Wirtschaftsprüfer: Ernst & Young räumt massive Qualitätsprobleme ein

Wirtschaftsprüfer: Ernst & Young räumt massive Qualitätsprobleme ein

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Ernst & Young: Massive Qualitätsprobleme bei der Prüfung von Unternehmensabschlüssen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat in den vergangenen Jahren unter Qualitätsproblemen bei der Prüfung von Unternehmensabschlüssen gelitten. Das geht aus internen Papieren hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Im Protokoll einer Vorstandssitzung vom 13. Februar 2007 ist die Rede von seit „Jahren unverändert schlechten Ergebnissen im Quality Review“, der internen Qualitätskontrolle der Prüfer. Erwähnt werden zudem „hundertfache Verletzungen der persönlichen Independence“. Demnach haben Partner Unternehmen geprüft, von denen sie Aktien halten oder in deren Aufsichtsräten sie vertreten sind. Wie aus den Protokollen weiter hervorgeht, hat es Sanktionen jedoch nur in Ausnahmefällen gegeben. „Reines Überzeugen hat uns in unserer Laissez-faire-Kultur nicht weitergebracht“, heißt es in einem dem Magazin vorliegenden Protokoll aus dem vergangenen Jahr. „Wir stehen dort, wo wir auch schon vor fünf Jahren gestanden haben.“ Als Beispiel für Verfehlungen nennt das Papier „Fälle, in denen Partner überhaupt nicht raus zum Mandanten gehen, die Arbeitspapiere nicht durchsehen“. Bis Mitte 2007 gab es für solches Fehlverhalten jedoch keinen Katalog für Sanktionen.

„Wir haben uns weltweit in den vergangenen Jahren mit kaum einem anderen Thema so intensiv beschäftigt wie mit Qualität und Risikomanagement von Prüfungen“, sagte Ernst & Young-Deutschland-Chef Herbert Müller der WirtschaftsWoche. Neue Vorgaben der Gesetzgeber weltweit und die Größe der Organisation hätten diesen Prozess so komplex gemacht, dass er viele Jahre in Anspruch nahm. Zunächst habe die Gesellschaft auf eine Selbstverpflichtung der Partner gesetzt. „Da wir das Ziel einer Nulltoleranz gegenüber Fehlern so nicht erreicht haben, haben wir uns auf ein zusätzliches Instrumentarium verständigt“, so Müller. Die Sanktionen sollen nun von einer Verwarnung über Trainingsmaßnahmen, die Verweigerung von Führungsaufgaben, den Entzug eines Mandats bis zur Kündigung reichen. Zudem ist vorgesehen, Partnern bis zu fünf Prozent des Jahresbonus vorzuenthalten. Über dessen Höhe macht Ernst & Young keine Angaben. „Wir müssen bei Geldstrafen erst ein Gefühl dafür entwickeln, was angemessen ist“, sagt Müller.

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Die Qualitätsprobleme haben ihre Ursache offenbar in der Forderung nach wachsender Effizienz in den Prüfverfahren. In einem Protokoll heißt es, ein Vorstand befürchte, dass die für Prüfung zuständigen Manager künftig „stets den sicheren Weg gehen werden. Auf Effizienz wird dann keine Rücksicht mehr genommen.“ Ein Insider berichtete dem Magazin, es gebe „einen immensen Druck, Prüfungen schlanker und effizienter zu machen“. Das Ergebnis sei, dass „was vor 20 Jahren mit fünf Mitarbeitern sechs Wochen dauerte, heute von drei Leuten in zwei erledigt wird“ und nur wenige Prüfungen so stattfänden, wie es die Ernst & Young-Methode vorsieht. In einigen Fällen hätten Vorstände Prüfer zudem aufgefordert „mehr Kreativität zu zeigen“. Das bestreitet Müller. Die Prüfungsmethode müsse immer angewendet werden. „Wenn dies unterbleibt, erkennen wir das bei der internen Qualitätskontrolle, was dann direkte Konsequenzen hat.“ Allerdings werde die Methode in einigen Fällen auf die Erfordernisse des Mandanten zugeschnitten, da etwa bei kleineren Mittelständlern nicht immer das volle Konzernprogramm notwendig sei.

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