Währung: Schweizer Käse

KommentarWährung: Schweizer Käse

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Die Schweizer Notenbank greift in die massive Währungsaufwertung des Franken ein und legt einen Mindestkurs zum Euro fest.

von Malte Fischer

Mit der Euro-Bindung des Franken ruiniert die Schweiz das Vertrauen in das Papiergeldsystem.

An den Märkten schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Anfang vergangener Woche erklärte die Schweizer Notenbank (SNB), am Devisenmarkt keinen Euro-Franken-Kurs unter dem Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro mehr zu dulden. Die Flucht der Anleger aus dem kriselnden Euro hatte die Schweizer Devise gegenüber der Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn in der Spitze um 20 Prozent aufwerten lassen.

Exporteure mussten Preiskonzessionen machen und Gewinneinbußen hinnehmen. Unter dem Druck der Unternehmen hatte die SNB versucht, mit Nullzinsen und einer üppigeren Geldversorgung den Höhenflug des Franken zu stoppen – vergeblich. Jetzt sah sie sich gezwungen, zum äußersten Mittel zu greifen und eine Obergrenze für den Wechselkurs festzulegen. Die Notenbanker werden – sollte es erforderlich sein – ab sofort unbeschränkt Devisen kaufen.

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Die Entscheidung der SNB hat weitreichende Konsequenzen für die Schweiz und das globale Währungssystem. Die Märkte werden die Entschlossenheit der SNB in den nächsten Wochen testen. Die Notenbanker müssen daher in großem Stil Franken in das Bankensystem pumpen.

Ökonomisches Eigentor

Noch plagen die SNB wegen des starken Franken Deflationssorgen. Doch das könnte sich bald ändern. Nutzen die Banken das Zentralbankgeld, um mehr Kredite zu vergeben, werden auch die breiter gefassten Geldmengen expandieren – und die Preise in die Höhe schießen. So wie Ende der Siebzigerjahre, als sich die SNB schon einmal mit Devisenmarktinterventionen gegen den Höhenflug des Franken gestemmt hatte. In der Folge stieg die Inflation innerhalb von drei Jahren auf fast acht Prozent. Klettern die Preise nun wieder in die Höhe, verschlechtert dies die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Die Schweiz hätte ein ökonomisches Eigentor geschossen.

Zudem handeln sich die Währungshüter enorme Bilanzrisiken ein. Einen Großteil der erworbenen Euro dürfte die SNB in deutschen Staatsanleihen anlegen. Gehen der Wechselkurs des Euro und/oder die Kurse der Bundesanleihen auf Talfahrt, wäre die SNB zu hohen Wertberichtigungen gezwungen, die das Eigenkapital auslöschten. Dann müssten die Steuerzahler die Notenbank rekapitalisieren.

Club der Drucker

Am schlimmsten aber ist, dass sich die SNB dem internationalen Club der Gelddrucker, dem schon die US-Notenbank Fed, die EZB, die Bank von England und die Bank von Japan angehören, anschließt. Anlegern bleiben nur noch wenige Alternativen wie die norwegische Krone und der Singapur-Dollar als sichere Häfen. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch dort die Notenbanken Abwehrmaßnahmen gegen den Zufluss von Anlagegeldern ergreifen.

Die Wechselkursbindung des Franken trägt dazu bei, das Vertrauen in das Papiergeldsystem weiter zu ruinieren. Profitieren wird davon nur die Währung, die sich nicht beliebig vermehren lässt: Gold.

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