Zusatzbeiträge und Zusatzleistungen  : Wie Sie zur passenden Krankenkasse wechseln

Zusatzbeiträge und Zusatzleistungen  : Wie Sie zur passenden Krankenkasse wechseln

von Andreas Toller

Nach den jüngsten Änderungen am System der gesetzlichen Krankenkassen kann sich ein Versicherungswechsel wieder lohnen. Worauf es bei der Wahl der Kasse ankommt und wie der Wechsel gelingt.

Andere Länder beneiden Deutschland um das System der gesetzlichen Krankenversicherung, einigen osteuropäischen Ländern diente es sogar als Vorbild beim Aufbau eines staatlichen Systems zur medizinischen Versorgung. Hierzulande aber doktert die Bundesregierung an keiner anderen Sparte der Sozialversicherung so häufig herum wie an der Krankenversicherung.

Nicht zuletzt, weil starke Interessengruppen die Politiker dazu drängen: die Versicherten, die Versicherungen sowie die Verbände der Ärzte, Apotheker, Krankenhausbetreiber, Pharmakonzerne und anderer Heilberufe. Es geht um 70 Millionen Versicherte und viel Geld. 2013 bezahlten die gesetzlichen Krankenkassen medizinische Leistungen für knapp 183 Milliarden Euro.

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Der Zusatzbeitrag macht den Unterschied

Viele Versicherte scheinen dabei über die Jahre der zahllosen Gesundheitsreformen allmählich überdrüssig zu werden und nehmen Änderungen bei Konditionen und Beitragssätzen nur noch mit einem Schulterzucken hin. Nach einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox wussten bis Mitte Dezember 2014 40 Prozent der Befragten nicht, dass zum Jahreswechsel ein neues Beitragssystem bei den GKV gilt und der Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent vom Bruttolohn damit faktisch abgeschafft wird.

 

Die Krankenkassen mit den populärsten Leistungen

  • Die Leistungen

    Die folgenden Krankenkassen bieten die populärsten Leistungen. Die Auswahl wurde von Kassensuche.de anhand einer Studie erstellt, die die Frage hatte: Welche Leistungen suchen die Versicherten wirklich?
    Die polulärsten Leistungen sind:
    - Professionelle Zahnreinigung (Übernahme bzw. Zuschuss)
    - Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen
    - Übernahme von Homöopathie
    - Bonus für Einhaltung von Normalgewicht (BMI)
    - Bonus für Nachweis Nichtraucherstatus / Raucherentwöhnung
    - Bonus für Einhaltung aller Schutzimpfungen
    - Bonus für Jährliche Zahnvorsorge
    - Bonus für Teilnahme an Krebsvorsorge (Frauen ab 20, Männer ab 45 J.)
    - Bonus für Teilnahme am Gesundheits-CheckUp (alle 2 Jahre ab 35)
    - Programm zur Beitragsrückerstattung bei Leistungsfreiheit
    Es gibt Unterschiede bei der Ausgestaltung der Leistungen. Quelle: Kassensuche.de.

  • Barmer GEK

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • BKK Gildemeister Seidensticker

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,30 Prozent

  • BKK vor Ort

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • BKK Wirtschaft & Finanzen

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • DAK-Gesundheit

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • Die Schwenninger Krankenkasse

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,40 Prozent

  • HEK – Hanseatische Krankenkasse

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,40 Prozent

  • KKH Kaufmännische Krankenkasse

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • Novitas BKK

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

  • Securvita Krankenkasse

    Öffnung: bundesweit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent

Ab diesem Jahr gilt ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 Prozent für alle Kassen. Das ist sozusagen der Sockelbetrag, den jeder Versicherte mindestens zahlen muss.

Darüber hinaus dürfen die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) einen Zusatzbeitrag erheben, um eventuelle Finanzierungslücken zu schließen. Die Krankenkassen legen diesen Beitrag nach eigenem Ermessen fest. Um die Arbeitgeber bei den Lohnnebenkosten zu entlasten, müssen Arbeitnehmer die Zusatzbeiträge allerdings komplett allein zahlen.

Weil den Versicherungen durch den niedrigeren allgemeinen Beitragssatz nach Angaben des GKV-Verbandes rund elf Milliarden Euro im Gesundheitsfonds fehlen, müssen fast alle Kassen einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern fordern. Wie hoch dieser ausfällt, hängt davon ab, wie gut die Kasse wirtschaftet.

 

Höchstbeiträge sind gestiegen

Die höchste Ersparnis hat derjenige Versicherungsnehmer, der aufgrund seines hohen Einkommens den Maximalbeitrag zahlt. Die Beitragsbemessungsgrenze ist ein Monatsbruttoeinkommen von mindestens 4.125 Euro. Bei der teuersten Kasse hätte er einen Beitragssatz von 15,9 Prozent. Solch ein Kunde zahlt nach einem Wechsel zur günstigsten gesetzlichen Kasse ohne Zusatzbeitrag rund 650 Euro weniger im Jahr.

