Wall-Street-Schreck : Eliot Spitzer zieht Börsenbilanz

InterviewWall-Street-Schreck : Eliot Spitzer zieht Börsenbilanz

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Eliot Spitzer

von Andreas Henry

Der Ex-Gouverneur und ehemalige New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer über seine Zeit als Quälgeist der Wall-Street-Banken und die Auswirkungen der aktuellen Finanzmarktreform.

Herr Spitzer, was haben die Neunzigerjahre für Sie bedeutet?

Für mich war das eine besonders spannende Zeit, weil ich als Generalstaatsanwalt im Finanzzentrum New York daran beteiligt war, Märkte und Marktteilnehmer zu kontrollieren, die außer Kontrolle geraten waren. Die Strukturen, die in den Jahren zuvor an den Finanzmärkten geschaffen worden waren, wiesen deutliche Mängel auf. Und die Konsequenzen daraus haben wir in den vergangenen Jahren während der weltweiten Finanzkrise schmerzhaft zu spüren bekommen. Der damals geprägte Ausdruck des „Irrationalen Überschwangs“ war eigentlich noch eine Untertreibung für das, was damals passierte. Denn die illegalen Praktiken in der Wirtschaft, denen ich und meine Mitarbeiter damals nachgegangen sind, waren dabei keine bedauerlichen Einzelfälle. Das war Teil eines in weiten Teilen aus der Kontrolle geratenen Systems.

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War das nicht ein Kampf gegen Windmühlen? Die Wirtschaftspolitik strebte seinerzeit nach Deregulierung und befürwortete die Selbstkontrolle durch die Finanzinstitutionen.

Das stimmt. Selbst die Clinton-Administration verfolgte diese Linie, darunter zahlreiche Wirtschaftsfachleute, die heute im Team von Präsident Barack Obama arbeiten und offenbar aus den Erfahrungen gelernt haben. Immerhin setzen sie sich heute eindeutig für mehr Kontrolle und Regulierung insbesondere auf den Finanzmärkten ein. Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich während meiner Zeit als Generalstaatsanwalt in New York bereits eine umfassende Vorstellung davon hatte, was die Folgen dieser Deregulierungswelle sein würden. Das hatte keiner. Wir haben uns seinerzeit vor allem mit Praktiken beschäftigt, die letztendlich dazu führten, dass der normale Anleger übervorteilt wurde. Dagegen wollten wir etwas unternehmen. Und das ist uns in einigen Bereichen auch gelungen. Aber im Lauf der Jahre erkannten wir, was wir aufdeckten, waren nicht einzelne Betrugsfälle, sondern dahinter steckte ein großer ideologischer Rahmen.

Was war die Geisteshaltung dieser Zeit? War es das Motto „Gier ist gut“, wie es der Banker Gordon Gecko im Film „Wall Street“ verkündet?

Absolut. In dieser Zeit ging es an der Wall Street in erster Linie nur noch darum, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen. Die Grenzen des Möglichen und Akzeptablen, etwa bei den Bonuszahlungen an die Banker, wurden dabei immer weiter getrieben. Der Rest der Gesellschaft erkannte einfach nicht, wie gefährlich das für alle wurde. Dass kein Konsens darüber bestand, diese Entwicklung zu zügeln, war eine enorme Fehleinschätzung von Politik und Wirtschaft. Die Regulierungsbehörden und die Gesetzgeber haben damals einfach ignoriert, dass die Banken innerhalb von wenigen Jahren ihr Geschäftsmodell radikal veränderten – weg von der wirtschaftlich notwendigen Funktion der Allokation von Kapital und hin in Richtung Zocken. Die Vorstellung, Selbstregulierung und laxe Kontrolle würden in einem solchen System reichen, ist ein Widerspruch in sich. In wichtigen Fragen gibt es keine sinnvolle Selbstregulierung. Wer meint, das könnte so funktionieren, beweist damit nur sein totales Unverständnis der menschlichen Natur.

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