Zinszusatzreserve: Wie gefährdet sind Lebensversicherungen?

Zinszusatzreserve: Wie gefährdet sind Lebensversicherungen?

Lebensversicherer leiden unter den niedrigen Zinsen, erneut warnt eine Studie vor einer existenzbedrohenden Situation für einige Assekuranzen. Selbst ein Zinsanstieg berge demnach Gefahr.

Diese Frage stellen sich viele Lebensversicherte: Wie lange halten die Versicherungen die Niedrigzinsphase durch? Eine neue Studie der Ratingagentur Assekurata schürt erneut Zweifel an der Stabilität einiger Assekuranzen. Grund für die Bedenken ist vor allem die sogenannte Zinszusatzreserve, die die Versicherungen seit einiger Zeit vorhalten müssen.

Diese Reserve müssen Versicherer seit 2011 vorhalten, um ihre langfristigen Zusagen erfüllen zu können, insbesondere bei hoch verzinsten Altverträgen, die aktuell oder innerhalb der nächsten Jahre auslaufen. Gleichzeitig beschloss die Regierung im vergangenen Jahr, dass Versicherer ihre Kunden nicht mehr wie bisher zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligen muss. Trotzdem belastet die Zusatzreserve laut Assekurata die Zahlungsfähigkeit der Versicherer, da das entsprechende Kapital gebunden ist und für laufende Zahlungen fehlt.

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Ablaufleistungen Renditen bei Lebensversicherungen fallen weiter

Der neue map-report verdeutlicht einmal mehr das Dilemma der Lebensversicherer, die Ablaufleistungen sind weiter gesunken. Fast noch alarmierender ist, dass auch die Transparenz vieler Versicherer mangelhaft ist.

Die Ablaufleistungen der Lebensversicherungen - also die Auszahlungen zum Vertragsende - sinken von Jahr zu Jahr. Quelle: dpa

Laut Schätzungen von Assekurata liegt diese Reserve allein für 2015 zwischen zwölf und 14 Milliarden Euro, so viel wurde noch nie auf das Reservekonto gezahlt. Bleibt der Zins ähnlich niedrig wie aktuell, könnte der Reservetopf auf gut 150 Milliarden Euro anschwellen, schätzen die Ratingexperten. "Dadurch erfüllt sie den wichtigen Zweck, die Finanzierungsmittel für Garantien langfristig im Interesse der Versicherten zu erhalten", sagt Lars Heermann, Analyst bei Assekurata und Autor der Studie.

Das Problem: Wenn die Reserveanforderungen weiter steigen wie bisher und schließlich für alle Tarifgruppen gebildet werden müssen, dürfte das die Branche massiv belasten und "auf breiter Linie zu Finanzierungsengpässen führen", so die Studie. Aus den laufenden Erträgen dürften das nicht alle Versicherer stemmen können. Insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Eigenkapitalvorschriften im Rahmen von Solvency II warnt Assekurata daher vor Engpässen beim Eigenkapital der Versicherer.

Dazu kommt das grundsätzliche Dilemma. Die Leistungsversprechen an die Kunden sind in der Regel langfristiger, als die Laufzeiten der Kapitalanlagen, die die Versicherungen halten. "Dadurch gehen die Zinserträge schneller zurück als die Verpflichtungen der Lebensversicherer", sagt Heermann.

Wie sinnvoll ist eine Reserveregel, die die Versicherungen hemmt und ihr die liquiden Mittel nimmt? Die Lobby der Versicherer, der Verband GDV fordert naturgemäß bereits, die Zinszusatzreserve zu überarbeiten. "Dies erfordert Fingerspitzengefühl, um die wirtschaftliche Basis der Branche nicht überzustrapazieren, ihr aber dennoch eine gebührende Reservedisziplin zum langfristigen Schutz der Versicherten aufzuerlegen", sagt Heermann.

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Beunruhigend für Versicherte: Laut Assekurata würden auch steigende Zinsen die Welt der Versicherer nicht um 180 Grad drehen. Steigende Zinsen würden die Versicherer zwar perspektivisch entlasten und ihnen höhere Erträge garantieren. "Allerdings würde das auch die vorhandenen Bewertungsreserven auf festverzinsliche Anlagen mindern", schreiben die Assekurata-Analysten. So könne es passieren, dass sich die Zinszusatzreserve nicht mehr aus Gewinnen aus den Altpapieren finanzieren lasse und so auch Engpässe entstehen.

Ein Allheilmittel gegen die Folgen der Zinswelt gibt es folglich nicht. "Die Versicherer sind aktiv gefordert, sich unter den geänderten Rahmenbedingungen neu zu positionieren", sagt Heermann.

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