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Zinsen, Gebühren, Entgelte: Wo Banken bei Privatkunden abkassieren

von Jens Hagen Quelle: Handelsblatt Online

Die Banken haben Privatkunden als Ertragsquelle entdeckt: Seit der Lehman-Pleite hat fast jede dritte Bank die Gebühren erhöht, darunter auch die großen Finanzkonzerne. Welche Kunden mehr zahlen müssen.

Zentrale der Deutschen Bank: Notorische Gebührenerhöhungen plagen die Privatkunden. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank: Notorische Gebührenerhöhungen plagen die Privatkunden. Quelle: dpa

Wenn die Deutsche Bank wieder mal einen Brief an ihre Kunden schreibt, bedeutet das für die selten etwas Gutes. Sobald das vormals ordentlich verzinste Festgeld ausläuft, erhalten Sparer bei der Verlängerung um vier Jahre nur noch einen Satz von einem Prozent. Nach einem Tagesgeldkonto ohne Beschränkungen suchen Kunden seit Jahren vergebens, der Dispozins liegt bei 12,5 Prozent.

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Bei geduldeten Überziehungen gilt beim Branchenprimus seit Juni neuerdings ein „Mindestpreis von 6,90 Euro pro Quartal“. Zum 21. August erhöhte das Institut die Entgelte für eine schriftliche Benachrichtigung bei Ablehnung einer Überweisung um mehr als das zweieinhalbfache.

Innerhalb der Europäischen Union sind die Einlagen mindestens bis 100.000 Euro pro Person gesichert. Im Pleitefall muss die Bank das Geld spätestens nach 20 Tagen zurückzahlen. Innerhalb der einzelnen Länder gibt es neben der Einlagensicherungsanforderungen der EU auch nationale Einlagensicherungen.

Einlagensicherungsfonds
Bei Banken in Deutschland, die neben der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung auch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) angehören, sind Einlagen in Millionenhöhe abgesichert. Öffentliche Banken und Sparkassen können mithilfe eigener Einrichtungen unbegrenzten Schutz anbieten.

Ausländische Einlagensicherung
Banken mit Geschäftssitz außerhalb Deutschlands verfügen über jeweilige nationale Sicherungsregeln. Der Mindestschutz beträgt jedoch die von der EU vorgegebenen 100.000 Euro.

Kombination aus deutscher und ausländischer Einlagensicherung
Bei einer Kombination der Sicherungsregeln greift im Pleitefall zunächst die ausländische Einlagensicherung, bei Summen über 100.000 Euro träte die Einlagensicherung des BdB in Kraft.

Ermitteln Sie hier individuell, wo es die besten Zinsen gibt und welche Banken sicher sind.

Auf den folgenden Seiten zeigen wir die besten Tagesgeld-Angebote; Anlagesumme: 10.000 Euro, ohne Neukunden-Aktionen; Quelle: FMH-Finanzberatung, Angaben der Banken, Stand: 8. Juli 2012.

Bild: gms

Fast jeder Kunde ist betroffen. Die Standard-Kreditkarte wird zur nächsten Abrechnung um 30 Prozent teurer und kostet dann stattliche 39 Euro. Schon die Gebühr für das Einstiegskonto stieg zuletzt um elf Prozent auf knapp 60 Euro pro Jahr. Wer eine Überweisung in Papierform abgibt, wird mittlerweile mit 1,50 Euro zur Kasse gebeten.

Die Deutsche Bank rechtfertigt sich, dass sie die Preise ihrer Produkte lange Jahre habe stabil halten können. Die Bank hätte kontinuierlich in gute Beratung, Dienstleistungen und erweiterten Leistungsumfang investiert. "Die Deutsche Bank liegt mit ihren Entgelten für Dienstleistungen und Produkte im Marktumfeld", erklärt ein Sprecher. Denn der Marktführer steht mit seinem Stakkato an Preiserhöhungen nicht alleine da.

Bargeld

In Krisenzeiten ist es sinnvoll, das Portemonnaie voll zu haben. Möglicherweise werden ec-Karten zur Bezahlung nicht akzeptiert, und Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus. Sehr Vorsichtige horten das für vier Wochen nötige Bargeld im heimischen Safe. Nach einer Bankpleite müssen die EU-weit vorgeschriebenen gesetzlichen Einlagensicherungstöpfe einspringen. Sie sollen Guthaben von Girokonten, Tagesgeldern und Sparbüchern bis zur Höhe von 100.000 Euro nach maximal 20 Arbeitstagen wieder bereitstellen. Diese Zeit ist zu überbrücken.

Graue Flamme = Sicher bei Bankpleite, fünf rote Flammen = hohes Risiko

Bild: Sebastian_Wolf

Nach einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online hat seit der Pleite der Investmentbank Lehman-Brothers im September 2008 knapp jede dritte Bank ihre Preise für Girokonto und Kreditkarte erhöht. Kein einziges der untersuchten 70 Institute wurde seit Beginn  der Finanzkrise durchweg günstiger. „Kunden von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind von der Preisrally betroffen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Seit Beginn der Finanzkrise hat sich die deutsche Bankenlandschaft verändert. Es gibt weniger unabhängige Privatbanken mit großem Filialnetz. Die Postbank und Norisbank gehören zur Deutschen Bank. Die Dresdner Bank landete bei der Commerzbank, die als Beteiligung vom Staat rigide überwacht wird. Zahllose Eigentümer wechselten seit dem Lehman-Crash. Aus der SEB wurde die Santander Bank, die Citibank wurde zur Targo-Bank und Unicredit kontrolliert die Hypovereinsbank. „Reduzierte Konkurrenz und neue Besitzverhältnisse geraten offenbar zum Nachteil des Kunden“, sagt Herbst.

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