Wirtschaftsprofessor Roubini: "Jede Rettungsaktion schafft neue Blasen"

Wirtschaftsprofessor Roubini: "Jede Rettungsaktion schafft neue Blasen"

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Nouriel Roubini, Wirtschaftsprofessor an der New York University, bekannt auch als "Dr. Doom"

von Annina Reimann

Der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini hat die Finanzkrise vorhergesagt. Seitdem gilt er als Prophet. Jetzt spricht "Dr. Doom" wieder - und malt ein düsteres Bild.

Seine Sätze treiben einem den kalten Schauer über den Rücken – und doch verzieht Nouriel Roubini so gut wie keine Miene, während er sie spricht. Nur ab und an legt der New Yorker Ökonom die Stirn in Falten. Einmal ballt er sogar die Faust. Ruhig, fast ausdruckslos, spricht er, der die Finanzkrise lange vor ihrem Ausbruch prophezeite, Sätze wie diese: „Jede Rettungsaktion kreiert Blase, nach Blase, nach Blase“; „Im Casino in Las Vegas kann man seine Wettchancen ausrechnen, auf den Finanzmärkten nicht - also ist das Casino stabiler" oder „Vor der Krise schon waren Banken zu groß, um ausfallen zu dürfen, in der Krise haben sie sich zusammengeschlossen – und jetzt haben wir noch größere Banken, die noch viel weniger kollabieren dürfen. Die Staaten aber haben nicht mehr genug Geld, sie zu retten.“

Und jetzt?

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Die Banken, so sein nicht ganz neuer Vorschlag, müssten zerschlagen werden in Geschäfts- und Investmentbanken. Denn „wenn sie zu groß sind um auszufallen, dann sind sie schlicht zu groß.“ Nach too big to fail (zu groß, um auszufallen) komme jetzt too big to be bailed out (zu groß, um gerettet zu werden).

Bis auf den letzten Platz ist der kleine Raum in dem Frankfurter Nobelhotel besetzt. Kamerateams filmen fleißig das Cover zu Roubinis neuem Buch "Das Ende der Weltwirtschaft" - ein Glück, dass auf diesen Satz im Titel noch ein "und ihre Zukunft" folgt. Im Buch analysiert Roubini die Krise und beantwortet Fragen: Sind Märkte oder Staat schuld an der Krise? Was ist die Zukunft des Kapitalismus? Wie reformiert man das globale Wirtschaftssystem, um zukünftige Krisen zu verhindern? Roubini entwirft im Buch Szenarien, wie die Weltwirtschaft aus der Krise herauskommt und draußen bleibt.

Höchste Zeit für Notfallpläne

Um das System zu stabilisieren, schlägt Roubini mehr Eigenkapital für Banken und eine internationale Regulierung vor. Zu blöd, dass Politiker dazu seit Jahren nicht den nötigen Mut aufbringen und des Volkes Geld lieber panikartig mit der Gießkanne ausschütten, statt Notfallpläne zur Abwicklung offenbar systemrelevanter Institute und Staaten in die Schubladen dieser Welt zu legen. Denn langsam läuft die Zeit weg. Die Saat für die nächste Kreditblase ist gelegt, "die Krisen kommen heute in immer kürzeren Abständen und ihre Auswirkungen sind immer ernster“, sagt Roubini und zieht die buschigen Augenbrauen leicht hoch. So werde auch der Euro wohl weiter sinken. Und Finanzkrisen werden zur Regel statt zur Ausnahme.

Roubini zufolge ist die Krise derzeit in der zweiten Phase. In der ersten kollabierte der amerikanische Häusermarkt samt all seiner Folgen. In der zweiten stehen nun die Schulden der Länder im Vordergrund. „Die Krise ist in der Privatwirtschaft entstanden, die Verluste aber wurden sozialisiert“, sagt der Ökonom. In einer dritten Phase komme die Krise zurück zur Privatwirtschaft. So sieht Roubini eine Deflation heraufziehen, die die Wirtschaft massiv treffen könnte.

Gründe dafür sieht er im Ausbau der Produktionskapazitäten trotz mangelndem Wachstum, was Firmen aufgrund von Überproduktion unter Preisdruck bringen könnte. Eine Rolle spielen auch die hohen Arbeitslosenraten in der Eurozone und dazu Arbeitnehmer, die immer niedrigere Gehälter akzeptieren, um ihre Jobs zu behalten - wie kürzlich zum Beispiel bei Opel geschehen. „Die Produktivität wächst schneller als die Gehälter“, sagt Roubini. Die Menschen werden weniger Geld ausgeben können, Firmen werden mehr Ware aber weniger Abnehmer haben – im Kampf um den Kunden sinken die Preise, Deflation droht. Auch die Regierungen fangen nun an zu sparen, was diese Entwicklung weiter unterstützt. "In den nächsten zwei bis drei Jahren mache ich mir Sorgen um Deflation in Japan, Europa und den USA”, sagt er. Zusätzlich ziehen die Zentralbanken das kurzfristig gedruckte Geld direkt wieder aus dem Markt, die mangelnde Kreditvergabe verhindert die Inflation zusätzlich. Noch.

Fließt das Geld aber ins System, droht mit der Liquidität die Inflation. Sinnvolle Kredite, die Wachstum schaffen, sollten Roubini zufolge nicht in Beton wandern. „Das Geld muss dort investiert werden, wo es Produktivität fördert – schöne, große Häuser erhöhen nicht die Produktivität.“ Sagt er, und entschwindet.

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