name von der Redaktion geändert) gern hören. „Ich habe im Sommer 2009 für 130 000 Euro Zuwachsanleihen der WestLB mit Sonderkündigungsrecht im Juli 2011 bei vollem Kapitalschutz gekauft“, schreibt Architekt Köhler der Redaktion. „In Ihrem Bericht habe ich vor Kurzem gelesen, dass der Kunde im Extremfall leer ausgehen kann, da bei solchen Papieren kein Sondervermögen existiert. Was soll ich jetzt tun?“

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Zuwachsanleihen, auch Stufenzinsanleihen genannt, sind hierzulande die häufigste Form zinsorientierter Zertifikate. Sie sind ähnlich aufgebaut wie klassische Unternehmensanleihen, bieten allerdings einen variablen Kupon, der alle ein oder zwei Jahre etwas höher ausfällt. Zuwachsanleihen sind Inhaberschuldverschreibungen der ausgebenden Bank, in diesem Fall der Emittentin WestLB. Ob Anleger regelmäßig ihre Zinszahlungen bekommen und am Ende ihr Geld wiedersehen, hängt von der Rückzahlungsfähigkeit der Bank ab, ihrer Bonität.

Mit der jetzt absehbar wahrscheinlichen Zerlegung der WestLB schätzen die Märkte die Rückzahlungsfähigkeit der Bank deutlich besser ein. Die Risikoprämien für Anleihen der WestLB, die sogenannten Credit Spreads, sausten nach Bekanntgabe der Überlebensstrategie binnen weniger Stunden von 3,7 Prozent auf 2,3 Prozent herunter. Dieser Wert gibt an, wie viel ein Gläubiger bezahlen muss, wenn er sich gegen einen Ausfall des Schuldners WestLB versichern will. Je höher die Prämie, als desto wackliger stuft der Markt eine Bank ein.

Sparer im Risiko

Die bisher extrem schlechte Bewertung der WestLB hat sich gebessert. Dennoch wird keine der großen Zertifikatebanken hierzulande als so gefährdet eingestuft wie die WestLB.

Und die ist mit 15,4 Milliarden Euro Gesamtvolumen an ausstehenden Zertifikaten eine der großen Adressen in diesem Spiel. Nicht weit hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank ist die WestLB die Nummer drei bei derivativen Anlage- und Spekulationspapieren. Bei strukturierten Anleihen, deren wichtigste die Zuwachs- oder Stufenzinsanleihen sind, ist die WestLB sogar mit Abstand Marktführer. Laut Derivateverband DDV hatten deutsche Sparer Ende November vergangenen Jahres 39,8 Milliarden Euro in strukturierten Anleihen angelegt. Knapp 13 Milliarden davon stammen von der WestLB. Dahinter rangieren die Commerzbank (8,9 Milliarden Euro), die Deutsche Bank (8,1 Milliarden Euro) und die HypoVereinsbank (2,6 Milliarden Euro).

Alle Herausgeber von strukturierten Anleihen haben eines gemeinsam: Sie haben Zugriff auf ein dichtes Filialnetz – und das hilft beim Verkauf dieser Papiere enorm. „Mehr als 80 Prozent unserer strukturierten Anleihen werden über Sparkassen verkauft“, sagt Frank Haak, Zertifikatefachmann der WestLB. Derivateanalysten nennen diese Papiere deshalb auch Zeichnungsprodukte.

Im Gegensatz zu sogenannten Flow-Produkten wie Discountzertifikaten, Indexpapieren und klassischen Optionsscheinen, die über die Börsen oder direkt über die Emittenten gehandelt werden, gehen strukturierte Anleihen meist als Neuemissionen direkt bei den Sparkassen über den Tisch.

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