Zehn Jahre Euro-Einführung: Der Anfang vom Ende der D-Mark

Zehn Jahre Euro-Einführung: Der Anfang vom Ende der D-Mark

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Vor zehn Jahren wurde die Einführung des Euro beschlossen

Es war der Anfang vom Ende der D-Mark: Vor zehn Jahren, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1998, wurde die Einführung des Euros in Deutschland endgültig festgeschrieben. Auf einem Gipfeltreffen in Brüssel unterzeichneten die EU-Staats- und Regierungschefs die Liste der ersten elf Teilnehmerstaaten der Währungsunion.

Damit endete eine „dramatische Sitzung“, wie sich der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel erinnert. Denn wegen eines heftigen Streits über die Berufung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) wäre der feierliche Unterzeichnungsakt um ein Haar geplatzt. Am Veto Frankreichs gegen den von Deutschland unterstützten niederländischen Kandidaten Wim Duisenberg „haben wir geknabbert bis Mitternacht“, sagte Waigel der Nachrichtenagentur AP. Der Euro-Beschluss ging in dem Tauziehen um die beiden EZB-Kandidaten Duisenberg und Jean-Claude Trichet, der schließlich die Nachfolge des Niederländers antrat, fast unter.

Das ärgert Waigel heute noch, denn er war damals schon überzeugt: „Der Euro wird ein Erfolg.“ Heute lässt sich das kaum mehr bestreiten: Nur sechs Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds ist die Gemeinschaftswährung fast 1,60 Dollar wert. Und auch wenn er weiter als „Teuro“ verschrien ist - innerhalb der Währungsunion hilft der Euro derzeit, die Inflation wenigstens etwas abzumildern. Denn weil Öl in Dollar gehandelt wird, dämpft der Euro den Preisanstieg.

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Zu diesem Erfolg zu gelangen, war harte Arbeit. Kaum einer weiß das besser als Wilhelm Schönfelder. Der langjährige Diplomat brachte vor über 20 Jahren den Stein ins Rollen, der über den Vertrag von Maastricht und den Euro-Beschluss 1998 letztlich bis zur Einführung der Gemeinschaftswährung führte. Schönfelder, damals Referatsleiter für internationale Finanzfragen im Auswärtigen Amt, erhielt 1987 den Auftrag, für Außenminister Hans-Dietrich Genscher eine Tischrede für einen Empfang der EU-Botschafter in Bonn zu schreiben. Es solle „mal was Neues“ drinstehen, trug sein Vorgesetzter ihm auf. Schönfelder formulierte in schönstem Beamtendeutsch, dass die „Diskussion um die institutionelle Weiterentwicklung des Europäischen Währungssystems enttabuisiert werden“ solle.

„Für Eingeweihte war klar: Gemeint war eine Diskussion über die gemeinsame Währung“, sagt Schönfelder, der später als EU-Botschafter nach Brüssel ging und heute für Siemens arbeitet. Gehalten hat Genscher die Rede so wohl nie, aber sie wurde im offiziellen Bulletin der Bundesregierung veröffentlicht - was heftige Proteste des Finanzministeriums auslöste. Dessen damaliger Hausherr, Gerhard Stoltenberg, hielt nicht viel von einer Gemeinschaftswährung und verbat sich jegliche „Einmischung“ des Außenministeriums. Genscher aber gefiel der Gedanke.

Im Dezember 1987, kurz bevor Deutschland für sechs Monate die rotierende EU-Ratspräsidentschaft übernahm, forderte der Außenminister erstmals wörtlich eine „gemeinsame europäische Währung“. Wenig später stellte sich auch Bundeskanzler Helmut Kohl hinter den Vorschlag. Schon 1989 legte die EU-Kommission dann einen dreistufigen Plan zur Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion vor.

Dass sich die Idee einer Gemeinschaftswährung, die erstmals schon Anfang der 70er Jahre aufkam, Ende der 80er Jahre gegen starke Widerstände gerade auch in Deutschland durchsetzte, erklärt Schönfelder außer mit der Entschlossenheit Genschers und Kohls auch mit den wirtschaftspolitischen Bedingungen: Ähnlich wie heute fiel damals der Dollar, was zu heftigen Währungsschwankungen auch in Europa führte. „Die Idee war, dass ein großer Eimer Wasser stabiler ist als eine Teetasse“, erläutert der gelernte Volkswirtschaftler.

Vor allem aber habe er die europäische Integration vorantreiben wollen: „Ein Binnenmarkt ohne einheitliche Währung ist kein richtiger Binnenmarkt.“ Ganz perfekt ist die Währungsunion aus Sicht des ehemaligen EU-Botschafters noch nicht: „Was fehlt, ist eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik.“ Doch in dieser Frage ein Stück nationale Souveränität aufzugeben, sei heute wohl noch keine Regierung bereit, meint Schönfelder. Schon gegen den Stabilitätspakt, der den Euro-Staaten einheitliche Obergrenzen beim Schuldenmachen auferlegt, habe es schließlich Proteste gegeben.

Ex-Finanzminister Waigel, der den zunächst auch in Deutschland umstrittenen Pakt in den 90er Jahren politisch durchsetzte, würde ihn heute sogar „noch enger fassen“. Die gefürchtete Neuverschuldungsgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, an der sein Nachfolger Hans Eichel so kläglich scheiterte, sei eigentlich zu weich, meint Waigel: Als die EU-Finanzminister sie festlegten, seien sie noch von einem jährlichen Nominalwachstum von fünf Prozent ausgegangen - aus heutiger Sicht ein Traumwert, den in der Eurozone kein Land mehr erreicht.

Auf Basis der heutigen Wachstumsraten müsste man die Neuverschuldungsgrenze eigentlich auf „zwei Prozent oder eineinhalb herabsetzen“, meint Waigel. Dem Euro prognostiziert er dennoch eine glänzende Zukunft: „Wenn die Europäer ihre Hausaufgaben machen und neben der Konsolidierung auch Strukturreformen vollziehen, bin ich sicher, dass der Euro eine ausgezeichnete Performance hat.“

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