
DüsseldorfIm Wettbewerb um kurzfristige Geldanlagen sind viele Versicherer höchstens Durchschnitt. Die Topkonditionen der Banken sind meist ein gutes Stück besser. Dieses Ergebnis ergab ein Zinsvergleich des Handelsblatts. Betrachtet wurden Laufzeiten von drei Monaten, einem Jahr und drei Jahren. Denn gerade in diesen Segmenten versuchen die Versicherer, den Banken Geld abzuwerben.
Im vergangenen Jahr floss das große Geld nicht so üppig in die Kassen der Versicherer wie 2010. Dies zeigen erste Zahlen, die das Versicherungsjournal gerade veröffentlicht hat. Danach ist der Boom im Geschäft mit großen Summen, den Einmalbeiträgen, vorerst beendet. Die Lebensversicherer sammelten hier nur noch 22 Milliarden Euro ein, rund fünf Milliarden Euro weniger als 2010. Dennoch sind die Zahlen weiter vorzeigbar. Denn das absolute Niveau ist immer noch höher als 2009 und in allen Vorjahren.
Dieses hohe Niveau ist überraschend, weil viele Banken bessere Konditionen für die kurzfristige Geldanlage bieten. Dies stellt auch die Ratingagentur Assekurata fest. Wettbewerbsfähig seien die Lebensversicherer nur verglichen mit dem Marktniveau am Geldmarkt, also dem Durchschnitt der Angebote. Aus der Sicht der Analysten ist das sogar gut, weil die Versicherer sich offenbar nicht zu „Übertreibungen“ verleiten ließen.
Aus Kundensicht ist es jedoch schlecht, weil sie bei den Versicherern nur mit durchschnittlichen Renditen rechnen dürfen. Wer mehr möchte, muss sich auf die Suche begeben und Internetportale wie die Seiten der FMH Finanzberatung aus Frankfurt nutzen. Dort findet er Angebote mit höheren Renditen.
Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die Sparprodukte mit Anlagecharakter aus der Versicherungsbranche betrachtet. Diese sogenannten Kapitalisierungsgeschäfte sind umstritten, weil Kritiker fürchten, die Versicherer könnten durch gute Konditionen für neue Kunde die treuen Altkunden benachteiligen. Deshalb legte die Finanzaufsicht Bafin der Branche hier einige Schranken auf.
Die Folge davon: Wenn ein Anleger sein Geld nach einem Jahr aus einem Versicherungsvertrag herauszieht, muss er mit Verlusten rechnen. Assekurata stellte jedenfalls fest, dass die Beitragsrenditen bei 26 von 39 betrachteten Versicherern negativ waren. In der Spitze ging das bis zu minus acht Prozent.
WGV Leben führt die Rangliste der Versicherer an
Auf der positiven Seite des Zins-Spektrums fiel in der Studie von Assekurata die WGV Leben auf. Der Lebensversicherer ist erst 1989 gegründet worden und hat im vergangenen Jahr vom Branchendienst Map-Report eine sehr gute Bewertung für seine Leistungen erhalten – neben der gewöhnlich gut benoteten Debeka. Die Gruppe der WGV-Versicherungen besteht aus mehreren Versicherungsgesellschaften. WGV steht dabei für Württembergische Gemeinde-Versicherung a.G. Der Spezialversicherer ist auch sehr aktiv im Geschäft mit Autoversicherungen und versucht über WGV-himmelblau auch aktiv junge Kunde zu werben.
Nach drei Jahren hat sich das Bild dagegen aus Anlegersicht stark gewandelt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wird die Beitragsrendite positiv. Im Schnitt liegen die von Assekurata betrachteten Lebensversicherer in diesem Jahr bei 1,27 Prozent, das ist nur wenig schlechter als im Vorjahr, als Assekurata 1,39 Prozent im Mittel errechnete. Damit kann auch dieses Versicherungsprodukt mit Anlagecharakter mit vielen Bankenofferten mithalten, jedoch nicht mit den besten Angeboten.
Richtige Konkurrenz können den Banken nur ganz wenige Versicherer im kurz- und mittelfristigen Wettbewerb um Spargelder machen. Neben der WGV Leben mit 3,66 Prozent prognostizierter Beitragsrendite sind folgende Versicherer zu nennen, weil sie Beitragsrenditen von mehr als zwei Prozent nach drei Jahren schaffen könnten: Europa, Cosmos Direkt, Hanse Merkur, Aachen Münchener und Nürnberger.
Im Vergleich zum Vorjahr könnten es die Versicherer in diesem Jahr noch etwas schwerer haben, große Summen anzulocken. Denn die meisten ihrer Angebote sind schlechter geworden, wie Assekurata feststellt. Der Trend sinkender Deklarationssätze bei aufgeschobenen Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag habe sich auch in 2012 fort gesetzt. Das Ausmaß des Rückgangs falle in 2012 jedoch geringer aus als im Vorjahr.











