Staatsschulden Wie die Staatsschulden Ihr Geld bedrohen

Weltweit verschulden sich die Staaten wie nie zuvor, drucken Notenbanken weiter maßlos Geld. Wer die Rechnung zahlt? Dreimal dürfen Sie raten! Wie die Schuldenlawine Vermögen gefährdet, wie Anleger ihr Depot jetzt darauf vorbereiten können.

Frankfurter Skyline: Die vom Bild vergrößern Frankfurter Skyline: Die vom Finanzsektor ausgelöste Rezession hat die Staatshaushalte an den Abgrund gebracht dpa

Devisenspekulanten rund um den Globus gaben Jürgen Stark blitzschnell die Quittung: „Die Märkte täuschen sich, wenn sie davon ausgehen, dass andere Mitgliedstaaten in ihre Brieftaschen greifen werden, um Griechenland zu retten“, vertraute der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“ an. Als die Nachricht auf den Bildschirmen aufleuchtete, klickten die Profis in den Handelssälen der Banken auf „ verkaufen“ – und drückten den Kurs des Euro blitzschnell um ein halbes Prozent unter die Marke von 1,43 Dollar.

Ein Zentralbanker, der über ein nicht zu rettendes Mitglied der Währungsunion sinniert – das ist eine Steilvorlage für alle, die auf einen fallenden Euro wetten. Dass die Euro-Länder tatsächlich eines der ihren fallen lassen könnten, mag so recht niemand glauben. Doch die bei einer Rettung zu schulternden Lasten dürften die Euro-Geberländer, allen voran Deutschland, noch stärker in die Verschuldung treiben. Außerdem: Für Griechenland mögen die vereinigten Mittel noch reichen. Was aber, wenn dann irgendwann auch mal Irland anklopft, Spanien oder gar eine Wirtschaftsmacht wie Italien?

Alles nur Panikmache? Fest steht: Die Finanzmärkte sind in solchen Fragen hochsensibel. Die nackten Zahlen zur katastrophalen Verschuldung der Staaten stützen die These: Die Banken wurden gerettet – und jetzt sind die Retter in Gefahr, die sie mit Hunderten von Milliarden vor dem Kollaps bewahrt haben. Der unheilvolle Gedanke an Staatsbankrotte macht sich breit in den Hirnen der Anleger.

Staatsverschuldung beschert "tumultartige Zeiten"

Nicht ohne Grund: Die Ratingagentur Moody’s sagt den Staaten weltweit angesichts der anschwellenden Haushaltsdefizite „tumultartige Zeiten“ bei der Schuldenaufnahme voraus. Die meisten EU-Staaten und ganz vorneweg die USA sind rekordhoch verschuldet.

Sichtbar leiden vorerst nur die Kleinen: Die Griechen ächzen unter 280 Milliarden Euro Schulden, das sind fast 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Der Maastricht-Vertrag, an den die Euro-Länder gebunden sind, erlaubt gerade mal 60 Prozent. Jüngst musste die Staatsholding des Emirats Dubai mit zehn Milliarden Dollar Nothilfe vom Nachbarn Abu Dhabi vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden. Die Seychellen werden nur noch vom Internationalen Währungsfonds über Wasser gehalten, ebenso wie Island, Ungarn, Lettland, Rumänien und die Ukraine. Lettland musste Investoren für eine Anleihe jüngst 8,75 Prozent Zinsen bieten – fast das Dreifache dessen, was Anleger vom Bund fordern. So etwas ruiniert auf Dauer jeden Haushalt. Bankanalysten sehen selbst Polen gefährdet, weil es im Ausland hoch verschuldet ist, aber nur wenig Devisenreserven hat.

Gefahren für das Ersparte

„Dubai und Griechenland sind ein Fingerzeig für 2010. Anleger werden vermehrt die Frage stellen, ob und wie lange Staaten und Unternehmen sich noch über neue Schulden finanzieren können“, sagt Jochen Felsenheimer, Kreditspezialist des Vermögensverwalters Assénagon.

Die Schuldenlawine der Staaten, weiter ungebremste Geldschöpfung der Notenbanken und auch die zunehmende Verschuldung von Unternehmen bedrohen Anlegervermögen gleich mehrfach:

  • Die Gefahr, dass Schuldner pleitegehen, nimmt zu. Für dieses Risiko fordern Investoren von Staaten oder Unternehmen für neue Emissionen einen höheren Zins. Altanlagen in Anleihen werden damit unattraktiver und erleiden Kursverluste.
  • Sobald die erhöhte Kreditmenge, die im Bankensystem gehortet wird, in der Wirtschaft ankommen sollte, droht Inflation. Wenn Unternehmen in der Krise ihre Kapazitäten stark zurückfahren, würden schon kleine Nachfragezuwächse auf knappe Kapazitäten stoßen. Knappheit aber ermöglicht Preissteigerungen – Inflation. Gerade klammen Staaten käme Inflation gelegen, weil sie ihre Schulden entwertet. Notenbanken, die Geld schöpfen, sind zwar formal unabhängig von Regierungen, aber selten resistent gegenüber politischem Druck.
  • Steigende Inflation wiederum könnte nur mit höheren Zinsen bekämpft werden. Die belasten sowohl Anleihebesitzer als auch Langfristsparer, die über Bankpläne oder Lebensversicherungen ihre Gelder zu Niedrigzinsen dauerhaft angelegt haben. Wer aktuell etwa fünfjährige deutsche Bundespapiere kauft, bekommt nur 1,8 Prozent nach Steuern. Schon eine milde Inflation würde diesen Ertrag unter null drücken. Wer langfristig spart, zahlt die Zeche, weil er am Ende der Laufzeit real, abzüglich Teuerungsrate also, Geld verliert.
  • Manager von Lebensversicherungen und Pensionskassen haben ihren Kunden 3,4 Prozent Rendite versprochen. Sollte eines Tages die Inflation höher als der versprochene Zins ausfallen, wäre das den Versicherern egal – ihr Renditeversprechen würden sie ja nicht brechen. Den Schaden hätten die Versicherten.
  • Auch Aktienbesitzer kämen kaum ungeschoren davon. Deutlich erstarkte Zinsniveaus drücken regelmäßig die Kurse von Dividendenpapieren, die relativ zu hoch verzinsten neuen Anleihen schlagartig unattraktiv werden. So etwa in den Siebzigerjahren oder 1980, als der damalige US-Notenbank-Chef Paul Volcker die Leitzinsen auf 20 Prozent setzte.

Schuldenmeister Schäuble

„Wer nicht rechtzeitig dafür sorgt, dass öffentliche Verschuldung beherrschbar bleibt und dass konsolidiert wird, der zahlt früher oder später einen immer größeren Preis“, schulmeisterte Finanzminister Wolfgang Schäuble vor Weihnachten in Richtung Griechenland. Wie wahr.

Schäuble selbst wird sich an seinen Worten messen lassen müssen, hat er sich doch schon heute zum Schuldenmeister aufgeschwungen. Fast 86 Milliarden Euro, inklusive Finanzmarktstabilisierungsfonds und Investitions- und Tilgungsfonds sogar 100 Milliarden Euro an neuen Krediten, buchte er für 2010 in seinen Etat – Negativrekord in der Geschichte der Bundesrepublik.

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28 Kommentare zu “Wie die Staatsschulden Ihr Geld bedrohen”

von TanteEmma am 21.01.2010 14:15 Uhr

von Ted Ku am 20.01.2010 21:18 Uhr

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