Währungen: "Dollar wird aufwerten"

Währungen: "Dollar wird aufwerten"

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Robert Gold, der Währungsfonds-Manager bei Goldman Sachs

Robert Gold, Devisenfonds-Manager bei Goldman Sachs, prophezeit eine Erholung der US-Währung nach dem jüngsten Absturz. Mehr zu Dollar, Pfund und Yen im Interview.

WirtschaftsWoche: Herr Gold, die US-Notenbank verschenkt mit ihrer Nullzinspolitik Geld. Dürfte das nicht Hedgefonds einladen, über billige Schulden massive Wetten gegen den Dollar einzugehen?

Robert Gold: Zunächst einmal ist es nicht einfach, an günstiges Geld zu kommen, und zweitens senken die Zentralbanken fast aller Wirtschaftsnationen ihre Zinsen aggressiv, sodass der Zinsvorteil auf breiter Front sinkt. Wetten gegen den Dollar lohnen also kaum.

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In den Schwellenländern sind die Renditen aber höher. Lohnt es da nicht, für sogenannte Carry Trades billiges US-Geld zu leihen und damit in Brasilien oder Indien zu spekulieren? Schwellenländer sind oft stark auf Auslandsinvestitionen und Mittelzuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Die sind 2009 vermutlich begrenzt, sodass Abwärtsdruck auf die Währungen entsteht, was Carry-Trader abschrecken dürfte. Bemerkenswert ist, dass der zuvor stark durch Carry Trades belastete Yen in den letzten Monaten sehr stark war, obwohl die japanischen Zinsen fast auf null gesunken sind.

Setzen Sie mit Ihrem Fonds auf eine weitere Abwertung des Dollar? Nein, wir hatten für die zweite Jahreshälfte 2008 schon eine Aufwertung des Dollar erwartet. Die jüngste Abwertung sehen wir nur als eine kurzfristige Korrektur. Da wir davon ausgehen, dass das Deleveraging...

...also der Abbau von Schulden bei Unternehmen und Spekulanten... ...weltweit anhält und darüber hinaus die Zentralbanken der zehn größten Industrienationen (G10) mit großen Schritten auf Leitzinsen von null zugehen, sollte der Dollar in der ersten Jahreshälfte 2009 zunächst aufwerten und sich erst später wieder abschwächen.

Der Dollar fiel gegenüber dem Euro im Dezember um mehr als zehn Prozent. Was hat sich seit Anfang dieses Monats geändert, das eine derart außergewöhnliche Bewegung erklärt? Zwei Faktoren sind dafür verantwortlich: Zunächst setzten viele Marktteilnehmer mit ihren Positionen auf eine anhaltende Aufwärtsbewegung des Dollar, obwohl dieser in vier Monaten bereits um mehr als 20 Prozent gestiegen war. Nachdem sich jedoch andeutete, dass den USA nach der Zinssenkung um 0,75 Prozentpunkte durch die US-Notenbank „Quantitative Easing“-Maßnahmen bevorstehen...

...die Notenbank also Wertpapiere kauft und so weiteres Geld in den Markt spült... ...bauten die Spekulanten schnell genau die umgekehrten Positionen auf. Aufgrund des geringen Handelsvolumens hat sich in den letzten Wochen zudem die Liquidität am Devisenmarkt verschlechtert, was zu den starken Kursschwankungen der letzten Zeit beitrug.

Wie stark muss der Dollar 2009 noch zum Euro fallen? Wird die Gemeinschaftswährung das Rekordniveau von mehr als 1,60 Dollar erreichen? Wir bezweifeln sehr, dass der Euro 2009 zum Dollar auf Rekordniveau steigt. Bei 1,60 Dollar war der Euro deutlich überbewertet. Und in den vergangenen Monaten bewegte er sich wieder stärker in Richtung seines fairen Werts.

Was geschieht, wenn die Nullzinspolitik Erfolg hat und sich die Wirtschaft erholt? Steigt der Dollar dann – oder fällt er weiter, weil das in den Markt gepumpte Geld Inflation verursacht? Wenn die US-Notenbank die Zinsen bei faktisch null belässt und auf Quantitative Easing setzt, erhöht dies die Aussicht auf eine zyklische Konjunkturwende mit entsprechender Inflation. Dann ginge die defensiv orientierte Dollar-Nachfrage zurück, was längerfristig nachteilig auf den Dollar wirken würde.

Wie stark müsste die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen senken, um beim Euro-Dollar-Wechselkurs die Wende herbeizuführen? Es ist nicht erwiesen, dass der Wechselkurs derzeit in erster Linie vom Zinsniveau bestimmt wird.

Was bestimmt den Dollar-Kurs denn dann? In den letzten Monaten war vor allem die Rückführung von Auslandsinvestitionen für die Dollar-Stärke verantwortlich, weil Anleger die USA nach wie vor als sicheren Hafen sehen. Daran sollte sich kurzfristig auch nichts ändern. Allerdings liegen die Zinsen in den USA fast bei null, und die EZB muss die Zinsen wahrscheinlich auf ein ähnliches Niveau senken. Das begünstigt den Dollar gegenüber dem Euro.

Sollte man aber jetzt nicht wenigstens gegen das britische Pfund Sterling wetten? In Großbritannien liegen die Häuserpreise sogar noch höher über ihrem langfristigen Trend als in den USA. Viele britische Banken benötigen bereits staatliche Hilfen. Das müsste das Pfund doch schwächen? Wir haben 2008 überwiegend auf eine Abwertung des britischen Pfund gesetzt, und es hat gegenüber dem Dollar und den meisten anderen Währungen der Industriestaaten tatsächlich bereits stark an Wert verloren. Trotz dieses deutlichen Kursverfalls könnte die Währung weiter nachgeben, denn Großbritannien ist eine kleine offene Volkswirtschaft mit einer sehr hohen Kredithebelung – sie ist mit die höchste aller Industriestaaten. Zudem ist das Land stark von der globalen Finanzkrise betroffen.

Steigt der Yen noch sehr viel weiter über sein kürzlich erreichtes 13-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar hinaus? In den nächsten drei bis sechs Monaten ist das sehr wahrscheinlich. Der Yen hat in der zweiten Jahreshälfte 2008 zugelegt, als die auf ihm beruhenden Carry Trades aufgelöst wurden. Über Jahre hinaus floss kurzfristiges Kapital aus Japan ab und wurde im Ausland investiert, um in der Zeit, als die japanischen Zinsen bei nahe null lagen, von höheren Renditen zu profitieren. Nachdem die Zinsen nun aber in den meisten Ländern aggressiv gesenkt wurden, sank die Rentabilität der Carry Trades. Diese Entwicklung setzt sich vermutlich fort und schlägt sich in einem stärkeren Yen nieder. Wir würden die weitere Entwicklung des Yen lediglich dann kritischer sehen, wenn Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft bestünden, weil dann wahrscheinlich die Risikoneigung steigen würde.

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