Die teuersten Krankenkassen

  • Platz 3

    Wieland BKK
    Beitragssatz: 15,70 Prozent
    Öffnung: betriebsbezogen

  • Platz 2

    BKK Braun-Gilette
    Beitragssatz: 15,80 Prozent
    Öffnung: bundesweit

    BKK Family
    Beitragssatz: 15,80 Prozent
    Öffnung: bundesweit

    BKK Pfalz
    Beitragssatz: 15,80 Prozent
    Öffnung: bundesweit

    HEAG BKK
    Beitragssatz: 15,80 Prozent
    betriebsbezogen

    Ikk Südwest
    Beitragssatz: 15,80
    Öffnung: regional

    Vereinigte BKK
    Beitragssatz 15,80 Prozent
    Öffnung: bundesweit

  • Platz 1

    Brandenburgische BKK
    Beitragssatz: 15,90 Prozent
    Öffnung: regional
    Quelle: Kassensuche.de

Da mit Beginn des Jahres 2015 auch die Beitragsbemessungsgrenze von 4050 auf 4125 Euro monatlich erhöht wurde, geht freiwillig gesetzlich Versicherten mit gutem Einkommen ein Teil der Ersparnis aber wieder verloren. Im Einzelfall kann es sogar sein, dass die neue Versicherung teurer ist - falls sie nicht gerade komplett auf einen Zusatzbeitrag verzichtet.

Darüber hinaus geht ein Teil der Einsparung schon dadurch verloren, dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Pflegeversicherung für das laufende Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent für Kinderlose erhöht wird.

 

Mehrere hundert Euro Unterschied

Der beliebteste Grund für einen Wechsel der Krankenkasse ist das eigene Portemonnaie. Laut Umfrage ist für 59 Prozent der Befragten eine Ersparnis die Hauptmotivation für eine Kassenwechsel. Dementsprechend versuchen einige Kassen, den Beitragssatz so niedrig wie möglich zu halten, selbst wenn ihr Finanzbedarf für einen höheren Zusatzbeitrag sprechen würde.

Nach der Umstellung des Beitragssystems kann durch einen Wechsel aber nur sparen, wer eine Kasse aussucht, die weniger als die bislang üblichen 15,5 Prozent vom Bruttolohn kassiert. Anders gesagt: Der Zusatzbeitrag muss möglichst deutlich unter 0,9 Prozent liegen, damit der Versicherte im Vergleich zum Vorjahr überhaupt profitiert.

Die günstigsten bundesweiten Krankenkassen

  • Platz 3

    BKK Firmus,
    BKK Provita,
    BKK VerbundPlus
    und IKK Gesund Plus
    Beitragssatz: Jeweils 15,20 Prozent

  • Platz 2

    Salus BKK
    Beitragssatz: 15,10 Prozent

  • Platz1

    HKK Krankenkasse
    Beitragssatz: 15,00 Prozent
    Quelle: Kassensuche.de

Inzwischen haben alle Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge gemeldet. Von den 124 gesetzlichen Krankenversicherungen kommen 50 mit ihrem Zusatzbeitrag genau bei den bisher gültigen 15,5 Prozent aus. 66 Kassen nehmen weniger, acht Versicherer verlangen sogar mehr als die bisherigen 15,5 Prozent. Eine Liste dazu bietet etwa das Vergleichsportal www.gesetzlichekrankenkassen.de oder auch die Seite des GKV-Spitzenverbandes unter www.gkv-zusatzbeitraege.de.

Nur zwei Krankenkassen schaffen es demnach, ganz auf einen Zusatzbeitrag zu verzichten, die BKK Euregio und die Metzinger BKK. Bei beiden handelt es sich allerdings um regionale Anbieter, die nur Mitglieder in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen beziehungsweise in Baden-Württemberg versichern, wenn sie dort wohnen oder arbeiten.

Dass die gesetzlichen Krankenkassen nun erstmals seit Jahren wieder über unterschiedliche Beitragssätze um Kunden buhlen, ist für die Versicherten eine gute Nachricht. Der Krankenkassenvergleich lohnt sich aber nicht nur für Sparfüchse, sondern auch für Gesundheitsbewusste.

Denn auch bei den Leistungen gibt es spürbare Unterschiede, selbst wenn laut GKV-Spitzenverband nur fünf Prozent der Leistungen nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Regelleistungen gehören. Wie aber gelingt die Suche nach der passenden Kasse und der anschließende Wechsel?

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